„Verschwörungstheorie“: Was steckt hinter diesem Begriff? – Ein Erklärungsversuch – Teil 3

Zu viel Hass, zu wenig Verständnis

Ich weiß, es ist anstrengend. Für mich ist es jedoch mindestens genauso anstrengend, diese Artikel zu verfassen, wie für dich sie zu lesen. Wir sitzen im selben Boot nur an verschiedenen Enden. Das Thema „Verschwörungstheorien“ ist derzeit jedoch so heiß, dass ich es unbedingt umfassend behandeln möchte.

Aus meiner Sicht ist es wirklich unerlässlich für jeden und jede, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, weil es derzeit genutzt wird, um uns als Gesellschaft zu radikalisieren und zu polarisieren. Der Umgang wird rauer. Die Gewalt nimmt zu. Die Emotionen kochen hoch und man ist bereits weit jenseits der Vernunft, ja teilweise bei blankem Hass angelangt.

Diese Entwicklungen zu beobachten, verursacht mir tiefsten Schmerz. Mein Anliegen mit diesem Blog ist es, Gräben zu schließen, indem Verständnis gefördert wird. Allerdings sehen wir gerade nur sich verhärtende Fronten und körperliche sowie politische Gewalt. Wir müssen diese Entwicklungen stoppen. Und um diese Entwicklungen zu stoppen, müssen wir verstehen, warum wir Menschen so denken und handeln, wie wir es tun.

Weil der Mensch jedoch Meister in der Verkomplizierung einfachster Dinge ist, braucht man viele Worte, um durch dieses von uns selbst geflochtene Netz aus Gedanken und Bedenken zu dringen. Hinter diesem Netz erscheinen die Dinge nämlich meist sehr schlicht. Denn jede Erkenntnis ist in ihrem Wesen sehr simpel. Zu ihr zu gelangen, kann jedoch einen ganzes Leben dauern. Eine wichtige Erkenntnis, die unser Miteinander leiten sollte, ist aus meiner Sicht folgende: Jeder Mensch möchte eigentlich in Frieden leben. Dies zu erreichen, bedeutet harte Arbeit an sich selbst. Wer vor dieser Arbeit zurückschreckt, der wird niemals wirklichen Frieden für sich und damit für alle Menschen erreichen.

Wie Emotionen unsere Wahrnehmung blenden

Frieden beginnt bei uns selbst. In jeder Sekunde an jedem Tag können wir an diesem Menschheitsprojekt arbeiten. Und zwar indem wir unsere Emotionen beobachten.

Jeder kennt es: uns fällt das Handy auf den Boden, man kratzt am Randstein mit dem neuen Auto entlang, das frisch angezogene Oberteil kriegt einen Spritzer Tomatensoße ab – sofort sind Emotionen da, die ganz unterschiedlich stark auf uns einprasseln. Wir fluchen, regen uns auf, ärgern uns tierisch, ja wir werden von unseren Emotionen eingenommen. Wozu? Die Sache, über die wir uns aufregen, ist bereits geschehen. Jede weitere investierte Energie ändert nichts an dem Vorfall. Im Gegenteil: wir werden hektisch und verschlimmern oft das bereits geschehene Unheil.

Dies sind Beispiele von spontanen Emotionsentladungen, die wir auch Affekte nennen. Emotionen können sich jedoch auch tief in unserem Unterbewusstsein ablagern. Frustration kann sich von dem Gefühl völliger Ohnmacht bis hin zu Suizidgedanken steigern. Irgendwann brechen sich auch diese Gefühle bahn und nicht selten bereuen wir dann unsere darauf folgenden Taten. Vor dieser Entladung haben diese Gefühle jedoch einen steten Einfluss auf unser Gemüt.

Das Gemüt ist sozusagen die lange Perspektive auf den ganz natürlichen Wechsel von besserer und schlechterer Laune. Beladen wir uns immer schwerer mit negativen Gedanken, dann verdüstert sich unser Gemüt. Es sammelt sich Wut, die sich zu Hass steigern, Neid, der sich zur Verachtung aufstauen und Frust, der in völliger Kapitulation enden kann.

Jeder Gedanke, den wir denken, jede Tat, die wir ausführen und jedes Wort, das wir äußern, ist von diesen Emotionen mal mehr, mal weniger gefärbt – aber unser Unterbewusstsein ist immer aktiv. Dafür gibt es keinen Ausschaltknopf. Diese Emotionen lassen sich auf gewisse Formen der Verblendung zurückführen, denen wir alle zu jeder Zeit in gewissem Maße unterliegen.

Achtet auf eure Gefühle!

Seit fast acht Jahren beschäftige ich mich selbständig mit verschiedensten Themen. Angefangen von klassischer aber auch moderner Literatur, die von Fantasyunterhaltung über philosophisch-religiöse bis politische Themen alles mögliche abdeckt. Des weiteren begab ich mich nach ersten Hinweisen auf eigene Faust in die verwirrende Welt des Internets. Über meinen Einstieg in die Welt der „Verschwörungen“, der „Esotherik“ und der „Alternativmedizin“ habe ich bereits einen Artikel geschrieben.

Spätestens der Kontakt mit der alternativen Sicht auf die Ereignisse rund um die Anschläge des 11. Septembers war dann der letztendliche Anstoß, mich unvoreingenommen allen möglichen „unschönen“ Themen zu widmen. Heute würde man sagen: An diesem Zeitpunkt begann mein Abstieg in die Szene der „Verschwörungstheoretiker“.

Ich würde es als mein persönliches Glück bezeichnen, nicht direkt mit einem Kopfsprung in den dunklen Abgrund der internationalen Politik und der Medienlandschaft eingetaucht zu sein. Schritt für Schritt wagte ich mich an immer komplexere Themen heran. Mein Zugang dabei war der Buddhismus.

Der Buddhismus lehrt, wie der Mensch über die Selbsterkenntnis zu einem ausgewogenen Verhältnis mit sich und seiner Umwelt kommt. Die wichtigste Erkenntnis, die mich der Buddhismus lehrte und die mich bis heute in meiner Beschäftigung mit allen weiteren Themen leitet ist: Es gibt kein „Gut“ und kein „Böse“. Es gibt nur Leid und die Abwesenheit von Leid. Leid entspringt immer aus einer Verwirrung / Verblendung einzelner oder mehrerer Menschen. Menschen, die Leidvolles denken, sagen und tun, handeln immer aus Unwissenheit niemals aus wahrhaftiger Bosheit.

Diese Grundannahme bewahrt mich bis heute davor, wahrhaften Hass gegen irgendwen zu entwickeln. Blicken wir in die Geschichte der Menschheit zurück, so werden natürlich auch gute aber vor allem fatale Gesellschaftsentwicklungen immer auf Personen zurückgeführt, die wir lieben oder hassen sollen. Jesus vs. Hitler, Buddha vs. Bin Laden, Mohammed vs. Trump – immer betreiben wir Personenkult sowohl im Positiven als auch im Negativen.

Personen sind jedoch niemals das reine Gute aber auch niemals das reine Böse. Es sind Verwirrungen, Verirrungen und Verblendungen, die uns zu leidvollen Handlungen treiben. Wir Menschen drehen uns fortwährend im Kreis, weil wir immer wieder der Annahme erliegen, das Beseitigen bestimmter Personen vertreibe das Böse in der Welt. Dies wird niemals gelingen!

Dieser Umstand ist dem oberen superreichen 1% bekannt. Sie liefern uns deswegen immer wieder neue Bösewichte und neue Helden, die wir jagen oder denen wir anhängen können, um unser katastrophales Spiel, welches wir seit Menschengedenken betreiben, immer wieder auf’s Neue zu starten. Aber auch sie dürfen wir nicht einfach hassen, sonst wäre nichts gewonnen.

Auch diese Superreichen unterliegen Verblendungen. Sie unterliegen denselben menschlichen Trieben wie ein verwirrter Selbstmordattentäter, ein Hetze verbreitender Youtuber oder Zeitungsredakteur, ein fanatisch religiöser Demagoge, ein Staatenlenker mit Großmachtphantasien oder auch jeder „einfache“ Mensch. Der Umfang der Möglichkeiten und damit die Art der leiderzeugenden Handlungen alleine ist es, was die genannten Menschen voneinander unterscheidet, ansonsten nichts!

Zwei Personen neben einem Baum - Schwarz-Weiss

Hass und Ausgrenzung gehen mit Unwahrheit Hand in Hand

In verschiedenen Beiträgen habe ich das alte Prinzip, das im römischen Reich bereits angewandt wurde, immer wieder erwähnt: „divide et impera„, was so viel heißt wie „teile und herrsche“. Hass ist die Urform der Spaltung. Und Hass wurzelt in Unwahrheit oder Unkenntnis. T-Shirt-Sprüche wie „I hate haters“ („Ich hasse hater„) oder „I hate hate“ („Ich hasse Hass“) sind für mich Spiegel der absoluten Verwirrung, die in dem Gebrauch dieser Begriffe herrscht. Natürlich sind diese Sprüche irgendwie ironisch gemeint. Diese Ironie kaufe ich aber nur Menschen ab, die völlig frei von Hass sind und das können wirklich nur die Wenigsten von sich behaupten.

Hass bezieht sich in seinem Wesen immer auf eine Person oder Gruppierungen. Eine Idee oder einen Gedanken zu hassen, erscheint mir unmöglich, da immer Menschen Urheber dieser Gedanken sind. Darum werden stets personifizierte Feindbilder gezeichnet, die wir hassen sollen. Diese Bilder werden dann in Abhängigkeit der zeitgenössischen Notwendigkeit beliebig definiert. Gestern war es der Kommunismus, dann der Islam und heute der Verschwörungstheoretiker, der Milliardär oder der Politiker.

Bäume

Während sich Führungsspitzen immer wieder abwechseln, erleben wir stets die Erschaffung neuer Feindbilder, die solange bekämpft werden müssen,  bis wir sie „besiegt“ haben. Und ist er einmal besiegt, so braucht es einen neuen Feind. Um aus dieser Gewaltspirale auszubrechen, scheint es also nicht wirklich erfolgversprechend, wenn wir immer wieder Individuen oder Volksgruppen an den Pranger stellen. Wäre das Böse mit dem Hinrichten von Mitmenschen zu besiegen, dann hätte der Mensch dies längst geschafft

Wie wird ein Feind kreiert? Es wird ihm der Status als gleichwertiges menschliches Wesen aus verschiedenen Gründen aberkannt. Diese Gründe können religiös, ethnisch, wissenschaftlich oder politisch sein. Juden sind Untermenschen, Moslems Terroristen, Schwarze sind Sklaven, Andersdenkende wahlweise wirrköpfige Verschwörungstheoretiker, Antisemiten und/oder Faschisten und Politiker sind skrupellose Machtmenschen.

Zwar erlitten nicht alle genannten Gruppen gleichermaßen systematische Verfolgung oder Vernichtung, aber für mich müssen nicht erst Konzentrationslager oder Sklavensysteme entstehen, um mich gegen Hetze und Diffamierung einzusetzen. Wir erleben in den letzten Tagen auf der ganzen Welt zunehmende Gewalt gegen Demonstranten aller Altersgruppen.

Ob nun Demonstranten auf Gegendemonstranten oder beide mit der Polizei zusammenstoßen – die Gewalt nimmt zu, während ein guter Teil der Mainstream-Medien und Extreme der alternativen Medien von beiden Seiten Öl ins Feuer gießen. Sogar ein mutmaßlicher Bombenanschlag auf eine Firma für Veranstaltungstechnik, die einen Auftrag für die Grundgesetz-Demonstrationen in Stuttgart ausführte, fand vor wenigen Tagen statt.

Wie „Verschwörungstheoretiker“ zur „Bedrohung“ gemacht werden

Das Thema „Emotionen“ wurde bis hierhin aus gutem Grund so ausführlich behandelt. Gefühle und Emotionen werden nämlich dieser Zeit gezielt genutzt, um Empathie zu steuern. Berichte der Mainstreammedien unterscheiden sich erheblich von den Videos auf anderen Videoplattformen als Youtube, Erlebnisberichten von Personen auf Demos und den Beiträgen auf anderen Plattformen. Videos, die brutale Gewalt gegen Demonstranten und deren willkürliche Festnahmen zeigen, werden systematisch ausgefiltert und beängstigend schnell von Youtube entfernt.

Diese Aussage ist natürlich nicht leicht beweisbar, da man schlecht etwas zeigen kann, was entfernt wurde, aber wer parallel zu Youtube noch andere Plattformen verfolgt, der kann die Unterschiede deutlich sehen. Und dies fördert zusätzlich Hass und Frust.

Diejenigen, die auf den Straßen unterwegs sind und die Dinge erleben, werden zusätzlich radikalisiert, wenn die von ihnen veröffentlichten Videos und Bilder systematisch zensiert werden. Darum wandern derzeit viele auf alternative Plattformen wie Telegramm ab. Beispielvideos für diesen Beitrag zu finden, die nicht von der Mainstreampresse stammen, gestaltet sich zunehmend schwieriger. Und das bereitet mir wirklich erhebliche Sorgen.

In den Beiträgen, die von der Zensur verschont bleiben, sehen wir dann entweder sehr nüchterne oder diffamierende Darstellungen der Demonstrationen. Seltsam genug, dass bei diffamierenden Begriffen, die in diesem Beiträgen verwendet werden, wie „Antisemit, „Faschist“ und „Verschwörungstheoretiker“ nicht stets politisch korrekt gegendert, also sowohl die weibliche als auch die männliche Bezeichnung genannt wird. Dieser Tage wird mit diesen Begriffen zunehmend unreflektiert umgegangen. Pauschalisierung und Populismus scheinen nur einseitig Gültigkeit zu haben.

Aber dies hängt (Achtung: Verschwörungstheorie!) vermutlich mit der parallel laufenden Diffamierungskampagne gegen das männliche Geschlecht zusammen, zu der sich die unterstützenswerte Emanzipation der Frau ungesunderweise entwickelt hat – ohje, an dieser Stelle werde ich wohl einige Leser*innen verlieren. „Divide et impera“…

Ausgewählte Individuen der sogenannten „Verschwörungstheoretiker“ werden als repräsentative Vertreter einer pluralistischen und durchaus bunten Menge verschiedenster Menschen herausgegriffen. Beispielsweise werden die Kritiker der aktuellen Corona-Maßnahmen gerne so dargestellt, wobei Beiträge wie dieser ein völlig anderes Bild zeichnen.

An dieser Stelle könnte ich viele Beiträge und Artikel anbringen, die aus meiner Sicht hochgradig verleumderisch sind. Wir alle kennen Berichte wie diese zur Genüge. In Reportagen wie diesen werden dramatische Schicksal von Menschen gezeichnet, die sich ebenso völlig unreflektiert den Inhalten im Internet aussetzen, wie es viele der „Antiverschwörungspartei“ mit den Inhalten solcher Reportagen tun. Das problematische an Feindbildern egal welcher Art ist Folgendes: ähnlich wie bei Gerüchten greifen Feindbilder immer gewisse Aspekte auf, die der Wahrheit entsprechen.

Ein Beispiel: Der Mythos der jüdischen Weltregierung

In Deutschland aus tragischen Gründen besonders effektiv: Das Thema „Juden“. Hier sachlich zu diskutieren grenzt an Unmöglichkeit. Die emotionale Vorbelastung hat eine tausende Jahre alte Vorgeschichte, die von Verfolgung, kriegerischen Auseinandersetzungen und Vernichtung handelt.

Zugleich werden Juden mit einem anderen Thema, das wohl auf der ganzen Welt gleichermaßen mit Emotionen vorbelastet ist, assoziiert: Geld. Sprüche wie „Geld regiert die Welt“ oder „bei Geld hört die Freundschaft auf“ kennt nicht umsonst so gut wie jeder. Jede und jeder hat mindestens einmal in seinem Leben eine Erfahrung gemacht, auf die diese abgedroschenen Sprüche passen.

Auch wenn es schwer fällt, bei diesen Themen sachlich zu bleiben, muss man gewisse Fakten berücksichtigen. In Reportagen wie dieser hier werden im Grunde keine Argumente geliefert, sondern nur die Umstände benannt, das Juden mit Vorurteilen behaftet werden – es wird ausschließlich emotionalisiert. Ein Multimilliardär, der nachweislich an vielen kriegerischen Auseinandersetzungen und Revolutionen indirekt beteiligt war, wird als Opfer von Vorurteilen dargestellt, wobei keinerlei Argument geliefert wird, die ihn als geopolitischen Akteur entlasten.

Die Rede ist von George Soros. Bei einer schnellen Recherche finden sich ausschließlich nur Beiträge, in denen er durchweg gut dasteht. O-Töne wie diese finden sich nur äußerst schwer, wodurch der Eindruck entsteht, es handelt sich hierbei um einen lupenreinen Demokraten. Dazu gibt es jedoch durchaus andere Meinungen, aber dies soll hier nicht das Thema sein. Soros ist nur ein Beispiel für einen geopolitischen Akteur, an dem Kritik auf Grund seiner jüdischen Wurzeln gerne als Antisemitismus ausgelegt wird.

Ein weiteres Beispiel wäre die fast schon mysteriöse Familie Rothschild. „Aufklärerische“ Beiträge wie dieser greifen zwar einzelne Fakten zu dieser Familie auf, relativieren diese jedoch, was ihre Bedeutung in der internationalen Politik und Finanzwelt schmälern soll.

Es ist beispielsweise kein Geheimnis, dass einer der maßgeblichen Denker bei der Gründung des Federal Reserve Systems Paul Moritz Warburg war, ein Sohn einer deutsch-jüdischen Bankiersfamilie. Gleichzeitig war er Vertreter der Rothschild-Bankendynastie in England und Frankreich (vgl. Die Kreatur von Jekyll Island, S. 20)

Wir alle kennen den Begriff FED, aber was sie ist und was sie tut, habe ich nicht in der Schule gelernt. Dabei ist sie der größte Einflussfaktor in der globalen Finanzwirtschaft, dessen Leitwährung der (Petro-)Dollar ist.  Zu diesem Thema etwas Umfassendes und Verständliches zu finden, ist nicht leicht. Hier eine englische und eine deutsche Version einer knappen Beschreibung des Federal Reserve Systems. Wer gerne die volle Breitseite will, dem empfehle ich dieses Standardwerk dazu: „The Creature Form Jekyll Island“ von G. Edward Griffen (hier als PDF auf Englisch und hier auf Deutsch lesbar).

Zwei Personen neben einem Baum - Schwarz-Weiss

Nun kommen sich also das alte Vorurteil „Geld“ beziehungsweise „Banken“ und „Juden“ erneut gefährlich nahe. Wer aus diesem Umstand nun ableitet, alles Geld der Welt werde von Juden kontrolliert, der vermischt auf vereinfachende Art und Weise die Handlungen von Individuen mit deren religiös-kulturellem Hintergrund.

Es soll an dieser Stelle betont werden, dass einzelne Vertreter und seien sie noch so mächtig und einflussreich, niemals repräsentativ für eine ganze Volksgruppe, Religionsgemeinschaft oder Ethnie stehen können und dürfen.

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Wer aber auf der anderen Seite jede Kritik an dem Umstand, dass das internationale Bankensystem in den letzten hundert Jahren im Endergebnis einer Verteilung des Wohlstands von Arm nach Reich befördert hat, als krude und antisemitische Verschwörungstheorie abtut, weil hierbei nun mal auch Personen in der Kritik stehen, die jüdische Wurzeln haben, der begeht genau denselben Fehler, den er oder sie zu verurteilen versucht – Pauschalisierung.

Die Diskussion um den globalen Finanzkapitalismus wird damit vom eigentlichen Anliegen, der Geißelung der Weltgemeinschaft mittels Zins und Zinseszins, Bail-In und Bail-Out, Finanzspekulation und Wirtschaftskrisen weggeführt und alleinig auf die Frage „Sind die Juden jetzt gut oder böse?“ gelenkt.

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„Irren ist menschlich“

Im zweiten Teil dieser Beitragsreihe habe ich argumentiert, dass es uns ganz offensichtlich an ausreichender Medienkompetenz mangelt. Zugleich sind wir darauf konditioniert, denjenigen Glauben zu schenken, denen wir eine gewisse Autorität zugestehen. Wenn nun der Moment kommt, an dem ein Individuum an dem Weltbild, was uns im Fernsehen verkauft wird, zu zweifeln beginnt, heißt das noch lange nicht, dass er oder sie jetzt komplett immun gegen falsche Schlussfolgerungen ist, nur weil er oder sie kritisch gegenüber dem Mainstream ist.

Begibt man sich abseits des „gesicherten Pfades“ auf die Suche nach alternativen Wahrheiten, kann man sich dort ebenso in Widersprüchen und Unwahrheiten verirren – soweit haben die Mainstream-Medien mit ihren Warnungen durchaus recht.

Das Internet war einst ein Ort, wo Informationen wirklich nahezu ungehindert verbreitet werden konnten. Dieser Umstand hat viele Skandale und korrupte Machenschaften aufgedeckt, den Zusammenschluss der globalen Menschheitsfamilie gefördert, aber natürlich auch jedem die Möglichkeit eröffnet, seine Sicht auf die Welt allen zugänglich zu machen. Ich persönlich halte dies für eine sehr demokratische Art des Meinungsbildungsprozesses.

Vor allem in den letzten Jahren wurden jedoch zahlreiche Instanzen geschaffen, die diesen Meinungsbildungsprozess manipulieren. Derzeit prominentestes Beispiel sind wohl die selbsternannten „Faktenchecker“, die gerade im Zuge der Corona-Krise überall auftauchen. Ein Beispiel für eine Organisation, die solche „Faktenchecks“ durchführt, ist correctiv.org. Diese Plattform bezeichnet sich als unabhängig und gemeinnützig. Sie wird unter anderem von Facebook.com beauftragt, um „Fake-News“ zu entlarven. Was correctiv.org genau ist, hat das Format 451° in einer ganzen Sendung aufgearbeitet.

Natürlich tummeln sich unter all den vernünftigen Menschen, die ich persönlich als die Mehrheit ansehe, immer wieder sehr laute „Exzentriker“, die viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn dieser „Exzentriker“ jetzt „die Mächtigen“, „die Politiker“ oder Einzelpersonen wie Merkel, Gates oder Musk zu neuen Feindbildern erklären, dann werden sie schnell Zulauf bekommen, weil wir als Menschen immer schon auf Feindbilder konditioniert wurden.

Menschen, die von der Politik, dem Kapitalismus, Kriegen und Korruption ganz zu Recht die Nase voll haben, werden diese Exzentriker zu neuen Autoritäten erheben, weil diese wirklich oder nur vordergründig „informierter“, „mächtiger“, „mutiger“ und damit „glaubwürdig“ sind. Wenn sie nun bereits eine breite Anhängerschaft haben, dann sinkt die Hemmschwelle, sich dieser Anhängerschaft anzuschließen, je größer diese Anhängerschaft bereits ist. Gustav Le Bon hat das Verhalten des Individuums in der Masse bereits 1895 in seinem Buch „Psychologie der Massen“ beschrieben.

„Irren ist menschlich“ – darum sollten wir vorsichtig sein, wenn wir besonders überzeugten Menschen zuhören. Jede und jeder kann und wird sich irren. Darum sollten wir sowohl bei der Tagesschau, als auch bei Youtubern und den „Alternativen Medien“ gleichermaßen kritisch sein. Themen wie „Corona“ sind unheimlich kompliziert und mit jedem weiteren Video und jedem weiteren Artikel kann sich die Verwirrung steigern.

Besondere Vorsicht ist allerdings bei den sogenannten „Faktencheckern“ geboten. Was unterscheidet denn bitte die vom Mainstream anerkannten „Faktenchecker“ von Mainstream-Journalisten? Nur die abweichende Selbstbezeichnung. Auch „Faktenchecks“ sollten kritisch beäugt werden. Der Name allein soll dem Leser/Hörer das Gefühl geben, er würde sich kritisch mit einem Thema auseinandersetzen, wenn er sich jemanden anhört, der die „Fakten checkt“. Erneut wird uns dadurch das eigenständige Denken abgenommen

Was ist jetzt mit den „Verschwörungstheorien?“

„Verschwörungstheorie“ oder „Verschwörungsmythos“, wie er derzeit zunehmend auftritt, ist zu einem politischen Kampfbegriff geworden. Er wird vom „Mainstream“ ähnlich den Begriffen „Aluhut“, „Antisemitismus“ und „Nazi“ genutzt, um Menschen und ihre abweichende Sicht auf bestimmte Themen als unglaubwürdig darzustellen.

Wie wird dies bewerkstelligt? Durch „Dekontextualisierung“, „Fragmentierung“ und „Pauschalisierung“. Es werden zunächst Einzelaussagen von Person X, die man diffamieren möchte, aus dem Zusammenhang gerissen („Dekontextualisierung“). Dann werden diese Aussagen wahlweise verkürzt, es werden Auslassungen vorgenommen und diese Einzelaussagen dann neu angeordnet („Fragmentierung“). Und schließlich wird das Ergebnis dann mit ganz offensichtlich falschen, antisemitischen, rechtsradikalen und faktenfreien Äußerungen oder Beiträgen anderer Personen zu diesem Thema gleichgesetzt („Pauschalisierung“).

Ein Beispielstück dieser Vorgehensweise sehen wir hier. Hier wurde ein 14-minütiges Interview mit Andreas Popp geführt, um ihm bestimmte Sätze für eine Reportage zu entlocken, die ihn diffamieren soll. So sieht das Interview in voller Länge aus:

Und hier sehen wir, was davon übrig geblieben ist:

Diese Vorgehensweise kann auch auf Einzelpersonen gezielt angewendet werden. Manchmal nimmt man auch einfach eine Reihe fehlerhafte Einzelaussagen, reißt sie aus dem Kontext, ordnet sie neu an und kommt zu der pauschalen Aussage, dass diese Person wohl nur Fehler in ihrer Arbeit machen würde. Ein Beispiel dafür sehen wir hier. Folgendes Video von KenFM ging wirklich „viral“ wie man so schön sagt. Dummerweise hat Ken Jebsen hier vor allem eine Steilvorlage geboten, um ihn zu diffamieren, aber vermutlich kennt ihr dieses Video schon:

In einem Video eines „Faktencheckers“ sehen wir, was von den dreißig Minuten übriggeblieben ist:

Weil ansonsten nicht viel zu holen war, hat man dann noch ein bisschen in den Anfängen von Ken Jebsens Journalisten-Karriere gewühlt, wo er im Stile der Heute-Show oder eines Stefan Raabs Interviews geführt hat, was ihm hier böswillig als „Rentner verarschen“ ausgelegt wird. Wenn man kurz recherchiert, zeigt sich, dass dieser „Faktenchecker“ ebenfalls zu den Mainstream-Medien gehört: Walulis -> Funk -> ZDF. Das muss natürlich nichts heißen, aber meiner Analyse („Verschwörungstheorie“) steht dahinter schon eine gewisse „Agenda“, wie man so schön sagt.

Wo Wahrheit aufhört und Diffamierung beginnt

Ich will nochmals betonen, dass es natürlich unschöne Videos, Beiträge und vereinfachende Darstellungen von gewissen Zusammenhängen gibt, die eine jüdische Weltverschwörung für Realität halten, die hinter allen politischen Aktivitäten eine kleine homogene Gemeinschaft oder gar alleinig die Illuminaten vermuten. Ich würde gerne Beispielvideos dieser Art zeigen, aber der Youtube-Algorythmus ist mittlerweile derart gesteuert, dass solche Beispiele gar nicht mehr so einfach zu finden sind.

Diese Art von Verschwörungstheorien gelten jedoch weiterhin als repräsentative Beispiele für einzelne Aussagen verschiedener kritischer Stimmen, obwohl in keiner von mir gesichteten Reportagen eindeutig nachgewiesen wurde, dass ein Ken Jebsen, ein Andreas Popp, ein Norbert oder Robert Fleischer,  ein Mathias Bröckers, ein Dirk Pohlmann, ein Markus Fiedler oder ein Norbert Häring, etc. etc. irgendwelche antisemitischen, nationalsozialistischen oder weltverschwörerischen Ansichten vertreten.

Lediglich im Zug der oben beschrieben Art werden ausgewählte Stichproben genommen, die in keinster Weise im Verhältnis zur gesamten Arbeit dieser Personen stehen. Damit man sich jedoch nicht mit diesem Gesamtwerk auseinandersetzt, werden diese Personen derart verunglimpft, dass man sich entweder gar nicht oder nur mit starken Vorbehalten mit deren Arbeit beschäftigt

Schlusswort

Mein Plädoyer lautet wie folgt:
Wenn durch irgendwelche Menschen Hass oder Abneigung auf andere Menschen gefördert wird, dann hört auf euer Herz. Hört auf euer Menschsein und urteilt nach eurem Gewissen, ob das, was Person A über Person B sagt, stimmen kann. Und dann stellt euch folgende Fragen:

Warum spricht Person A nicht mit sondern über Person B? Warum spricht Person A über Person B auf diese Art und Weise? Was ist das grundlegende Anliegen von Person A und was ist das Anliegen von Person B? Wer bezahlt die Arbeit, die Person A macht und wer bezahlt den Aufwand von Person B? Habe ich mich mit Person B, über die Person A spricht, überhaupt einmal befasst? Oder habe ich mich überhaupt schon mal mit Person A befasst? Woher kommt meine Meinung zu Person A oder B? Habe ich mich selber auf die Suche nach einer persönlichen Wahrheit über Person B gemacht oder weiß ich nur das, was Person A über Person B denkt und sagt?

Wenn man sich diese Fragen noch nicht gestellt hat, dann sollte man sich bewusst machen, dass die Gedanken, die man zu Person A oder B hat, nicht die eigenen Gedanken sind, sondern die Ideen und Meinungen anderer Personen.

Aber Fragenstellen allein scheint heutzutage ja schon eine Verschwörungstheorie zu sein und auszureichen, um als „X-Leugner“ oder „X-Relativierer“ zu gelten.

Darum: Sprecht miteinander nicht übereinander! Habt keine Berührungsängste mit abweichenden Meinungen. Seit offen für Neues und seid bereit eventuell Altes loszulassen.

Es ist an der Zeit für einen gesellschaftlichen Wandel!


von Marco Lo Voi

3 Antworten auf “„Verschwörungstheorie“: Was steckt hinter diesem Begriff? – Ein Erklärungsversuch – Teil 3”

  1. Sehr viele wichtige Infos und wahrscheinlich ein ordentlicher Zeitaufwand. Danke dafür. Ich wünsche mir sehr, dass der Wandel endlich stattfindet und gebe die Hoffnung nicht auf.

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