Krieg der Worte Teil 1 – „Frieden“

Die Verrohung der Gesellschaft

Zunehmend wird an allen möglichen Fronten geschossen. Und damit meine ich nicht Drohnen, Panzer oder Maschinengewehre, die selbstredend den Gipfel aller Perversion bilden. Ich spreche von Worten.

Die Macht der Worte ist schon den Aristokraten – den herrschenden Eliten zu Zeiten der alten Griechen – ein Begriff gewesen. Wir sehen gerne die verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte als abgetrennte Stationen und vergessen leider allzu schnell, dass Geschichte ein Kontinuum auf der Zeitachse bildet, das bis zur aktuellen Sekunden in der du, liebe/r Leser/in dies liest, fort- und andauert.

Herrscher und Beherrschte hat es stets gegeben und gibt es bis heute. Die Herrschenden haben durchaus ein aktives geschichtliches Bewusstsein und wissen um die Macht der Worte. Sie finden, anders wie Gewehrkugeln und Bomben, immer ihr Ziel. Man kann sie nicht abwehren – einmal in unser Ohr gedrungen, sind sie in unserem Kopf und nur schwer wieder hinauszubefördern.

Kopf-Baum

Kommentarkriege

Im vorherrschenden Zeitalter des Internets entwickelt sich ein ungesunder Trend, den ich als „Verrohung der Gesellschaft“ bezeichne. Mit der digitalen Maske treiben verschiedenste Individuen, ob bezahlt oder freiwillig, ihr Unwesen in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Medienportalen wie Youtube.

Kommentare, in denen Dinge zu lesen sind, bei denen selbst dem sattelfestesten Dickhäuter die Spucke wegbleibt. Ich glaube es bedarf keiner Zitate – jeder weiß wovon ich spreche. Es werden regelrechte Kriege und verbale Angriffe in den Kommentarspalten geführt. Einzig mit dem Wort als alleinige Waffe.

Doch gerade die 90er und die aufkeimende 2000er Generation sollte doch um die Gefahren der digitalen Kommunikation Bescheid wissen. Wer hat denn noch keinen vollkommen grundlosen Streit mit seiner/m Freund/in oder seinen Eltern erlebt, weil es zu Missverständnissen gekommen ist, wenngleich man derselben Meinung war, lediglich weil eine Nachricht falsch verstanden wurde? Dies ist ja auch nicht unüblich im verbalen Gespräch.

Kopf-Baum

Wenn nun gar die direkte Absicht besteht, zu beleidigen und zu diffamieren, dann haben wir heutzutage einen Punkt erreicht, bei dem meines Erachtens kein Gebot der Menschlichkeit mehr verschont geblieben ist. Es zeigt sich immer hässlicher, wie die unreflektierte Nutzung der Macht der Worte bis in den letzten Winkel unserer Gesellschaft eingedrungen ist.

Sind doch nur „Worte“

Im Beitrag „Was ist ein „Wort“?“ habe ich erläutert, wie die wissenschaftliche Herangehensweise an das ist, was wir leichthin als „Wort“ bezeichnen. Dort wird deutlich, dass ein „Wort“ mehr ist, als nur ein paar Buchstaben, die aneinandergereiht Etwas bestimmtes bedeuten.

Kurz zusammengefasst: Es gibt drei Ebenen, die ein Wort in sich vereint: Zum einen die Symbol-Ebene, – also das optische Erscheinungsbild – die Bedeutungsebene – selbsterklärend – und die Laut-Ebene, also das, was wir hören, wenn das Wort ausgesprochen wird.

Entscheidend für den vorliegenden Beitrag ist die Bedeutungsebene, das lexikalische Affiliat, die Definition. Wer setzt sie fest? Wer konventionalisiert sie? Und wer deutet bestehende Definitionen beliebig um?

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Da es einige Begriffe gibt, mit denen wir in der heutigen Zeit in die Irre geführt werden, mit denen bewusst gespalten und aufgehetzt wird, werde ich diesen Beitrag in mehreren Episoden veröffentlichen. Ich werde mich verschiedenen Begriffen widmen, um deutlich zu machen, weshalb das sogenannten „Wording“ für das allgemeine soziale Klima so entscheidend ist. Medien und Politik nutzen den gewählten Ausdruck, um uns gezielt am Kern der Dinge vorbei zuführen.

Man beachte in den folgenden Beiträgen bitte den Sarkasmus und die Ironie, die das Vokabular der Medien und der Politik entlarven soll. Besonderes Augenmerk möchte ich in diesem Sinne auf die Worte, die in „Anführungszeichen“ stehen, lenken.

In diesem Teil geht es um den elementaren Begriff „Frieden“:

Soldat

Frieden

Meiner Meinung nach ist dies eines der zentralen Grundbedürfnisse des Menschen und zugleich ein äußerst rares Gut auf unserer Welt. Die meisten Menschen haben keinen Frieden. Mit Frieden meine ich nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern auch Seelenfrieden. In den Regionen der Welt, in denen militärisch gesehen Frieden herrscht, haben die Menschen trotz allem keinen Frieden. Sie sind gestresst, gehetzt und unzufrieden. Hier versteckt sich das Wort ebenfalls.

Peace-Symbol

Frieden kann meines Erachtens nur erreicht werden, wenn wir all unsere Gedanken auf Frieden richten. Da es für die meisten Menschen allerdings unmöglich erscheint, absoluten Frieden zu erlangen, erlangen die meisten Menschen keinen absoluten Frieden. Dies ist nach den Gesetzen der Logik ein Zirkelschluss. Ich nenne es einen Teufelskreis. Wir müssen endlich anfangen, unsere Gedanken auf Frieden zu lenken, ansonsten versinken wir immer tiefer in einen globalen und universalen Krieg.

Erstaunlich finde ich, wie die Staatsoberhäupter vor allem in militärischer Hinsicht mit dem Wort Frieden umgehen. Sie sprechen von Friedensmissionen, wenn deutsche Soldaten mit Gewehren und Panzern in Afghanistan stehen. Wir bringen Frieden in den Irak, nach Mali und nach Lybien. Die Begriffe militärische Friedensmission, Defensivwaffen, Peace-Keeping-Operations und Schutztruppen sind für mich logische Widersprüche in sich. Mit Waffen Frieden bringen entbehrt meiner Meinung nach jedweder Logik.

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Meines Erachtens kann Frieden nur durch globale Abrüstung erreicht werden. Stattdessen werden die Rüstungsetats stetig erhöht. Deutschland soll endlich wieder „Verantwortung“ übernehmen.

Ähnlich wie andere Begriffe, auf die ich noch zu sprechen komme, wird das Wort Frieden gerne benutzt, weil es auf uns beruhigend wirkt – denn Frieden ist gut. Aber wenn wir im Kontext von Militär und Internationalen Beziehungen von Frieden sprechen, sollten wir immer zuerst fragen: Frieden für wen?

Frieden beschränkt sich in unserer global ausgerichteten Weltgemeinschaft mittlerweile auch nicht mehr auf die Tatsache, dass man nicht in den Krieg im herkömmlichen Sinne zieht. Wir führen seit einigen Jahrzehnten einen zerstörerischen Krieg gegen unsere eigene Lebensgrundlage und damit gegen all die kommenden Generationen.
Hierzu abschließend eine interessante Rede von Ken Jebsen, in der er gesteht, nicht friedlich zu sein.


Von Marco Lo Voi

 

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