Wie „die Wirtschaft“ die Welt regiert – Teil 2: Geld

Fortsetzung

Dies ist der zweite Teil des mehrteiligen Beitrags „Wie ‚die Wirtschaft‘ die Welt regiert“. Im ersten Teil der Reihe habe ich versucht, den großen Rahmen abzustecken, in welchem wir uns hier gedanklich bewegen. Für das Verständnis dieses Beitrags ist es darum essentiell, den ersten Teil dieser Reihe zu lesen.

Hier geht es zu Teil 1. 

In diesem ersten Teil habe ich aufgezeigt, was es mit den Begriffen „Markt“ und „Börse“ auf sich hat. Außerdem habe ich umrissen, in welchem Verhältnis „die Wirtschaft“ zu „der Politik“ steht. Besonders wichtig erscheint mir dabei jedoch die folgende Erkenntnis: „Wirtschaftswissenschaften“ sind keine Naturwissenschaften, denn „die Wirtschaft“ lässt sich nur sehr begrenzt anhand exakter Modelle beschreiben, weil der Faktor „Mensch“ eine zu große Rolle spielt.

Geld: Alltagsgegenstand und Mysterium

Weil es so enorm wichtig ist, habe ich die aus meiner Sicht zentralen Ereignisse rund um das Thema „Geld“ bereits im ersten Teil angesprochen und möchte sie an dieser Stelle nochmals in einen größeren Kontext setzen.

Genau: in diesem zweiten Teil der Beitragsreihe geht ausschließlich um das Thema „Geld“. Dabei möchte ich kurz auf die Geschichte des „Geldes“ eingehen und mich anschließend eher auf die Gegenwart fokussieren, da dieses Thema schlicht zu umfangreich ist.

Ähnlich wie unser Verhältnis zu dem, was wir „Sprache“ nennen“, könnte man unseren Umgang mit dem, was wir „Geld“ nennen, beschreiben. Wir benutzen beides jeden Tag in unterschiedlichen Situationen, Formen und mit einer Selbstverständlichkeit, als seien beide organische Bestandteile unseres menschlichen Wesens. Dabei stellen sich jedoch die Wenigsten die Frage, woher „Geld“ und „Sprache“ eigentlich kommen bzw. wie sie entstanden sind.

Bevor du, lieber Leser, liebe Leserin, weiterliest, stelle dir doch mal selbst die Frage: Was ist dieses Geld in deiner Tasche eigentlich?

 Eine (kurze) Geschichte des Geldes

Im Folgenden beziehe ich mich vor allem auf die Ausführungen von Karl Walker und seinem Werk „Das Geld in der Geschichte“, welches man hier als PDF gratis herunterladen kann.

Allem voran ist es wichtig, den Unterschied zwischen „Geld“ und „Gold“ zu wahren. Zwar standen und stehen sie in einer gewissen „Beziehung“ zueinander, diese Beziehung hat sich jedoch im Laufe der Menschheitsgeschichte fundamental gewandelt.

Man kann wohl mit einiger Sicherheit sagen, dass Silber, Gold  und Edelsteine schon immer eine Faszination für den Menschen darstellten. Dass diese seltenen Dinge dann recht bald den Tauschhandel mit Naturalien wie Vieh oder Nahrung ersetzten, liegt deshalb nahe.

Die Lydier gelten nach Walker als Erfinder der Münze, indem sie gleichgroße Stücke einer Legierung aus Silber und Gold schlugen und sie als Tauschmittel benutzten. Der König Krösus konnte damals ein florierendes Reich sein Eigen nennen. Walker datiert dies auf ca. 600 v.Chr.

In der griechischen Antike, die in den Epen des blinden Sängers Homer beschrieben wird, maß man den Wert eines Gegenstandes noch in „Vieh“. Als das Münzgeld Einzug nahm, entwickelte auch die griechische Wirtschaft eine enorme Dynamik. Die Dynamik einer Wirtschaft und die Schaffung eines Geldsystems schienen schon immer einander zu bedingen.

Doch mit der Ausbreitung des „Geldes“ und dem damit verbundenen Wohlstand verbreitete sich auch Gier und Neid. Sehr bald verpfändeten besitzende Menschen ihr Hab und Gut, um an das begehrte Geld zu gelangen. Durch eine hohe Zinslast kam es zu Abhängigkeiten, Verarmung, Aufständen und Massakern.

Ähnliche Entwicklungen wurde bereits in einer bekannten biblischen Geschichte verarbeitet. Hierbei spiele ich auf die Geschichte vom Traumdeuter Josef und dem ägyptischen Pharao an. Der Pharao wird wiederholt von Träumen über sieben fette und sieben magere Kühe bzw. Ähren heimgesucht.

Josef wird in den Stand eines Regierungsberaters erhoben, als er dem Pharao aus diesen Träumen deutet, dass es sich um eine Vision über sieben erntereiche und darauffolgende sieben Dürrejahre handelt. In den sieben erntereichen Jahren zieht der Pharao auf Beratung Josefs Ernteüberschüsse der Bauern ein, um sie einzulagern.

Als die sieben Dürrejahre anbrechen, müssen die Bauern jedoch eine finanzielle Abgabe entrichten, um etwas vom eingelagerten Korn zu bekommen. Der Pharao nimmt das Geld der Bauern und lagert dieses wiederum in seinem Königsschatz. Im nächsten Jahr müssen die Bauern ihr Hab und Gut pfänden, um an Korn zu kommen, da zu wenig Geld im Umlauf ist. Im darauffolgenden verpfänden sie ihren Bodenbesitz und im darauffolgenden Jahr ihre eigene Person, was sie zu Leibeigenen macht. Dies geht so lange, bis sie nichts mehr haben.
(1. Buch Mose, 41-ff)

Diese Geschichte zeigt, wie eine Manipulation der Geldmenge die Wirtschaftsfähigkeit eines Volkes unmittelbar beeinflusst. Indem der Pharao zuerst Naturalien dem Kreislauf entzieht und anschließend diese nur durch eine Form der Steuer wieder herausgibt, verringert er die Geldmenge in der Bevölkerung. Wohlstand und Geldsystem sind untrennbar verwoben. Entzieht man in hohem Maße Geld aus dem Finanzkreislauf, dann führt dies zwangsläufig zur Verarmung der Bevölkerung. Kommt dann noch der Zins dazu, ist eine Enteignung vorprogrammiert.

Eine Manipulation der Geldmenge muss aber nicht zwingend zum Nachteil der Bevölkerung sein. Was damit gemeint ist, zeigt ein Zeitsprung von mehreren hundert Jahren und zwar von den alttestamentarischen Zeiten in das sogenannte „Goldene Mittelalter“.

Ein gerechtes Geldsystem?

Wie so oft, ist die Sache an sich neutral. Der Umgang mit dieser Sache kann jedoch Leid oder aber auch Wohlstand erzeugen. In den obigen Beispielen hat die Einführung des Zins oder die der unverhältnismäßigen Besteuerung zu großem Leid geführt. Im sogenannten „Goldenen Mittelalter“, das auf ca. 1050-1350 datiert werden kann, gab es jedoch eine Zeit, in der zumindest hinsichtlich der Volkswirtschaft ein großer Wohlstand herrschte.

Auch hier war es erneut das Wesen des „Geldsystems“, das den Unterschied machte. In den deutschen Landen wurde nach dem Vorbild des antiken Roms in dieser Zeit die sogenannten „Brakteaten“ eingeführt. „Brakteaten“, auch „Dünnpfennige“ genannt, waren nicht sehr wertvolle und auch nicht sehr beständige Münzen, die in großer Stückzahl recht einfach aus dünnem Silber geprägt werden konnten.

(Quelle)

Die Herrscher der verschiedenen Fürstentümer, Bistume und Königreiche der deutschen Landen hatten ein sogenanntes „Münzrecht“ inne, das ihnen gestattete, Münzen mit ihrem aufgeprägten Siegel auszugeben. Diese Münzen konnten sehr einfach zerteilt und transportiert werden, waren aber nicht sonderlich beliebt, weil sich die Münzen stark abnutzten und stets an Wert verloren.

Denn – und hierin liegt der große Vorteil der „Brakteaten-Wirtschaft“ – sobald der „Münzherr“ wechselte, weil er starb oder abgesetzt wurde, verloren die Brakteaten ihren Wert. Es wurden anschließend neue Brakteaten mit neuer Prägung hergestellt, die gegen die alten Brakteaten eingetauscht werden konnten. Bei diesem Tausch gab es jedoch einen Abschlag, sodass man weniger neue Münzen bekam, als man alte abgegeben hatte. Diese Differenz wurde in den sogenannten „Schlagschatz“ des Münzherrs eingelegt – eine sehr einfache Steuer.

Das bedeutet: Je mehr bares Geld man bei sich hatte, desto mehr Steuern musste man entrichten. Welchen Effekt hat das? Dies verringert den Reiz, große Mengen Geld aufzusparen, da dieses Geld jederzeit einen Teil seines Wertes verlieren konnte (Stichwort: Inflation). Dies sorgte für einen regen Geldfluss. Man war immer bestrebt, sein Geld gegen Dienstleistungen und Waren einzutauschen. Dies kurbelte die Wirtschaft enorm an, was zu großem Wohlstand führte.

Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes innerhalb einer Volkswirtschaft ist ein wesentlicher Faktor für die Geschäftstätigkeit. Wenn viel gespart wird (sinkende Nachfrage), dann steigen auch die Preise. Wenn hingegen eine hohe Nachfrage besteht, indem viel und häufig gekauft und bezahlt wird, sinken die Preise für Güter und Dienstleistungen.

Noch heute können wir in unseren mittelalterlichen Städten die Leistungen dieser Zeit bewundern: alte Kirchen, Gebäude, Innenstädte, Tore und Burgen zeugen von einer Zeit, in der das Geld nur Mittel zum Zweck des Wirtschaftens war. Heute scheint das „Geld“ an sich „Zweck“ des Wirtschaftens zu sein.

Von der „Währung“ zum „Geld“ und zurück

Für das weitere Verständnis ist es wichtig, den Unterschied zwischen den Begriffen  „Währung“ und „Geld“ zu verdeutlichen. Als „Geld“ kann man werthaltige Tauschmittel bezeichnen, mit denen der Wert eines Gegenstandes oder einer Dienstleistung gemessen werden kann. Einer „Währung“ hingegen wird ein Wert zugeschrieben, den sie eigentlich nicht hat. Diese „Wertzuschreibung“ wird meist von einer Autorität (einem Staat, einem Königreich, einer Institution, etc.) zugesichert.

Beispielsweise steht die EU mit ihrer politischen und weltlichen Macht dafür ein, dass wir mit einem Euro-Schein Wertgegenstände und Dienstleistungen erwerben können. Für den Wert eines Klumpen Goldes muss hingegen keine Autorität bürgen. Dieser Goldklumpen ist an sich wertvoll und wird garantiert von fast jedem als Tauschmittel anerkannt, wobei er weder in Schein- noch in Münzenform daherkommen muss. Teile dieses Klumpens könnte man als vollwerwertiges „Geld“ bezeichnen.

Auf einigen Geldscheinen verschiedener Länder ist die Bürgschaft der Staatsmacht sogar schriftlich aufgedruckt:

(Quelle)

Hier sehen wir eine indische Rupie und einen amerikanischen Dollar. Auf dem indischen Schein steht „guaranteed by the central government“ (deutsch: „von der Zentralregierung garantiert“) und auf dem Dollar „this note is legal tender for all debts, public and private“ (deutsch: „Diese Note ist gesetzliches Zahlungsmittel für alle Schulden, öffentliche und private“).

Vereinfacht könnte man sagen, dass Papiergeld für uns nicht viel mehr ist, als es die Kaurimuschel für die primitiven Völker des Nahen und Fernen Ostens war – ein Symbol für einen bestimmten Wert. Der Unterschied ist jedoch, dass das moderne Geldsystem mit dem Begriff „Schuld“ arbeitet, wie es schon aus dem Aufdruck des Dollars hervorgeht („for all debts“). Im modernen Finanzwesen sprechen wir nämlich unter anderem von „Schuldgeld“. Was es mit diesem Begriff auf sich hat, werde ich im nächsten Teil erläutern.

Eule

 Das moderne Geld: Reine Vertrauenssache?

Zwar wurde das Geldsystem um die Einführung des Papierscheins ergänzt, womit der inhärente Wert des Geldes noch weiter sank, im Hintergrund galten jedoch noch bis vor dem Ersten Weltkrieg stets die Goldreserven eines Staates als „Wertsicherung“ der Währung eines Landes. Das bloße Versprechen über die Werthaltigkeit einer Währung einer Staatsmacht mag vielleicht für die Einwohner eines Landes ausreichen, wie kann dann aber der Handel mit anderen Ländern funktionieren?

Darum galt noch bis ins 20. Jahrhundert das Gold als das eigentliche „Geld“ beziehungsweise als Wertdeckung der staatlichen Währungen. Im Zuge der Weltkriege benötigten die Staaten jedoch derart viel Geld, dass sie es einfach wie Klopapier druckten und die Menge an Papierwährung nicht mehr im Verhältnis zum vorhandenen Staatsgold stand, was zu einer massiven Entwertung der nationalen Währungen führte (Hyperinflation). Darum musste der „Betrag“, der auf den einzelnen Scheinen aufgedruckt wurde (= ihr symbolischer Wert) immer krasser erhöht werden:


(Quelle)

Die US-Amerikaner, als größter Gewinner der Weltkriege, zementierten im Jahre 1944 ihren Sieg, indem sie den bankrotten Staaten einen Deal vorschlugen, den sie nicht ablehnen konnten: Der Vertrag von „Bretton Woods“.  Da Staaten wie Deutschland keine Wertdeckung zum Gold mehr gewährleisten konnten, wurde mit diesem Vertrag ein fester Wechselkurs der verschiedenen staatlichen Währungen zum US-Dollar festgelegt. Das schlagende Argument der USA war, dass sie dato drei-viertel der globalen Goldreserven hielten und somit den Wert des Dollars mit ausreichend Gold hinterlegen konnten.

Mandala

Damit wurde der US-amerikanische Dollar zur globalen Leitwährung bzw. zum globalen Goldstandard. Die USA versicherte den anderen Staaten der Welt allerdings, jederzeit die Dollars, die die USA weltweit ausgaben, wieder gegen Gold zurückzunehmen, da der Dollar mit diesem Vertrag schließlich ein Synonym für „Gold“ wurde.

Damit haben die USA eine mächtige außenpolitischen und wirtschaftliche Waffe in die Hand bekommen, die sie alsbald schamlos ausnutzten. In den folgenden Jahrzehnten entdeckte die US-amerikanische Regierung den Reiz, nun beliebig die Geldmenge des Dollars zu erhöhen und anschließend beispielsweise in Deutschland die US-Dollars gegen Deutsche Mark einzutauschen, um dort einzukaufen. Damit konnten die US-Regierung nahezu unbegrenzt wirtschaften, da das Geld bei ihnen praktisch „auf den Bäumen wuchs“.

Staaten wie Deutschland und Frankreich nahmen die US-Dollars in ihre Währungs-Reserven und vertrauten darauf, diese jederzeit gegen Gold eintauschen zu können. Die Geschichte ging gut, so lange kein Staat von diesem Privileg Gebrauch machte.

Hände

1971: Die Aufhebung des Goldstandards

Die USA erhöhte in dieser Zeit die Geldmenge permanent und verteilte ihre Währung über den Erdball, bis im Jahre 1965 Charles de Gaule, damaliger Französischer Präsident, auf die verrückte Idee kam, seine Dollarreserven wieder gegen Gold eintauschen zu wollen. Dafür sendete de Gaule seine Marine-Flotte an die US-Küsten, woraufhin sich einige Staaten dieser Idee anschlossen.

Dies brachte seinen US-amerikanischen Amtskollege Richard Nixon in die unbequeme Lage, einräumen zu müssen, dass schlicht nicht genug Gold für alle da sei. Er wählte dabei jedoch eine leicht andere Formulierung. Nichtsdestotrotz hob er 1971 mit folgender Rede an die Nation und die Welt die Goldbindung des US-Dollars („Goldstandard“) einfach auf:

Was bedeutet das nun? Stark vereinfacht und etwas milde ausgedrückt könnte man sagen, dass die USA die Welt ordentlich über den Tisch gezogen hat. Die USA hat ihre Dollars in der ganze Welt mit dem Versprechen verteilt, diese Dollars wären Gold wert. Nun kam ein (Achtung: Ironie!) „naiver Franzose“ daher und wollte prüfen, was dieses Versprechen wert ist. Das Ergebnis: Nix(on). (Ironie: Ende)

Erneut zeigt sich: Das Geldsystem war in diesem Fall vor allem für die USA ein enormer Katalysator ihrer Wirtschaft. Ein unehrlicher Umgang damit führte hingegen zu großem Leid vieler anderer, weil die Staaten nun auf einem Berg an Dollarreserven sitzengelassen wurden, die nicht das wert waren, was ihnen versprochen wurde.

Bäume

Ist „Geld“ jetzt GAR nichts mehr Wert?

Jein. Plakativ ausgedrückt befinden wir uns seit der Aufhebung des Goldstandards wieder in fast demselben Status, wie die Völker, die mit den Kaurimuscheln handeln. Dieser Vergleich hinkt jedoch gewaltig. Warum dieser Vergleich nicht so recht passen will, liegt vermutlich jedoch an anderen Gründen, als dir, geneigter Leser und geneigte Leserin, gerade vorschweben mögen.

Die Werthaltigkeit von Euro-Scheinen und -Münzen lässt sich tatsächlich mit dem Wert der Kauriwährung vergleichen: es handelt sich verkürzt gesagt nun mehr um reine Vertrauenssache. Allerdings sollten wir seit den Erfahrungen mit dem „Vertrauensbruch“ durch die USA sehr skeptisch sein, wenn es um „Geld“ und „Vertrauen“ geht. Praktischerweise werden diese historischen Ereignisse weder in Schulen noch in Universitäten in ähnlicher Weise dargestellt, wie in diesem Beitrag. Darum ist unser Vertrauen in das, was wir „Geld“ nennen“, so hoch – und das ist sehr wichtig für die Stabilität des Wirtschafts- und Finanzsystems und damit der Gesellschaft.

Nochmal: der Euro ist die Währung der EU. Die EU bürgt dafür, dass die Scheine und Münzen im Verhältnis zu anderen Währungen, realen Gütern, Dienstleistungen und zu Finanzprodukten einen „Wert“ haben. Wie wird dieser „Wert“ aber gemessen bzw. wie entsteht er? Dahinter steckt ein Mechanismus, der sich mit dem Mechanismus der Preisbildung vergleichen lässt.

Die Preisbildung setzt sich stets aus Angebot und Nachfrage zusammen. Analog dazu verhält sich der Wert einer Währung. Hier kommen die Zentralbanken in’s Spiel. Das Zentralbanken-System und die Fragen rund um die FED werden im nächsten Beitrag thematisiert. Hier nur so viel: Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert die Geldmenge der Euros (Angebot) und hat einen gewissen Einfluss auf die Nachfrage nach Euros (Kredite), indem sie die Leitzinsen (Kreditkosten) heben und senken kann.

Dies sind die Werkzeuge und Aufgaben der Zentralbanken. Wie vielleicht einige von euch wissen, wurden im Zuge der Corona-Pandemie unglaubliche Kredite von der FED, die Zentralbank der USA und damit die wichtigste Geldinstitution der Welt, bewilligt. Das heißt, sie haben die Geldmenge erhöht, um die angezählte Weltwirtschaft anzukurbeln. Warum? Weil sie ihr anderes Instrument, den Leitzins, bereits auf 0 gesenkt haben:

(Quelle)

Da der Dollar seine Goldbindung aufgehoben hat, musste eine andere Wertdeckung her. Die globale Dominanz, die durch die militärische Vormacht gewährleistet wird, reicht eben nicht aus, um eine Währung stabil zu halten. Darum hat die US-amerikanische Regierung einen weiteren strategischen Zug gemacht, der geopolitisch sehr, sehr aufschlussreich ist.

Der Petrodollar

Kurz nachdem die USA durch Nixon die Goldbindung aufhob, verloren arabische Staaten gegen Israel 1973 den Jom Kippur Krieg. Als Racheakt hoben die arabischen Staaten die Ölpreise drastisch an, um die Erdöl-importierenden Länder unter Druck zu setzen. Dies brachte auch Staaten wie die USA in arge Bedrängnis. Zugleich erkannten sie die Wichtigkeit des Erdöls. Der damalige Außenminister Henry Kissinger wurde daraufhin beauftragt, mit dem führenden arabischen Land Saudi Arabien einen Deal zu machen.

Kurz und knapp: Die USA versprach den Saudis militärischen Rückhalt und Absicherung. Im Gegenzug sollte der internationale Erdölhandel ausschließlich in Dollar abgewickelt werden und die Gewinne der Saudis sollten vor allem in die USA abfließen, indem sie von dort militärisches Gerät und andere Dinge bezogen. Diese Allianz erklärt, weshalb seit dieser Zeit jeder US-Präsident eine fast freundschaftliche Beziehung mit dem durchaus kritikwürdigen Saudischen Königshaus hat.

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Dies sichert den USA eine solide Versorgung mit Erdöl und zugleich eine stabile Nachfrage nach US-Dollars, weil andere Staaten diese Dollars benötigen, um das so wichtige Erdöl einkaufen zu können. Daraus leitet sich der Begriff Petro-(leum)-Dollar ab. Die Saudis sind mit diesem Deal ganz offensichtlich auch sehr zufrieden.

Dieser Umstand sicherte den Werterhalt des US-Dollars, der nach wie vor als Weltreservewährung dient. Nicht zuletzt, weil die USA die FED beherbergt, den mit Abstand größten Militärapparat hat und der Dollar für den Erdölhandel benötigt wird. Manche Finanzexperten sprechen deswegen von einer Erdölbindung des Dollars als Wertdeckung. Darum steht und fällt die gesamte Außenpolitik der USA auch mit den Vorgängen in der arabischen Welt.

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Zusammenfassung und Ausblick

In diesem Teil haben wir einen Ritt durch die Geschichte des Geldes unternommen. Dabei entwickelte sich das „Geld“ von einer universellen Tauschware zu einer abstrakten Größe, die in sich keinerlei Wert mehr hat, sondern alleinig auf die Akzeptanz der handelnden Parteien beruht.

Mit dem nächsten Teil dieser Reihe möchte ich auf das Bankenwesen zu sprechen kommen, das natürlich beinahe untrennbar mit dem Thema „Geld“ verbunden ist. Was sind die Zentralbanken? Was unterscheidet sie von Geschäftsbanken? Wem gehören die Banken eigentlich? Was ist „Schuldgeld“? Und wem gehört das Geld überhaupt?

All diese Fragen sollen im nächsten Teil behandelt werden.


von Marco Lo Voi

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