Ein Blick in die Welt der Wissenschaft: Was ist „Linguistik“? – Teil 1

„Sprache“ als Ausdruck des Denkens

Im letzten Beitrag „Wenn die Pandemie endet – Ideen für einen gesellschaftlichen Wandel“ habe ich die Wichtigkeit der Bildung besonders hervorgehoben. In meiner Kritik am vorherrschenden Bildungssystem habe ich vor allem unser Konzept von „Lernen“ an sich in Frage gestellt. Dies ist allerdings nicht der einzige Punkt, der aus meiner Sicht reformbedürftig ist.

Auch inhaltlich werden aus meiner Sicht die falschen Schwerpunkte gelegt. Während die Schulbildung zu meiner Zeit häufig Faktenwissen und weniger systemisches Verständnis förderte, ist es aus meiner Sicht dieses allgemeine Verständnis, welches absolut zentral ist, um die Probleme der Gegenwart und der nahen Zukunft zu lösen.

Baum mit Stadt in der Krone

Was bedeutet „Bildung“? Ganz allgemein geht es bei „Bildung“ im schulischen Sinne darum, bereits vorhandenes Wissen an andere weiterzugeben oder selbst aufzunehmen. Man kann also „Bildung“ erfahren und/oder „Bildung“ vermitteln. Zugleich kann man sich natürlich auch selbständig „bilden“, aber auch in diesem Fall ist das Wissen, welches man sich aneignet, bereits vorhanden und wird durch den Prozess des Verstehens und Verinnerlichens kopiert und zu unserem Wissen hinzugefügt.

Sowohl im Falle der selbständigen Bildung (Autodidaktik) als auch bei der angeleiteten Bildung (Schule) gibt es eine Sache, die dabei unabdingbar notwendig ist: Sprache. Aus diesem Grund habe ich die Bedeutung der „Sprache“ so betont, denn jegliches Wissen wird über das Medium „Sprache“ transportiert.

„Sprache“ ist direkter Ausdruck des Denkens. Darum möchte ich in diesem Beitrag klären, wie die Wissenschaft der „Sprache“ funktioniert und einen Einblick geben, wie dieser Forschungsbereich strukturiert ist.

Linguistik – die Wissenschaft der Sprache

Die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit „Sprache“ an sich beschäftigt, nennt sich „Linguistik“ oder auch „Sprachwissenschaft“. Die Linguistik ist von der Germanistik zu unterscheiden. Wer Germanistik studiert, der befasst sich sowohl mit der deutschen Literatur als auch mit der deutschen Sprache, wie Literatur und Sprache des Deutschen entstanden sind und wie sie sich entwickelt haben. Das Mittelalter spielt hierbei eine große Rolle, weshalb die Mediävistik, also die historische Sprach- und Literaturwissenschaft des Mittelalters eine eigene Disziplin in der Germanistik darstellt.

Die Germanistik umfasst also drei bzw. vier Teilbereiche:

  • Neuere Deutsche Literaturwissenschaften (1400 Jh. bis heute)
  • Germanistische Linguistik
  • Ältere Deutsche Literaturwissenschaften (ca. 800 bis 1400)
  • Manche Universitäten haben eine eigene Fakultät für die historische Linguistik – in Freiburg wurde dieser Teilbereich mit der Älteren Deutschen Literaturwissenschaft zu der gemeinsamen Fakultät „Mediävistik“ zusammengelegt.

Ich selbst habe meinen Bachelor in Germanistik und Romanistik (romanische Literatur- und Sprachwissenschaften) abgeschlossen und befinde mich derzeit in der Schlussphase meines Masters in Germanistischer Linguistik. Aus diesem Grund befasse ich mich in diesem Beitrag ausschließlich mit dem Bereich der Germanistischen bzw. der allgemeinen Linguistik.

Was ist „Sprache“ eigentlich?

Man möchte meinen, dass inzwischen geklärt sei, was Sprache eigentlich ist. So seltsam es klingen mag, aber soweit sind wir in der Linguistik tatsächlich noch nicht. Innerhalb der Linguistik gibt es zwei grundverschiedene Denkschulen, die sich bereits an der Wurzel scheiden. Und zwar genau an der Frage, was Sprache eigentlich ist.

Im Grunde verhält es sich bei der Linguistik so ähnlich wie beim Islam. „Der Islam“ hat sich kurz nach dem Tod Mohammeds in zwei unterschiedliche Richtungen entwickelt, nach der noch heute die zwei großen Volksgruppen der Schiiten und der Sunniten unterschieden werden.

Ein wichtiger Denker, der heute als einer größten Intellektuellen unserer Zeit gilt, ist auch im Bereich der Linguistik eine wichtige Persönlichkeit: Noam Chomsky. Die Ideen Chomskys prägen bis heute einen der beiden Ansätze, als was Sprache anzusehen ist. Chomsky ist Anhänger der sogenannten „Generativen Grammatik“. Eine der tragenden Säulen der „Generativen Grammatik ist die Idee der sogenannten „Universal Grammatik“. Ganz grob gesagt, glauben Chomsky und die Vertreter und Vertreterinnen dieser Theorie, dass der Mensch im Laufe der Evolution „Sprache“ als eine Grundfähigkeit entwickelt hat, mit der heute jedes Neugeborene auf die Welt kommt.

Baby

Die „Universal Grammatik“ ist demnach eine Art sprachliches Grundgerüst, das nun je nach Input, also je nach der/den Umgebungssprache/n unterschiedlich geformt wird. Der Mensch hat also von vornherein gewisse allgemeine Grammatikkenntnisse, mit denen wir in der Lage sind, jedes Sprachsystem zu erlernen. Diese Theorie geht soweit, dass sie ein „Sprachmodul“ im Gehirn annimmt, das man wie ein Festplatte unterschiedlich programmieren kann.

Man kann sich diese „Universal Grammatik“ auch als groben Marmorblock vorstellen, der durch den Input zu einer detaillierten Figur gemeißelt wird, welche dann die individuelle Sprachform des jeweiligen Menschen verkörpert. Genau: jeder Mensch hat seine ganz eigene Sprache (Idiolekt)!

Dieser Theorie steht die sogenannte „Konstruktionsgrammatik“ gegenüber. Die „Konstruktionsgrammatik“ orientiert sich stärker an behavioristischen (verhaltensbasierten) und kognitiven (die Wahrnehmung betreffenden) Modellen. Das heißt, sie sieht Sprache nicht als angeborene Grundfähigkeit, sondern bezeichnet Sprache als „Nebenprodukt“ unserer Wahrnehmungsfähigkeiten (kognitives „Epiphänomen“). Mit den Wahrnehmungsfähigkeiten sind alle unsere Sinne gemeint: Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken und Denken.

Metaphorisch gesprochen: unsere kognitiven Fähigkeiten sind wie die Mitglieder eines Teams, die gemeinschaftlich neben vielen anderen Sportarten auch die Sportart „Sprache“ gemeinsam betreiben können. Zu dieser Sportart wurden im Laufe der Zeit Regeln aufgestellt, an denen wir uns orientieren (Grammatiken). „Sprache“ ist also eine kulturelle Technologie, die dem Wandel der Zeit unterliegt.

Da wir als Homo sapiens grundsätzlich gute Beobachter und Nachahmer sind, können wir aus den Nachahmungen manchmal sogar neue Handlungen ableiten. So hat sich die Sprache vermutlich also aus ersten primitiven Lauten langsam herausgebildet, weil der urzeitliche Homo sapiens, wohl entdeckt hat, wie eine differenzierte akustische Interaktion die Kommunikation zunehmend erleichtert. So können Kleinkinder also bis heute von diesen Grundfähigkeiten Gebrauch machen, um durch Beobachtung und Nachahmung eines oder sogar mehrere Sprachsysteme in kurzer Zeit erlernen.

Sprache ist nach dieser Theorie also nicht irgendwie schon vorhanden, sondern wird aus dem „Nichts“ als weitere Fähigkeit neben „Laufen“, „analytischem Denken“ und anderen körperlich-geistigen Fähigkeiten ausgebildet.

Diese beiden Theorien stehen sich bis heute fast unversöhnlich gegenüber. Beide Ansätze haben jedoch viele Erkenntnisse hervorgebracht, die die Linguistik als Ganzes insgesamt weitergebracht haben.

Vom Kleinen in’s Große

Nun fragt man sich vielleicht, wie man ein ganzes Studium nur mit Linguistik zubringen kann. Nach dem folgenden Abschnitt wird dies hoffentlich nachvollziehbarer. Die Linguistik versucht, Sprache in all seinen Facetten zu beschreiben. Methodisch versteht sich die Linguistik zunehmend als Naturwissenschaft, obwohl sie sich mit einer abstrakten, geistigen Größe befasst und traditionell den Geisteswissenschaften zugerechnet wird.

In ihrer naturwissenschaftlichen Ausrichtung ist die Linguistik eine relativ junge Disziplin, da erst die technologischen Möglichkeiten, gesprochene Sprache greifbar zu machen, sie also aufzuzeichnen, die Linguistik ermöglichte, wie wir sie heute betreiben. Natürlich hat man sich schon seit tausenden Jahren mit Sprache befasst, allerdings zeugen davon nur die wenigen schriftlichen Quellen, die von den jeweiligen Zeiten erhalten geblieben sind. Die alte Sprachwissenschaft war also mehr eine reine Literaturwissenschaft, weil gesprochene Sprache damals so flüchtig war, wie ein Gedanke.

Da jedoch auch „Schrift“ erst seit wenigen hundert Jahren für eine breite Masse zugänglich ist, kann man aus Schriftquellen nur Mutmaßungen ableiten, wie die gesprochene Sprache einer historischen Gesellschaft ausgesehen haben mag. Außerdem ist geschriebene Sprache immer konstruiert, meist Produkt reiflicher Überlegung und häufig mehrfach korrigiert.

Das meiste Wissen über historische Sprachen ist also sehr spekulativer Natur, da jede Schriftquelle zudem nur den Sprachstand einzelner gelehrter Menschen wiedergibt, die vermutlich nur sehr bedingt repräsentativ für die sprachliche Gemeinschaft seiner oder oder ihrer Zeit waren.

Darum wird die Schrift in der Linguistik ganz klar von der gesprochenen Sprache abgegrenzt.

Ein Grundprinzip der Sprachwissenschaft lautet also:
Buchstaben und Laute sind nicht dasselbe!

Erst mit den jüngsten technischen Entwicklungen konnten neue Bereiche der Linguistik erschlossen werden, sodass wir heute eine ganze Palette an Unterdisziplinen haben, die jede für sich ein komplett eigenständiges Forschungsfeld mit eigener Forschungstradition aufweist.

Die Einteilung dieser Forschungsfelder erfolgt nach der Größe der Einheit, mit der sich das einzelne Feld befasst. Ich möchte hier kurz auf die einzelnen Ebenen eingehen, weil dabei deutlich wird, wie umfangreich die Forschungslandschaft „Sprache“ doch ist. Dabei möchte ich bei der kleinsten Einheit beginnen und Schritt für Schritt auf die immer größeren Zusammenhänge zu sprechen kommen.

Die „Phonetik“

Auf der kleinsten Ebene befasst sich die Sprachwissenschaft mit „Phonen“ (Lauten). Sie untersucht, wie Laute gebildet und wahrgenommen werden. Dieser Bereich nennt sich „Phonetik“. Die Phonetik hat unter anderem Berührungspunkte mit der Physik. Wie die Physik befasst sich die Phonetik mit Frequenzen und Schallwellen. Jeder Laut hat seine eigene Frequenz. Ein „a“ schwing auf einer langsameren Frequenz als ein „i“. Ein „s“ hingegen schwingt nicht, es rauscht und ein „p“ knallt.

Die Laute werden je nachdem eingeteilt, ob sie schwingen (Vokale & Sonoranten), rauschen (Frikative) oder knallen (Plosive). Ihr könnt es selbst testen: Haltet eure Handfläche vor euren Mund und macht verschiedene Laute. Wenn ihr ein „a“ macht, spürt ihr die Luft schwach und gleichmäßig. Wenn ihr ein „s“ oder ein „f“ macht, spürt einen dünnen Luftstrahl. Bei einem „p“ oder einem „k“ spürt man einen einzelnen kurzen Luftstoß.

Die Phonetik hat auch Verbindungspunkte zur Biologie. Wie die Biologie beschäftigt sich die Phonetik mit dem Aufbau unseres Mundes, der Nase und dem oberen Atemwegen (Vokaltrakt):

(Abbildung 1: der Vokaltrakt – Quelle)

In der Abbildung 1 sehen wir, welche Möglichkeiten wir haben, um einzelne Laute zu bilden (1 „bilabial“, 2 „labiodental“, etc.). Je nachdem, wo die Zunge steht, können unterschiedliche Laute erzeugt werden. Der Laut „p“ ist beispielsweise ein „bilabialer Laut“, weil er mit beiden Lippen erzeugt wird. Außerdem knallt er. Darum ist er ein „bilabialer Plosiv“. Testet es selbst! Mit dieser Abbildung könnt ihr euren Mund erforschen und ausprobieren, was die Zunge und die Lippen machen, wenn ihr einen bestimmten Laut macht.

Alle Laute, die es auf der Welt gibt, können so bestimmt werden. Weiter oben habe ich gesagt, dass Buchstaben nie mit Lauten gleichgesetzt werden dürfen. Um die Laute auch graphisch darstellen zu können, hat man deshalb mehrere Lautschriftsysteme entwickelt. Die Laute werden in diesen Schriftsystemen in [eckigen Klammern] dargestellt. Weshalb wir solche Systeme brauchen, kann man sehr gut am deutschen „ch“ erkennen:


(Abbildung 2: Quelle)

Geschriebene Buchstaben werden in /Schägstrichen/ und Laute in [eckigen Klammern] dargestellt, um Laute nicht mit Buchstaben zu verwechseln. In der Abbildung 2 sieht man, dass die Buchstabenkombination /ch/ je nach Kontext 5 verschiedenen Lauten entspricht. Buchstaben und Laute haben deshalb fast nie eine 1:1-Beziehung!

Die „Phonologie“

Vielen Studienbeginnern der Germanistik fällt es schwer, den Unterschied zwischen „Phonetik“ und „Phonologie“ zu verstehen. Die „Phonologie“ betrachtet die Laute nicht mehr als Klangkörper, sondern unterscheidet die Laute nach ihrer Bedeutung. Laute, die eine neue Bedeutung erzeugen, nennt man „Phoneme“. Alle „Phoneme“ sind „Phone“, aber nicht alle „Phone“ sind „Phoneme“!

Um zu testen, welcher Laut („Phon“) ein „Phonem“ ist, kann man die sogenannte „Minimalpaaranalyse“ durchführen:

Matte (mɑtə) vs. Ratte (Rɑtə)

Die Wörter Matte und Ratte unterscheiden sich nur in den Lauten [m] und [R]. Damit erzeugen sowohl [m] als auch [R] jeweils eine neue Bedeutung. Sie sind also „bedeutungsunterscheidend“. Dies ist auch der schon der ganze Zauber der „Phonologie“. Man untersucht also nicht den Klang und die Eigenschaften der Laute sondern deren bedeutungsgebende Funktion im Wort.

Die „Morphologie“

Die Ebene der Morphologie ist für viele Studentinnen und Studenten eine große Herausforderung. Auch für mich war die Morphologie in den ersten Semestern ein rotes Tuch. Die „Morphologie“ beschäftigt sich mit der Gestalt und der Struktur der Wörter. Sie untersucht also, wie Wörter aufgebaut sind.

Jedes Wort besteht aus sogenannten „Morphemen“ – nennen wir sie vereinfacht „Bausteine“. Manche Bausteine stellen alleine schon ein Wort dar: zum Beispiel das Wort „Haus“.

Warum ist das Wort „Haus“ gleichzeitig ein Baustein? Weil wir mit dem Wort „Haus“ neue Wörter bauen können:

Baum + Haus = Baumhaus

Baum + Haus + Dach = Baumhausdach

Baum + Haus + Dach + Fenster = Baumhausdachfenster

An diesen Beispiel sehen wir, dass auch „Baum“, „Dach“ und „Fenster“ Bausteine sind. Im neuen Wort „Baumhausdachfenster“ formieren sich also vier Bausteine (Morpheme) zu einem einzigen neuen Hauptwort. Die deutsche Sprache ist in dieser Hinsicht sehr besonders, weil wir auf diese Weise fast unendlich viele neue Wörter bauen können. Jedes Hauptwort ist im Deutschen auch ein Baustein! – praktisch, oder?

Manche Bausteine können aber nicht alleine stehen. Diese Bausteine sind meistens Silben und manchmal nur einzelne Buchstaben. Zum Beispiel sind die Silben „be-“ und „-ung“ auch Morpheme. Wie können wir das testen? Wir bauen einfach ein neues Wort:

be + Haus +  ung = Behausung

Ähnlich wie bei Lego-Bausteinen sind manche Legos nur Teil eines größeren Objekts. Manche sind jedoch aus einem Plastik-Stück gegossen und stellen für sich schon etwas dar, können aber trotzdem mit anderen wieder kombiniert werden. Morpheme sind wie Lego-Bausteine!

Aus dem Hauptwort „Haus“ lassen sich neben weiteren Hauptwörtern auch „Wie-Wörter“ (Adjektive) und sogar „Tun-Wörter“ (Verben) bilden:

Haus + ge + mach + t = hausgemacht

Haus + ier + en = hausieren

Hier zeigt sich, dass die  Silben „-ier-„, „-en-“ und „ge- -t“ ebenfalls Bausteine darstellen, mit denen neue Wörter gebildet werden können.

Den einzelnen Bausteinen können schließlich Funktionen und Bedeutungen zugeordnet werden. So macht beispielsweise der Baustein „-en“ im Deutschen Wörter zu einem Tun-Wort (mach + en = machen), der Baustein „-ung“ die Wörter zu einem Hauptwort, (dreh+ ung = Drehung) und der Baustein „-s“ aus der Einzahl eine Mehrzahl (sofa + s = Sofas).

Natürlich können einzelne Bausteine mehrere Funktionen haben und einzelne Funktionen durch mehrere Bausteine erfüllt werden, was das Ganze wirklich kompliziert macht:

Strahl + en = Strahlen

Plan+ en = planen

Hier macht der Baustein „-en“ ein Hauptwort in der Einzahl zu einem Hauptwort in der Mehrzahl. Gleichzeitig macht derselbe Baustein aus einem Hauptwort ein Tun-Wort. Damit hat der Baustein „-en“ zwei Funktionen!

Je mehr Funktionen ein Baustein hat und je mehr Bausteine dieselbe Funktion erfüllen, desto komplizierter wird es. Im Deutschen haben wir insgesamt 9! verschiedene Möglichkeiten aus einer Einzahl die Mehrzahl zu bilden. Das ist für Lernerinnen und Lerner des Deutschen eine echt harte Nuss. Könnt ihr alle 9 Möglichkeiten, aus einer Einzahl die Mehrzahl zu bilden, aufzählen?

Die Morphologen untersuchen also, wie sich Wörter zusammensetzen und welchen Bausteinen welche Funktionen in der jeweiligen Sprache zukommen.


Verschnaufpause

Ursprünglich wollte ich alle Teilbereiche der Linguistik in einen Beitrag packen. Mir ist jedoch beim zweiten Lesen aufgefallen, wie schwer greifbar diese Inhalte für Menschen sein müssen, die all diese Dinge noch nie gehört haben. Darum mache ich hier einen Punkt.

Aus der Sicht eines Linguisten sind diese Dinge eine Selbstverständlichkeit. Dies sind alles Dinge, die im allerersten Semester des Fachs „Sprachwissenschaft“ neben den zwei anderen großen Fächern „Gattungspoetik“ und „Mediävistik“ in der Germanistik an der Uni Freiburg gelehrt werden. Doch ähnlich wie es der Leserin oder dem Leser gerade erging, saßen meine Kommilitonen und ich in eben dieser Vorlesung „Einführung in die Sprachwissenschaft“. Wir dachten, weil wir Deutsch sprechen könnten, würden wir schon etwas von „Sprache“ verstehen. Was für ein Irrtum!

Das Schulsystem, welches ich durchlaufen habe, hat es nicht einmal geschafft, uns das Wesen der Tun-Wörter wirklich zu erklären. Trotzdem haben viele von uns Jahre damit verbracht, Französisch- und Englisch-Vokabeln zu pauken und uns mit der verflixten Kommasetzung herum zu ärgern. Dabei sind es vor allem die Tun-Wörter, die diese Dinge ganz einfach erklären.

Ausblick

In diesem ersten Teil waren die Inhalte wirklich sehr abstrakt, weil wir uns den kleinsten Einheiten gewidmet haben. Im nächsten Teil wird es um Sätze und schließlich um Texte und Kommunikation gehen. Gerade der Teil der Linguistik, der sich mit der Kommunikation beschäftigt, ist aus meiner Sicht hoch interessant.

Ich hoffe, ich habe nicht schon zu viele Leser und Leserinnen mit diesem Beitragsteil vergrault und konnte einen verständlichen Einblick geben, mit welchen Inhalten sich eure Deutschlehrer einmal herumgeschlagen haben!


von Marco Lo Voi

2 Antworten auf “Ein Blick in die Welt der Wissenschaft: Was ist „Linguistik“? – Teil 1”

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