Eine neue Ära des Krieges steht bevor: Aufruf zur Menschlichkeit!

Dunkle Stunden

Die Welt hält den Atem an und blickt mit großer Anteilnahme auf die Ukraine. Es sind in der Tat dunkle Stunden für Europa, ja für die ganze Welt. Das Wetter begrüßt uns mit zunehmend wärmeren Sonnenstrahlen, aber die eiskalte Realität hat uns schlagartig eingeholt: Krieg in Europa. Die Medien drehen frei, Solidaritätsbekundungen mit der Ukraine dringen aus zahlreichen Kanälen an die Öffentlichkeit, viele Menschen versammeln sich im Zeichen des vermeintlichen Friedens, viel Entsetzen, Panik und Angst beherrscht die Gemüter, die ohnehin durch die nun schon zweijährige Corona-Situation stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es gibt aber auch einzelne Stimmen, die Verständnis für den Militärschlag Russlands haben, ja manche finden das sogar gut. Ich gehöre weder zu den einen, noch zu den anderen, noch zu den dritten. Ich kann Anhaltspunkte nennen, die das militärische Vorgehen Russlands erklären könnten.

Ich kenne grob die Hintergründe der Ukraine und habe mich in den letzten Tagen erneut mit dem seit 2014 brodelnden Ukraine-Konflikt intensiv befasst. Dennoch kann ich weder den russischen Einmarsch gut finden, noch Solidaritätsbekundungen in Richtung der ukrainischen Regierung äußern. Meine Anteilnahme geht vor allem an die Zivilbevölkerung der Ukraine, aber auch an alle Russen und Russinnen, die nichts mit den Entscheidungen ihrer Regierung zu tun haben und nun zur „Feindnation Europas“ gehören. Meine Anteilnahme ging auch vor dem völkerrechtswidrigen Angriff des russischen Militärs an all die Menschen in der Ukraine, die seit 2014 und länger unter dem nun eskalierenden Konflikt leiden und gestorben sind – seien es Russen, Ukrainer, ukrainische Russen oder russische Ukrainer. Denn seit 2014 wird ein Teil der ukrainischen Bevölkerung – im Westen als „pro-russische Separatisten gelabelt“ – von ihrer eigenen Regierung bekämpft. Nun hat die russische Regierung unter anderem dies als Vorwand genommen, die Gesamtukraine in einen Krieg zu verwickeln. Damit hat sich der lokale Konflikt zwischen der Westukraine und den Donbass-Republiken mit dem Einmarsch der russischen Truppen schlagartig zu einem Krieg zwischen der von Europa unterstützten Westukraine und den vom russischen Militär stark unterstützten Donbass-Streitkräften entwickelt.

Gelenkte Aufmerksamkeit

Bis vor dem durchaus überraschenden Schlag des russischen Militärs war der Ukraine-Konflikt zu seinem Beginn noch durchaus Thema im europäischen Bewusstsein. Allerdings stand auch damals vor allem Russland als „Aggressor“ im Zuge der „Krim-Krise“ im Zentrum der Aufmerksamkeit. Auch mir war die verworrene Lage in der Ukraine damals nicht völlig klar, weshalb der Konflikt auch nie zentrales Thema auf diesem Blog war. Allerdings war mir durchaus bewusst, dass mit diesem Konflikt nach dem Kosovo-Krieg erstmals wieder kriegerische Aggressionen auf den europäischen Kontinent Einzug gehalten haben. Mich hat es damals bis vor allem bis vor der Corona-Pandemie immer wieder verstört, wie wenig Aufmerksamkeit der eigentlich innerukrainische Konflikt im deutschen Kollektivbewusstsein bekommen hat.

Zwar wurde dann und wann von den Machenschaften Putins in diesem Kontext berichtet, aber wirkliche Aufklärung über die Vorgänge vor Ort wurde nicht betrieben. Andere Kriegsschauplätze wie Syrien, das sehr weit weg ist, waren stärker im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber auch da war es Putin neben Assad, gegen den sich die Berichterstattung oft gewendet hat, ohne wirkliche Erläuterung, warum sowohl Russland als auch die USA „Terroristen“ bombardieren, aber irgendwie doch verfeindet sind, während die Assad-Regierung ja auch gegen Terroristen aber angeblich auch gegen seine eigene Bevölkerung kämpfen würde und so weiter – wer kann das heute schon noch erklären?

Nun scheint das universelle Bewusstsein, der kollektive Geist, die Massenseele sogar Corona plötzlich fast vergessen zu haben. Die dunklen Wolken des Krieges ziehen so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass sogar mein bescheidener Blog mit meinem letzten Beitrag zu ein paar Hintergründen in diesem Konflikt rekordverdächtige Aufrufzahlen verzeichnete. Sogar Infektionsschutz-Bedenken scheinen sich plötzlich zu relativieren, als sich 100 000 „gegen Putin und für die Ukraine“ auf die Straße stellten:

Ich habe an anderer Stelle schon öfter erwähnt, dass ich grundsätzlich für das Recht auf Demonstrationen bin. An diesem Beispiel wird allerdings erneut deutlich, wie sich unter dem „richtigen Vorwand“ problemlos viele Menschen versammeln können, während bei Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen immer wieder die große Anzahl der Menschen unter Kritik geriet, weil größere Menschen-Ansammlungen eine Gefahr darstellen würden. Ein ähnlicher moralischer Spagat konnte bei den Black-Lives-Matter-Demonstrationen beobachtet werden. Diese Doppelmoral kann die gesellschaftliche Spaltung, die im Zuge der Corona-Pandemie um sich griff, weiter vertiefen.

Natürlich ist es in der Tat so, dass nun definitiv eine neue Eskalationsstufe in der Ukraine erreicht wurde, weshalb dies zu Recht jegliche Aufmerksamkeit verdient. Es ist aber nicht zuletzt die bisher aus meiner Sicht viel zu geringe Aufmerksamkeit, die diesem seit 8 Jahren brodelnden Konflikt zugedacht wurde, die die aktuelle Eskalation möglich machte. Dies liegt aber vor allem an der Fokuslenkung, die durch die Medien geschieht. Nun haben wir einen explodierendes Pulverfass, dessen Existenz zu lange geleugnet oder schlicht vergessen wurde. Und plötzlich ist die Panik da, die nun durch eine sich jeden Tag selbst übertreffende Berichterstattung sowohl im Mainstream als auch in der alternativen Medienszene multipliziert wird.

Seid der Frieden, den ihr euch wünscht!

Der Angriffskrieg Russlands hat viele Bemühungen von friedensbewegten Menschen, zu denen ich mich selbst mit diesem Blog hier zähle, zunichte gemacht. Nicht nur deswegen bin ich von dem bisher aus meiner Sicht eher besonnen agierenden russischen Staatsoberhaupt enttäuscht, auch wenn ich, wie bereits im letzten Beitrag erläutert, gewisse Beweggründe durchaus sehen kann. Für die Friedensbewegung, insofern man in Deutschland eine homogene Bewegung sehen möchte, ist das ein monumentaler Rückschlag. All die Worte der Versöhnung zwischen Ost und West sind nun zerstörte Sandburgen. Der Unfriede, den ich vor ungefähr 10 Jahren zu verspüren begann und den ich durch viel Literatur, Recherche, Reflexion, Gespräche, Interviews und Vorträge immer tiefer zu begreifen schien, um schließlich auf meine Weise dagegen zu wirken, hat bereits in den Jahren der Pandemie eine neue Dimension erreicht.

Solange ich mich also mit dem Thema „Krieg und Frieden“ auseinandersetzte, schien er nicht weniger, sondern eher mehr zu werden. Damit meine ich nicht nur konventionelle Kriegsführung; ich meine den „Unfriede“, den „Krieg“, den die Menschen in ihrem Inneren tragen und der sich an der Oberfläche schließlich in gesellschaftlicher Spaltung, Hass und im schlimmsten Fall in großflächiger Waffengewalt manifestiert. Die Jahre der Pandemie haben mein persönliches Menschen- und Weltbild auf die Probe gestellt. Bis vor wenigen Tagen hatte ich die Hoffnung, mit dem kommenden Sommer wieder Kraft zu schöpfen nach diesen düsteren zwei Jahren. Nun steht die nächste noch größere Prüfung meines Vertrauens in die Menschheit und die Welt an. Demonstrationen, wie die oben dargestellte Solidaritätsdemo mit der Ukraine sind für mich dabei ein zweischneidiges Schwert.

Was sich als Demonstration für den Frieden versteht, trägt auf vielen ihrer Schilder den blanken Hass gegenüber der einen Kriegspartei und der bedingungslosen Solidarität der anderen Kriegspartei. Natürlich ist Russland der Angreifer und die Ukraine das angegriffene Land. Aber wie allein aus meinem letzten Beitrag hervorgegangen sein sollte, ist die Ukrainische Regierung – damit ist nicht das Ukrainische Volk gemeint! – nicht völlig unschuldig. Bekennt man sich nun zu einer Kriegspartei, dann ist man aus meiner Sicht nicht grundsätzlich gegen den Krieg, weil man die Waffengewalt, die sich natürlich auch vom ukrainischen Militär gegen die russischen Angreifer richtet, indirekt gutheißt. Zugleich wird der Hass gegen Putin, der das stellvertretende Gesicht für den russischen Staat und damit alle Russinnen und Russen ist, befeuert und zur Schau gestellt. Man wertet Russland ab und rechtfertigt damit die Gegengewalt gegen Russinnen und Russen.

Wenn man also nachvollziehbarerweise zunächst Solidarität mit Ukraine bekundet, befürwortet man auch eine anti-russische Haltung. Beziehen wir als Europäer oder als Deutsche nun also Partei für die Ukraine, die sich zwar auf dem europäischen Kontinent befindet, aber noch nicht EU oder NATO ist, dann stellen wir uns gegen Russland, womit das Herzland – Eurasien – endgültig und unwiederbringlich an der russischen Grenze gespalten wird. Damit wird Russland in Richtung China gedrängt und die Ukraine wird zur permanenten Frontlinie zwischen Europa und Asien. Es ist aus meiner Sicht weder eine wirkliche Friedenshaltung, wenn man den Einmarsch Putins gutheißt, noch wenn man sich mit der Ukraine als politische Einheit solidarisch erklärt. Beides sind zwei ungleiche Seiten desselben Kriegs.

Seid der Frieden, den ihr euch wünscht!

Stellt euch auf die Straße und sprecht euch für Abrüstung, universellen Frieden und den Stopp jedweder Kriegshandlungen aus. Schürt nicht weiteren Hass und eine tiefere Spaltung! Erklärt euch solidarisch mit allen Menschen in Russland UND der Ukraine und erkennt, dass es Regierungskreise, Interessensgruppen und Lobbyverbände sind, bei denen mit jeder weiteren Eskalation ordentlich die Kasse klingelt.

Eine neue Ära des Krieges steht bevor

Ja, genau! Krieg ist nämlich ein gigantisches Geschäft für die Rüstungsindustrie, Medienkonzerne, Bauunternehmen und weitere Industriezweige, während die Bevölkerung und auch die Umwelt dabei nur verlieren kann. Im Zuge der Eskalation des Ukraine-Krieges hat die deutsche Regierung ein historisches Tabu gebrochen, indem sie nun die Kriegspartei Ukraine mit Waffen, die dann gegen Russen gerichtet werden, beliefert. Mörderische „1000 Panzerabwehrwaffen und die 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ Stinger“ werden von der Bundesregierung nach Kiew geliefert. Damit mischt sich Deutschland in den Ukraine-Krieg ein und positioniert sich klar gegen Russland. Die deutsche Regierung hat damit Deutschland mit seiner ganzen Bevölkerung zu einem strategischen Gegner Russlands gemacht. Sollte sich der Ukraine-Krieg zu einem Flächenbrand ausdehnen, hat Deutschland damit den Bereich der Neutralität verlassen. Nicht umsonst kommt derzeit die Debatte um eine deutsche Wehrpflicht wieder auf (Quelle). Zugleich hat die Bundesregierung mal eben über Nacht eine Sofortzahlung über

100 000 000 000€ (Einhundertmilliarden Euro)

der Bundeswehr zugesprochen. Zudem soll endlich das von der USA geforderte NATO-Rüstungsziel von 2% des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) jährlich in die Rüstung fließen (Quelle). Im Jahre 2021 betrug das deutsche BIP 3 570 620 000 000€ (Dreitausendfünfhundertsiebzigmilliarden Sechshundertzwanzigtausend Euro). 2% von diesem Betrag wären immer noch 71 412 400 000€ (Einundsiebzigmilliarden Vierhundertzwölfmillionen Vierhunderttausend Euro) pro Jahr! 2021 betrugen die Rüstungsausgaben 46 930 012 000€ (Quelle).

Das entspricht einer Erhöhung von 65,72%!

Dies wurde mal eben beschlossen. Dabei hat die Bevölkerung Deutschlands leider wenig mitzureden. Deutschland rüstet auf! Bald sollen also auch wieder junge Deutsche verpflichtet werden, in einer zunehmend aufgerüsteten Bundeswehr zu dienen. Alle Zeichen stehen auf Krieg.

Ich spreche mich sehr deutlich gegen Waffenlieferungen an eine Kriegspartei aus! Ich spreche mich gegen eine deutsche Aufrüstung aus!

Ich spreche mich für eine friedliche Lösung zwischen Russland und dem Westen aus! Ich spreche mich für eine globale Abrüstung aus! Ich spreche mich für die Menschlichkeit aus!

Das einzige, was das Kollektiv scheinbar beschäftigt, ist, ob Putin einen völlig nebulösen Plan verfolgt oder ob ihm eine Sicherung durchgebrannt ist. Was ich für wahrscheinlicher halte, wird wahrscheinlich im nächsten Beitrag beleuchtet werden. Ich mahne jede und jeden zur Umsicht, bevor man unbedarfte Solidaritätsbekundungen ausspricht. Damit ebnen wir den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern derzeit den Weg in ein neues Militärzeitalter, das nicht mehr Frieden sondern mehr Krieg bringen wird!


von Marco Lo Voi

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