„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ – Wie Feindbilder Gesellschaften spalten

„Ist der Feind bekannt, hat der Tag Struktur.“

Dieses Zitat stammt von einer deutschen Kabarett-Größe, der es mit seiner bissig-pointierten Art hervorragend verstand, große geopolitische Zusammenhänge und innen- sowie soziopolitische Zustände mit psychologischen Analysen in einem Humor zu verbinden, bei dem man nie so recht wusste, ob man nun lachen oder weinen soll. Volker Pispers hat mit diesem Satz ein Zitat geschaffen, dass in der Friedensbewegung immer wieder gerne herangezogen wird, um die Entstehung und die „Notwendigkeit“ von Feindbildern auf einen Satz herunterzubrechen. Man könnte auch sagen: „Der Mensch braucht stets einen Feind.“ Jede und jeder, der oder die sich für grundsätzlich friedfertig hält, würde vermutlich stutzen und dem intuitiv widersprechen. Man mag vielleicht den eigenen Chef nicht besonders oder versteht sich nur mäßig mit der anstrengenden Nachbarin, hat vielleicht mal eine Konfrontation mit dem Fan einer anderen Fußballmannschaft oder ärgert sich regelmäßig über die anderen Verkehrsteilnehmer, aber Feinde? Nein, ganz bestimmt nicht.

Der Begriff „Feind“ oder „Feindbild“ muss in diesem Kontext etwas breiter gefasst werden. Es bedeutet nicht, dass wir permanent an jemanden Bestimmtes denken, dem wir etwas Schlechtes wünschen. Ein „Feindbild“ liegt bereits vor, wenn einem Entwurf ein Gegenentwurf gegenübergestellt wird und dieser dann abgewertet wird. Es geht dabei um dualistische Konzepte. Einer meiner älteren Text behandelte bereits die „Polarität des Menschen“ und wie dualistische Konzepte in uns selbst grundlegend verankert sind. Die „Dualität“, also die Getrenntheit der Einheit in zwei Seiten, ist in der Natur angelegt und kann sich in vielen Formen manifestieren. Dieser natürliche Grundsatz ist zugleich die erste zentrale Komponente für die Entstehung von „Feindbildern“. Hinzu kommt bei der Entstehung von Feinbildern jedoch ein Bewusstseinsakt, der ebenfalls grundlegend in uns angelegt ist: Die „Bewertung“. In dem ein oder anderen Beitrag habe ich bereits erläutert, wie die einzelnen Instanzen unseres „Selbst“ zusammenwirken, um aus einer Erfahrung eine körperliche Reaktion abzuleiten. Die meisten „Bewertungen“ laufen unterbewusst und derart automatisiert ab, dass wir sie gar nicht erst bemerken.

Teilen wir nun ein Feld mit einer Trennlinie, sodass ein dualistisches Konzept daraus wird, und bewerten zugleich die beiden entstandenen Seiten des Felds unterschiedlich (bspw. positiv vs. negativ oder groß vs. klein), dann haben wir zwei der drei Grundvoraussetzungen für ein Feindbild bereits beisammen. Ein sehr banales Beispiel: Haben wir bei einer Party Durst, freuen wir uns darüber, wenn unser Getränk (Feld) – beispielsweise ein Bier – noch schön voll ist (voll = positive Bewertung). Haben wir immer noch großen Durst, aber die Flasche ist leider schon leer, ärgern wir uns (leer = negative Bewertung). Geht der Abend zu Ende und der nächste Morgen beginnt mit der Aufräumaktion, dann ist der Bierdurst oft nicht mehr ganz so stark. Finden wir dann ein fast volles Bier, ärgern wir uns vermutlich, während wir noch wenige Stunden zuvor vielleicht sogar selbst eben jenes Bier noch mit großer Motivation geöffnet haben. An diesem banalen Beispiel wird deutlich, wie eine dualistische Konzeption und die Bewertung der einen oder anderen Seite (voll vs. leer) sich je nach Perspektive oder Situation völlig in sein Gegenteil verkehren kann. Dieser Mechanismus lässt sich mit der richtigen Begründung und Situation auch auf weitaus dramatischere Bereiche des menschlichen Lebens sehr leicht übertragen.

Personenkulte

Der dritte zentrale Aspekt bei der Entstehung von Feindbildern ist meiner Auffassung nach die Personifzierung von dualistischen Konzepten beziehungsweise die Kategorisierung bestimmter Personen oder über eine Pauschalisierung gleich eine ganze Personengruppen in eine dualistische Beziehung. „Personifizierungen“ finden wir oft in Film und Fernsehen – also dort, wo Fiktion stattfindet. Die grundlegende dualistische Beziehung ist dabei in den meisten Fällen die Zweiteilung in „das Gute“ und „das Böse“. Eine Filmreihe wie „James Bond“ würde überhaupt nicht funktionieren, wenn nicht „das Gute“ in Form des britischen Geheimagenten James Bond immer wieder gegen „das Böse“ antreten würde. Ist „das Böse“ erkannt, erscheint es völlig selbstverständlich, dass Bond bei seiner „Friedensmission“ mit jedem weiteren Film einen immer größeren Leichenberg hinterlässt, um „das Gute“ zum Sieg zu führen. Auch vor hunderten und vermutlich vor tausenden von Jahren hat man sich in der Geschichte der Menschheit immer wieder Geschichten erzählt, bei dem „das Gute“ gegen „das Böse“ antrat. Von den Märchen der Gebrüder Grimm, über die Bibel bis hin zu den Geschichten der Alten Griechen gab es immer wieder Erzählungen, in welchen Protagonist und Antagonist aufeinandertrafen. „Feindbilder“ können aber auch sehr abstrakt und kollektiv sein und in Form von Geisterwesen, Feindnationen, Zombiemenschen oder schlicht als „dunkle Macht“ personifiziert werden.

Das Konzept „Feindbild“ ist also ein altbekanntes Muster im kollektiven Gedankengut der Menschheit. Immer wieder kam es allerdings dazu, dass sich dieses gedankliche Muster in der blutigen Realität manifestiert hat und zu großem Unheil führte. Aus meiner Sicht wurzeln alle drei Grundkomponenten eines Feindbildes im abstrakten Grundkonzept des „Ichs“ beziehungsweise des „Egos“. Die Spaltung zwischen den Menschen beginnt also bereits bei der Unterscheidung in „Ich“ und „Du“ beziehungsweise in „Wir“ und „Ihr“. Fügt man die drei davon abgeleiteten Prinzipien „Dualität“, „Bewertung“ und „Personizfierung/Personenbezug“ in einem Feindbild zusammen, können damit sehr leicht Grenzen zwischen einzelnen aber auch zwischen sehr vielen Menschen gezogen werden. Da die allermeisten von uns sich im „Ich-Denken“ bewegen, kann es daher sehr schnell zu einer zwischenmenschlichen Spaltung kommen. Angefangen vom unterschiedlichen Musikgeschmack, über das teilweise bis ins Fanatische gehende Angehängertum an eine Sportmannschaft oder an eine Religion oder an den Grenzen einer Sprache, einer Nation, einer Kultur, einer Hautfarbe, eines Körpermerkmals oder gar eines Gesundheitsstatus.

All dies sind Ebenen, auf welchen wir im Laufe der Menschheitsgeschichte bis heute immer wieder Spaltungen beobachten können und konnten, die ist uns im historischen Rückblick dann oft völlig verrückt erscheinen. Es widerspricht nämlich meines Erachtens der uns innewohnenden Empathie, anderen Menschen, mögen sie auf den ersten Blick auch anders aussehen, abzuwerten oder gar Leid anzutun. Es fällt uns natürlich recht leicht, einen blöden Spruch zu machen oder jemandem mit bösem Blick anzugucken. Wesentlich schwerer fällt es uns jedoch, einen anderen Menschen zu verletzen oder gar zu töten. Je größer und öffensichtlicher der Unterschied zwischen den Beteiligten allerdings ist, desto leichter fällt es uns jedoch, die andere Seite anders zu behandeln. Umgekehrt sind wir eher dazu geneigt, jemandem freundlicher gegenüberzutreten, je mehr uns dieser jemand auf verschiedene Weise ähnelt. Dies ist wissenschaftlich längst erwiesen (Quelle).

Im Folgenden möchte ich einzelne historische Beispiele liefern, die uns zeigen, an welchen großen Bruchkanten „Feindbilder“ aufgebaut wurden und werden, um bestimmte Personengruppen oder ganze Nationen von einer anderen Menschengruppe ab- und damit auszugrenzen, sodass eine Begründung dafür geschaffen wurde, sie dementsprechen anders und damit häufig leider schlechter zu behandeln oder gar ihren Tod zu fordern. Ich möchte dabei mit dem ältesten Beispiel beginnen, um Schritt für Schritt zur Gegenwart zu gelangen:

Barbaren

Erstmals ist das Wort in der „Ilias“ von Homer im griechischen Raum belegt. Was zunächst als relativ wertneutrale Bezeichnung für all diejenigen herangezogen wurde, die nicht oder nur schlecht griechisch sprachen, entwickelte sich zu einem Terminus für Menschen nicht griechischer und später nicht griechisch-römischer und damit minderer Kultur. Damit erhoben sich die antiken Griechen über die anderen Nachbarvölker, die deswegen problemlos als rechtlose Sklaven im Rahmen ihrer proto-demokratischen Gesellschaft gehalten werden konnten – ein Beispiel für die Entmenschlichung auf Grund unterschiedlicher Kulturen und Sprachen. Der Begriff hat bis heute seinen negativen Charakter konserviert (Quelle).

Philister

Die Philister waren ein Kriegervolk, das Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. im Gebiet des heutigen Gaza und Israels siedelte. Im Alten Testament sind sie das Feindvolk der Israeliten, weil sie Götzen anbeteten und „die Überheblichkeit und Aufdringlichkeit des Menschen im Fleisch in Bezug auf das, was Gott gehört“ (Quelle) personifizierten. Zudem hielten sie das „verheißene Land“ besetzt, das den Israeliten der Tora nach von Gott selbst versprochen ist. Sie lagen mit den Israeliten über viele Jahre im Krieg und stahlen angeblich sogar die Bundeslade, die der Legende nach die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten enthielt. Das Feindbild „Philister“ bezog sich als vor allem auf religiös-kulturelle Unterschiede, aber auch auf Herrschaftsansprüche über das Gebiet des heutigen Israel. Auch dieser Konflikt wirft seinen Schatten bis in die Gegenwart. Die wohl symbolträchtigste Konfrontation zwischen Israeliten und Philistern findet sich im Kampf „David gegen Goliath“ wieder, in dem der junge David mit einem Steinwurf den übermächtigen und erfahrenen Kämpfer Goliath besiegt haben soll (Quelle). Der Begriff „Philistertum“ oder „Philisterei“ wird bildungssprachlich „durchweg abwertend gebraucht und bezeichnet philisterhafte, also kleingeistige oder spießbürgerliche Wertvorstellungen. Synonyme für das Wort sind dementsprechend ,Spießbürgertum‘ oder ,Kleingeistigkeit'“ (Quelle).

Juden

In unserem abendlänischen Kulturkreis ist das wohl präsenteste Feindbild das „des Juden“. Die Geschichte dieses Feindbildes ist ebenfalls alt, aber hat im Laufe der jüngeren Geschichte immer wieder eine traurige Novelle erlebt und ist bis heute nicht überall überwunden. Der tragische Höhepunkt ist dabei sicherlich im Holocaust des II. Weltkriegs zu sehen. Neben Menschen mit Behinderung, Homosexuellen und anderen waren es vor allem Jüdinnen und Juden, die von Nationalsozialisten des Dritten Reichs als „Untermenschen“ angesehen wurden. Im Beitrag die „(Trans)humanistische Revolution“ bin ich bereits kurz auf den Ursprung der „Wissenschaft“ (Eugenik) hinter der „Rassentheorie“ Hitlers eingegangen. Diese war bereits vor dem Holocaust durch die Nationalsozialisten eine diskutierte Wissenschaftsströmung im anglo-amerikanischen Raum, die sich unmittelbar aus der Evolutionstheorie Darwins ableitete. Heute bevorzugen Evolutionsbiologen die Begriffe „germinal choice“ oder „reprogenetics“ (Quelle). Da die einfachen Bürgerinnen und Bürger jedoch nicht viel mit Evolutionsbiologie anfangen konnten, waren abwertende Karikaturen und hetzerischer Populismus sowie das Reichsradio als Eckstein der Propaganda-Strategie Göbbels die zentralen Mittel, um das Feindbild „Jude“ populär zu machen.

Deutsche

Weniger bekannt ist hierzulande die Tatsache, dass beispielsweise in England und den USA zu Zeiten des I. Weltkrieges ebenso wie die Bevölkerung Nazi-Deutschlands im II. Weltkrieg gegen Juden aufgehetzt wurde, die Engländer und Amerikaner wiederum gegen die Bevölkerung Deutschlands aufgehetzt werden musste, um den Krieg zu rechtfertigen. Die aufkeimende Filmindustrie mit dem Flaggschiff „Hollywood“ erlangte damals seine zentrale Rolle in der Kriegspropaganda, der sie bis heute gerne nachkommt. Beliebt waren aber vor allem Plakate wie das obige. Die Deutschen des Kaiserreichs wurden dabei gerne als „the Huns“ („Die Hunnen“) bezeichnet (Quelle). Auch die Lyrik des Poeten Rudyard Kipling ist ein Beispiel für kriegstreiberisches Gedankengut gegen die Deutschen zu Kaiserreichszeiten:

„For all we have and are,
For all our children’s fate,
Stand up and take the war.
The Hun is at the gate!“
(Quelle)

Kommunisten

In der Auseinandersetzung zwischen den Machtblöcken NATO und dem Warschauer Pakt beziehungsweise der USA und der Sowjetunion wurde von westlicher Seite aus das Narrativ des „bösen Kommunismus“ gesponnen, während im Osten das Gegennarrativ des „bösen Kapitalismus“ aufgebaut wurde. Diese zwei Narrative stehen bis zum heutigen Tage zwischen dem vom Imperium USA geführten Militärbündnis NATO und dem Osten mit den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und China. Der aktuelle Ukraine-Krieg kann als neue Eskalation eben jener alten Fehde gesehen werden, die zuletzt im Kalten Krieg eine derartige Spannung erlebte, wie wir sie derzeit wieder haben. Die Themen „Stationierung von Atomwaffen“, „Landnahme“, „NATO-Osterweiterung“ und „Sanktionspolitik“ sind gerade so heiß wie vermutlich noch nie in diesem Konflikt der nach den großen Weltkriegen die Weltpolitik des 20. und 21. Jahrhunderts in Atem hält.

Soldat

Die Feindbilder meiner Generation

Die bis an dieser Stelle angeführten Beispiele haben allesamt eine längere Tradition, die teilweise ihre Nachwirkungen bis in die Gegenwart haben. Einige dieser Feindbilder gelten dem modernen und aufgeklärten Menschen Zentraleuropas allerdings als überholt und glücklicherweise als aufgelöst und weitestgehend abgebaut. Für den Rest der Welt kann ich kaum sprechen, weil ich nun einmal in Zentraleuropa geboren und aufgewachsen bin. Sind wir in Zentraleuropa oder in Deutschland mit seiner schrecklichen Erfahrung des absolut pervertierten Feindbildes „Juden“ deswegen vor immer neuen Feindbildern gefeit? Leider nein. In meinen 28 Lebensjahren erlebe ich dieser Tage bereits die dritte systematische Entstehung eines Feindbilds, die für mich der Anlass zu diesem Beitrag war. Der Reihe nach: das erste große Feindbild, was während meiner Lebenszeit viele Jahre die Köpfe der Menschen der westlichen Welt beherrschte und noch heute nach Bedarf aktiviert werden kann, ist das des „islamistischen Terroristen“. Den entscheidenden Ausgang der Entstehung ist natürlich in den Ereignissen um den 11. September 2001 zu sehen. Fortan wurden Männer mit dunklerem Teint, langem schwarzen Bart und generell arabisch sprechende Menschen mit anderen Augen als zuvor angesehen.

Zugleich ermöglichte die Angst vor „islamistischen Terror“ den rasanten Ausbau des Überwachungsstaates und eine starke Zunahme an Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und vor allem an Flughäfen. Aus jugendlichem Protest lies ich mir selbst einige Zeit einen voluminösen Rauschebart wachsen, um den Menschen meines Umfelds einen Spiegel für ihr indoktriniertes Feindbild entgegenzuhalten. Dieses Feindbild ermöglichte es vor allem der USA mit der NATO, eine ganze Reihe an Kriegsschauplätzen zu eröffnen, weil die beste Verteidigung ja schließlich der Angriff ist. Saudi Arabien, das nach wie vor ein wahhabitisches Königreich ist, ist seitdem immer noch der wichtigste strategische Partner der USA, obwohl 15 von 19 Attentätern bei den Anschlägen um 9/11 Saudis waren und es Hinweise auf eine Komplizenschaft der Regierung dabei gibt, während man im Gegenzug Afghanistan und Irak angriff, obwohl diesen Ländern allenfalls nur indirekte Verbindungen zu den Ereignissen um die drei Türme des World Trade Centers nachgewiesen werden konnte. Klingt komisch, ist aber so.

Dem abstrakten Feindbild „Islam“ wurden dann nach und nach einzelne Namensschilder aufgeklebt, um schließlich mit einer gut platzierten Kriegslüge oder einem Lügengebilde eine „humanistische Intervention“ (anderes Wort für „völkerrechtswidriger Angriffskrieg) zu rechtfertigen: Muammar al-Gaddafi (Lybien), Bin Laden (Afghanistan), Saddam Hussein (Irak), Bashar al-Assad (Syrien) und was im Jemen passiert und welche Rolle Deutschland dabei spielt, was auch kaum jemand so richtig. Die einzelnen Konflikte aufzudröseln würde den Rahmen und Zweck dieses Beitrags jedoch mehr als sprengen. Es lässt vereinfacht sagen: das Feindbild „Islam“ beziehungsweise „islamistischer Terrorismus“ hat sehr gut funktioniert.

Seit knapp zwei Jahren wird hierzulande zudem an einem weiteren Feindbild gearbeitet, das sich konkret auf die Gesellschaft Deutschlands bezieht. Bis vor zweieinhalb Jahren galten „Querdenker“ noch als kreative Köpfe und Individualisten und waren in jeder Arbeitsgruppe vereinzelt gern gesehen. „Querdenker“ waren Pioniere, Idealisten und Erfinder. Mit der regierungskritischen Bewegung „Querdenken“ wurde jedoch von Regierungsseite und vielen Mainstream-Medien alles dafür getan, den Begriff und damit die Bewegung systematisch abzuwerten. Da es sich bei dieser Gruppierung um Menschen handelt, die direkt aus der Mitte der Gesellschaft stammen, musste die Abwertung um so drastischer ausfallen, um alle Folgehandlungen, die wir in den letzten zwei Jahren erlebten, zu rechtfertigen. Dies gelang jedoch recht erfolgreich, weil mit der unsichtbaren „Gefahr“ eines Virus der „Feind“ ja in jeder und jedem stecken kann. Somit kann jede Handlung, die nicht in das von der Regierung festgelegte Verhaltenskonzept passt, als politischer Gesinnungsakt verstanden werden, mit der man sich zur „falschen Seite“ bekennt: Die „Maske“ als politisches Symbol. In Deutschland ist dabei eines der funktionalsten und populärsten Feindbilder, das sich problemlos anwenden und mit neuen Feindbildern vermischen lässt und oft recht unkritisch von der Menge akzeptiert wird, das Feindbild „Nazi“ oder – noch plumper – „Rechts“.

Das Feindbild „Verschwörungstheoretiker“, das bereits vor der Corona-Pandemie aufgebaut und punktuell gerne angewandt wurde, hat man nach Bedarf und Situation einfach hinzugenommen. Schließlich kamen dann weitere Begrifflichkeiten wie „Reichsbürger“, „Esoteriker“ oder die völlig neue Kategorie, die sich einfach so etabliert hat, hinzu: „Schwurbler“. Schließlich und endlich ist die Spaltung nun mit der Entscheidung für oder gegen den medizinischen Eingriff in Form eines gen-basierten Impfstoffs perfekt: Geimpfte vs. Ungeimpfte. Das ist die perfekte Bruchlinie, die sich durch jede Bevölkerungsschicht, jede soziale Struktur, seien es Freundschaften, Familie, Vereine, Belegschaften, Zünfte und durch jede Altersgruppe ziehen kann und in Form einer Bescheinigung zugleich mit bestimmten Freiheiten einhergeht (3-/2-G-Regeln). Mit dem Trick der rhetorischen Verklammerung kann je nach Grad der Schwere des Feinbildes eine ganze Assoziationskette bei einer Person aktiviert werden, wenn sie auf einen Menschen trifft, der sich nicht oder nicht schon wieder impfen lassen möchte: Ungeimpfter > Querdenker > Verschwörungstheoretiker > Corona-Leugner > Nazi.

„Die Russen kommen!“

Da sich weltweit das Thema „Corona“ langsam aber sicher ausläuft, sehen sich immer mehr Regierungen in Europa und der ganzen Welt gezwungen, die Maßnahmen zu lockern. Nur in Deutschland scheint die Politik noch immer sehr träge, äh ich meine sehr vorsichtig zu sein. Weltweit liegt Deutschland mit der Härte seiner Corona-Maßnahmen immer noch gemeinsam mit Saudi Arabien auf Platz 4:

Deswegen sind die Medien heilfroh, dass sie sich nun auf das nächste große Thema stürzen können: der Ukraine-Krieg und die russische Bedrohung. Das Feindbild „Putin“ ist ebenfalls schon lange auf der Agenda des Westens. Bisher konnte man ihm außer mit seiner christlich-orthodoxen und autokratischen Regierungsart jedoch eher wenig vorhalten und doch wurde mit jedem Staubkorn nach ihm geworfen, das man finden konnte. Nun hat er höchstselbst und seine Regierung eine überaus triftige Begründung geliefert, ihn und seine Politik zu kritisieren. Auch wenn ich ihn auf dem geopolitischen Parkett bisher als besonnenen Ruhefaktor betrachtet habe, hat er sich mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine selbst ins politische Abseits manövriert. Sein Einmarsch in die Ukraine ist schwer zu verurteilen und die Gewalt muss um jeden Preis gestoppt werden. Dabei sind allerdings zwei Dinge wichtig zu verstehen: Erstens hat der Krieg in der Ukraine nicht erst mit Einmarsch der russischen Armee begonnen, sondern läuft seit 8 Jahren innerhalb der Ukraine als Bürgerkrieg ab und hat damit eine längere Vorgeschichte, die nun in diese Eskalation gemündet hat. Zweitens: Die Entscheidungen der russischen Regierung mit Putin als ihr oberster Repräsentant hat überhaupt nichts mit der in Russland lebenden Bevölkerung und den in aller Welt lebenden Russen und Russinnen zu tun. Keines der beiden Aspekte rechtfertigt diesen Angriffskrieg. Es geht mir dabei vor allem um das Feindbild „Russland“ und der „Russe“, das nicht weiter erstarken darf.

Die Zivilgesellschaften aller Länder sollten sich darum bemühen, die Politik eines Landes nicht mit der dort lebenden Bevölkerung gleichzusetzen. Nun habe ich dennoch bereits von einigen Beispiele gehört, wie einzelne Russinnen und Russen für ihre Staatsangehörigkeit Probleme bekamen. Beispiele: Anna Netrebko, Valery Gerviev, Arzt behandelt keine russischen Patienten mehr, Anfeindungen an Schulen, Sachbeschädigung und Angriffe gegen Russen, Mitarbeiter wird gekündigt. Glücklicherweise gibt es bei den einzelnen Vorfällen stets Gegenwind aus der Zivilbevölkerung und von Behördenseite. Wir sollten dennoch weiterhin zur Vorsicht mahnen, nicht in weitere Feindbild-Dynamiken hinzusteuern, denn derzeit wird weiterhin sowohl von westlicher als auch von russischer Seite fleißig am politischen Eskalationskurs geschraubt, während junge Russen und Ukrainer den Blutzoll auf ukrainischem Boden im Rahmen dieses Stellvertreter-Krieges zahlen müssen.

Kommt wieder ins Vertrauen!

„lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit“ ist ein über 2000 Jahre alter Spruch eines römischen Komödiendichters, der soviel heißt wie: „Denn der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, kein Mensch. Das gilt zum mindesten solange, als man sich nicht kennt.“ (Quelle) Wenn man diese vermeintliche „Weisheit“ mit Darwins „survival of the fittest“ zusammenfügt, dann bedeutet dies: Vertraue niemandem, außer dir selbst, denn es geht dabei um dein Überleben. Dies ist eine Weltanschauung, die leider zu weit verbreitet ist, meines Erachtens dem Mensch aber nicht angeboren sondern durch Sozialisierung eingegeben ist. Wie sinnvoll wäre es, mit einem grundsätzlichen Misstrauen geboren zu werden? Müssten Neugeborene dann nicht zuerst überzeugt werden, dass die eigene Mutter ihm nichts Böses will? Dass die Brust lebensnotwendige Nahrung enthält und nicht irgendein Gift? Jetzt würden viele vermutlich einwenden, Babys könnten ja nicht so weit denken. Das stimmt. Das bedeutet aber auch: Misstrauen entstammt dem Denken und nicht dem menschlichen Instinkt. Und das Denken wird bekanntlich in erster Linie durch Erziehung geprägt. Wird man danach erzogen, nur sich selbst vertrauen zu können und das eigene Überleben über alle anderen Dinge zu stellen, dann entwickelt sich der Säugling zu einem misstrauischen und leistungsorientierten Menschen, der sich leicht in Feindbild-Dynamiken verwickeln lässt.

Jede und jeder kennt wahrscheinlich das Gefühl, wenn das eigene Vertrauen missbraucht wird. Man vertraut einem Menschen und dieser enttäuscht uns. Das ist schmerzhaft und kann sehr schnell zu der Annahme führen: Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Damit ist auch schon die psychologische Disposition gelegt, Feindbilder zu entwickeln. Misstrauen und Angst gehen Hand in Hand. Und Angst, das haben uns die letzten zwei Jahre erneut sehr deutlich gezeigt, ist die beste Grundlage, viele Selbstverständlichkeiten abzuschaffen und lässt Undenkbares plötzlich Realität werden. In den letzten zwei Jahren wurde versucht, in uns Misstrauen und Angst zu fördern, weil ja prinzipiell jede und jeder ein Virusträger ist, der zuerst beweisen muss, kein „Feind“ zu sein oder zumindest den Feind, das Virus, nicht in sich zu tragen, indem er oder sie einen G-Status nachweist: Geimpft, getestet oder genesen. Angst vor Ansteckung, Krankheit und Tod erzeugt in uns also Misstrauen vor jedem anderen Menschen unabhängig von seiner äußeren Erscheinung. Zumindest in dieser Hinsicht könnte man sagen, dass das Virus uns alle gleich gemacht hat: Jetzt ist es opportun, jeder und jedem zu misstrauen.

Ebenso wie das Feindbild „islamistischer Terrorist“ jederzeit wieder aktiviert werden kann, ist nun das Feindbild „Gefährder/Ungeimpfter“ programmiert. Auch wenn es im Moment so scheint, als würde sich dieses Thema verlaufen, mahne ich jede und jeden, der oder die sich eine friedliche und harmonische Welt wünscht, wieder das menschliche Vertrauen zu stärken und sich nicht in Angst und Misstrauen ziehen zu lassen! Das Misstrauen und die Angst sind es, die Feinbilder stark machen und uns Dinge tun lassen, die sehr unmenschlich sind und gar zu einem Massenmord führen können. Ich sage nicht, uns würde dies erwarten. Viele Leute haben die Gefahr erkannt und sich in Protestbewegungen dagegen aufgelehnt. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre? Niemand. Aber darum sollte nicht aufgehört werden, für Vertrauen und Nächstenliebe zu werben und sich gegen Ausgrenzung, Ungerechtigkeit und Unfreiheit auszusprechen.

Nun bricht bereits die nächste Angst über uns herein und die Menschen hamstern wieder Klopapier und Öle, denn Krieg liegt in der Luft. Ja auch ich mache mir große Sorgen vor einer Eskalation des Ukraine-Konflikts. Was wir jedoch tun können, ist, solidarisch mit ALLEN Mitmenschen egal welcher Herkunft und persönlicher Meinung zu sein. Der drohende Krieg betrifft uns ALLE. Wir haben aber auch die Kraft, den Krieg zu verhindern. Der erste Schritt ist, ihr ahnt es, die inneren Feindbilder zu erkennen und aufzulösen. Es sind die kleinen Kriege in uns selbst, die die großen Kriege im außen möglich machen. Verbannen wir den Krieg aus unserem Herzen, dann wird es auf der Welt keinen Krieg mehr geben. Der Teufelskreis des „Was kann ich schon dagegen tun?“ muss endlich durchbrochen werden. Der erste Schritt liegt immer bei einem selbst. Niemand wird sich für euch um euren inneren Frieden kümmern. Habt ihr das erkannt, sprecht euch für Frieden, Freiheit und Einigkeit unter den Menschen aus! Schluss mit dem Krieg gegen die Freiheit in unserer Gesellschaft! Schluss mit dem Krieg in der Ukraine! Schluss mit all den Kriegen und der Unterdrückung auf der Welt!


von Marco Lo Voi

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