Das Altbekannte ablegen
In einigen früheren Beiträgen habe ich bereits Versuche gewagt, dieses Thema, welchem ich mich im nachfolgenden Beitrag erneut anzunähern versuche, anzugehen, mich ihm naiv-philosophisch zu widmen, es mit Kinderaugen zu betrachten. In diesem Beitrag möchte ich erneut Zwischenbilanz ziehen, die grob das, was ich glaube verstanden zu haben, zusammenfasst. Dabei ist es wirklich unerlässlich, vieles von dem, was ich selbst und wahrscheinlich auch du, geneigte Leserin und geneigter Leser, glaube zu wissen, loszulassen, abzustreifen, oder zumindest für den Moment hintanzustellen. Das ist wahrlich leichter gesagt als getan. Doch lasst es uns versuchen. Halte inne, sieh aus dem nächstgelegenen Fenster und betrachte für ein paar Wimpernschläge all das, was eben zu sehen ist, egal, um was es sich dabei handelt.
Schon fertig?
Sieh nochmal hin.
So. Und jetzt stell dir vor, dass all das an sich fast vollständig „leer“ ist. Dass nichts davon „wirklich“ etwas ist, was wir als solide und fest erachten. Materie wird im Moment geschaffen, und zwar aus dem, was man „Raum“ nennen könnte. Über den Begriff „Raum“ habe ich vor einiger Zeit einen eigenen Artikel verfasst. Bevor ich diesen Begriff erneut kontextualisiere, beginnen wir zunächst mit der Zeichnung des dafür vorgesehenen Kontexts.

Physik vs. Philosophie
Die beiden Begriffe sind wohlbekannt. Hören wir „Physik“, denken wir an das kauzige Supergenie mit der weißen Mähne, auch unter dem Namen „Einstein“ bekannt, oder vielleicht auch an Isaac Newton mit seinem Apfel oder vielleicht an Tesla und seine Energie-Experimente. Daneben scheint der Begriff Philosophie fest verbunden mit Namen wie Aristoteles und Platon zu sein. Die beiden Disziplinen werden vielleicht nicht unbedingt als direkte Gegensätze wahrgenommen, scheinen aber im allgemeinen Verständnis oft nicht allzu viel gemein zu haben. Das ist aber ein trauriger Irrtum. Diesen Umstand näher zu beleuchten, würde an dieser Stelle zu viel Zeit in Anspruch nehmen, deshalb lasse ich dies ausnahmsweise einfach so stehen.
Vielleicht haben manche von euch schon den Begriff Quantenphysik vernommen oder sich gar selbst laienhaft oder eingehender mit diesem Themenfeld beschäftigt. Ich selbst bin in diesem Feld ein absoluter Neuling und habe lediglich immer und immer wieder davon gehört, mich diesem Feld aber nie gewidmet. In einem Buch, das ich derzeit studiere, geht es genau um dieses Thema – genauer: es geht im Eigentlichen um den von Warnke geprägten Quantenphilosophie. Hier ein kurzer O-Ton vom Autor des von mir erwähnten Buches, in dem er knapp erklärt, was ich in diesem Beitrag vermitteln zu versuche:
Ein Quant ist eine physikalische Größe wie etwa ein Photon oder ein Graviton. Daneben gibt es eine glaubliche Vielfalt an verschiedenen Quanten, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte. Tut hier allerdings erstmal nichts zur Sache. Worin unterscheiden sich aber nun die Quantenphysik und Quantenphilosophie?
Die Physik beschäftigt sich mit messbaren Kräften. Für diese Kräfte werden Einheiten definiert, die beziffert und gemessen werden können. Es geht um exakte Vermessungen und Lokalisierungen von Teilchen, ihrer Verteilung und ihrer Wechselwirkungen. Man spricht deshalb oft auch von der Teilchenphysik. Warnke, Autor des Buches, das ich derzeit bearbeite, bezeichnet die Teilchenphysik, die eigentlich schon durch Heisenberg und Einstein ins Museum als veraltet verbannt und durch die Erkenntnisse von Max Planck letztendlich abgestreift wurde, als die „Alte Physik“. Sie hat viel Richtiges erkannt und der Menschheit große technische Fortschritte gebracht. Dennoch hat sie das Wesen der Dinge nur unzureichend beschrieben. Heute meint man mit der Quantenphysik einen Riesenschritt weiter zu sein.
Der Begriff „Philosophie“ meint im wörtlichen Sinne „die Lehre über die Liebe zur Wahrheit“. Die Quantenphilosophie ist demnach „die Lehre über die Liebe zur Wahrheit in Bezug auf die Quanten“. Warnke hat mit Rückgriff auf die Gedanken Weiszäckers das Subjektive in die Naturwissenschaften, die sich ja eigentlich als rein objektiv gerieren, hineingebracht. Und wie? Indem er auf den einfachen Umstand hingewiesen hat, dass jedwede durch naturwissenschaftlich Methoden erhobene Messwerte erst dann einen Mehrwert erhalten, wenn sie vom Subjekt, also vom Wissenschaftler oder der Wissenschaftlerin, kontextualisiert und interpretiert werden. Ebenso vollzieht sich jede Form der Wahrnehmung über das Schaltwerk „Bewusstsein“, das Informationen Bedeutung zuschreibt.
Mit dem vielzitierten Doppelspalt-Experiment und auch mittels vieler weiterer Experimente hat man sehr viel Evidenz darüber gesammelt, dass man beispielsweise nie zugleich Ort und Flugrichtung (Impuls) eines Quants messen kann (Heisenbergsche Unschärfe-Relation). Zudem hat eben jenes berühmte Experiment gezeigt, wie das Zwischenschalten einer informationsverarbeitenden Einheit (ein Mensch oder auch ein Messgerät) das Messergebnis verändert. Welches Ergebnis ist nun korrekt? Eben beide – ausgedrückt im sogenannten „Welle-Teilchen-Dualismus“. Die wahre Natur eines Quants bleibt uns immer verborgen, weshalb man in der Quantenphilosophie von Wahrscheinlichkeiten oder Potenzialen spricht.
Eine Wahrscheinlichkeit ist nun aber eben nicht das, was man Exaktheit nennt. Exaktheit meint „Ja“ oder „Nein“. Wahrscheinlichkeit meint „Vielleicht“. Darum spricht Warnke hier von „Philosophie“, weil die eigentliche Wahrheit ist, dass man das wahre Wesen, Positionen und Geschwindigkeit, von Quanten bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollumfänglich messen kann. Jetzt fragt man sich vielleicht, was haben sie denn dann die ganze Zeit gemessen?

Raum, Energie und Materie
Bevor ich über Zusammenhänge oder konkrete Messergebnisse spreche, muss zunächst einmal geklärt werden, was denn meinem Verständnis nach gemäß der Quantenphilosophie unter Energie beziehungsweise Materie und dem „Raum“ verstanden wird.
Stellt euch ein Zimmer in einer leergeräumten Wohnung vor. Diese Wohnung wurde von seinem Mieter verlassen und er hat alles, bis auf die Lampe, die gerade den Raum beleuchtet, in dem wir uns geistig befinden, mitgenommen. Der Raum ist leer. Die Rollläden des einzigen kleinen Fensters sind vollständig geschlossen, die Türe ebenfalls, zudem herrscht draußen finstere Nacht.

Ihr verweilt mit eurem geistigen Auge in diesem Raum. Jetzt löscht ihr das Licht. Was seht ihr?
Absolut nichts mehr. Es herrscht völlige Dunkelheit. Mit diesem Bild bekommt man eine Idee von dem, was in der Quantenphilosophie und auch in vielen mystischen und spirituellen Lehrgebäuden als „Raum“ bezeichnet wird. Der Raum ist absolut „leer“ von allem, was Masse hat. Wohl aber ist der Raum erfüllt von einer Energie, die lediglich als „Potenzial“ existiert. Darum nennt man sie manchmal auch „virtuelle Energie“, oder „Vakuum-Energie“. „Virtuell“ meint, dass nichts im physischen Sinne in Erscheinung tritt, bis ein Bewusstsein aus den Potenzialen eine Möglichkeit in die Materie bringt. Ihr könnte es euch wie Strom vorstellen, für den noch kein Kabel oder eine Steckdose, ein Handy oder irgendetwas, das wir damit laden wollen, existiert. Sobald wir aber eine Steckdose haben, kann der Strom für etwas genutzt werden. Das Bewusstsein ist also wie ein Zugang, ein Schalter, ein Umwandler, der die verfügbare Energie zu einer konkreten Gestalt bringt.
Neben dem Raum und der ihm innewohnenden „virtuellen Energie“ muss also nach der Annahme der Quantenphilosophen und aller spiritueller Lehren demnach ein allumfassendes Bewusstsein existieren, das sich wie ein unsichtbares Netz durch den Raum zieht, bis in den kleinsten Winkel des unendlichen Raums (--> Indras Netz der Juwelen: Über die Verbundenheit der Phänomene).
Dieses Bewusstsein tritt nun in Wechselwirkung mit der virtuellen Energie und es entstehen im leeren Raum plötzlich Quanten. Sie materialisieren sich buchstäblich aus dem „Nichts“, dem sogenannten „Vakuum“. Man konnte im Labor feststellen, dass im absoluten Vakuum ohne jeglichen intentionalen Einfluss von außen plötzlich wieder Quanten entstehen. Wie lässt sich das erklären?
Das sogenannte Welle-Teilchen-Paradoxon zeigt uns, das ein Quant sowohl als Welle, also als Frequenz bzw. Energie bzw. Information als auch als Teilchen bzw. massehaltige und damit quantifizier- und messbare und mit Kräften in Verbindung stehende Entität existieren kann. Bestimmte Wellen, das kennen wir beispielsweise im Zusammenhang mit atomarer Strahlung, durchdringen jede augenscheinlich noch so undurchdringliche Barriere. Sie durchziehen buchstäblich das gesamte Universum wie ein unaufhörlicher Klang, der so omnipotent ist, dass keine noch so schalldichte Mauer existiert, die diesen Klang bremsen kann.
Das sogenannte Doppel-Spalt-Experiment hat im Grunde gezeigt, dass der entscheidende Einflussfaktor, ob das Quant die Eigenschaften von Wellen oder von Teilchen aufweist, ein irgendwie geartetes Bewusstsein ist, das dieses Quant in den Fokus nimmt. Ist der Fokus, die Aufmerksamkeit, die Messung, der Versuch der Lokalisierung gegeben, kollabiert die Welle zu einem Teilchen und seine Flugbahn wird berechenbar. Ist kein gerichtetes Bewusstsein vorhanden, so geht das Teilchen wieder ein in die kollektive Wellenbewegung, in den ewigen unsichtbaren Tanz der Bausteine des Lebens.
Materie ist also energieärmere Energie. Bestimmten Energien, also Wellen auf verschiedenen Frequenzen, werden mittels des Akts der Bewusstseinslenkung festgesetzt und in eine bestimmte Form gegossen. Du magst jetzt vielleicht denken: „Wenn ich aber die Augen schließe und nichts sehe, ist es doch trotzdem alles da.“ Oder „Heißt das, ich kann mir eine Kugel Eis wünschen, und sie entsteht aus dem Raum?“ oder auch „Wenn ich irgendwo hinfahre, wo ich noch nie vorher war, woher bekommen dann die Dinge ihre Form, wenn ich doch keinerlei Wissen über ihre Gestalt habe?“

Ich-losigkeit
Und spätestens bei diesen oder ähnlichen Fragen kracht unser durch ein materialistisch geprägtes Weltbild und damit unser Ego an die Grenzen des sinnlich Erfassbaren und damit an die Grenze von „Wissen“ und „Glauben“. Wir glauben zu wissen, was wir sehen, hören, fühlen und schmecken. Immer mehr glauben wir auch zu wissen, was wir uns bloß denken. K.I.-generierte Fake-News und Graphiken, Fakten-Checker, Nachrichten und Autoritäten, sie machen sich diesen Umstand zu Nutze und schmieden die Welt nach ihren Vorstellungen und somit wird sie auch unsere Realität.
Spirituelle Traditionen haben das schon vor tausenden Jahren erkannt und so haben sie viele, viele hunderttausende Verse und Seiten mit Anleitungen, Erläuterungen, Geschichten, Berichten, Zitaten und Weisheiten gefüllt, einzig in der letztendlichen Absicht, all diese dem individuellen Ego entspringenden Fragen passende Antworten zu geben, die diese Fragen nicht einfach nur klären, sondern auch Schritt für Schritt den Urgrund dieser Fragen austrocken – das Ego.
Das „Ego“ ist das Ergebnis eines dauerhaften Gefühls des „Getrenntseins“. Getrennt von was? Getrennt vom oben erläutertem Raum, der ihm innewohnenden Energie und dem alles durchdringenden Bewusstsein. Verwirklicher, Nonnen und Mönche, Priester und Schamanen verbringen deshalb viele Stunden in Zurückgezogenheit, weil uns Interaktion mit anderen Menschen dazu verleitet, den Dualismus als die „Realität“ anzunehmen. Sie schirmen sich ab, um sich in der Einsamkeit allem zu öffnen.
Wenn wir einmal auch nur anfangen zu verstehen, was es heißt, dass alle Phänomene, Mensch, Baum, Tier, Pflanze, Käfer, Sonne, Mond und Meere, aus dem Raum entstanden sind, aus derselben Energie von dem selben Bewusstsein geformt sind und durch das selbe Bewusstsein wahrgenommen und dann identifiziert werden, dann haben wir eine erste Idee davon, was mit dem Begriff „Ich-Losigkeit“ gemeint sein könnte.
Ohne ein grobes Verständnis von der „Ich-Losigkeit“, fällt es wirklich äußerst schwer, den ohnehin ziemlich rahmensprengenden und fundamentalen Aussagen der Quantenphilosophie zu folgen. Schließlich gehen wir dabei so tief, dass man nicht nur Äpfel mit Birnen, sondern auch Steine mit Schafen vergleichen kann. Inwiefern? Weil beide aus demselben Raum entstanden und aus derselben Energie durch dasselbe Bewusstsein gewoben wurden und beide irgendwann wieder dort hineingehen.
Und so erübrigen sich die Fragen, die ich weiter oben beispielhaft herangezogen habe, weil das Wörtchen „Ich“ sich mit dem Verständnis über die Ich-losigkeit als ein bloße Idee entlarvt, die vom individuellen Bewusstsein geschaffen wurden. Es ist nämlich nicht nur das individuelle Ich, dass Potenziale in die Wirklichkeit schaltet, es ist ein universelles Bewusstsein, dass sich sogar durch jede Zelle ausdrückt.

Die „wahre“ Wissenschaft
Die „Ich-losigkeit“ ist der erste Tod, den wir noch zu Lebzeiten sterben, wenn wir uns das erste Mal mit dieser Thematik tiefer auseinandersetzen. Dieser Vergleich ist wahrlich nicht übertrieben, denn sich selbst nicht als den Mittelpunkt der Welt zu sehen, funktioniert nur, wenn man sprichwörtlich an seiner „übersinnlichen“ Wahrnehmung arbeitet. Der Begriff „übersinnlich“ ist aber in den Köpfen der meisten bereits in den Bereich der Phantasie, des Voodoo, der Esoterik und des Magischen verabschiedet worden. Und damit beschäftigen sich ja nur Spinner und jeder, bzw. jede, der oder die ernsthaft noch den Köpfen auf den Schultern hat und an „echter“ Wissenschaft und „echter“ Bildung interessiert ist, lässt tunlichst die Finger davon.
Das ist der Faustische Irrweg des modernen Menschen, den schon Goethe im späten 18. Jahrhundert erkannte und in seinem weltberühmten Meisterwerk „Faust“ behandelte (--> Der Faustische Mensch). Alle großen Geister, die mehr als nur den eigenen Wissensbereich geistig begangen haben, klingen mit zunehmender Erkenntnis immer mehr wie Mystiker und Spirituelle:
„Das schönste und tiefste Gefühl, das wir erfahren können, ist die Empfindung des Mystischen. Es ist die Kraft aller wahren Wissenschaft. Zu wissen, dass das, was für uns unergründlich ist, wirklich existiert und sich selbst als die höchste Weisheit und die strahlendste Schönheit manifestiert, die wir mit unseren trüben Geisteskräften nur in ihren primitivsten Formen begreifen können – dieses Wissen, dieses Gefühl, steht im Zentrum wahrer Religiosität.“
Na, wer solls gesagt haben? Einstein natürlich. Ob es nun wirklich von Einstein stammt oder nicht, was sagt dieses Zitat aus? Es bezeichnet eine Empfindung, ein bloßes Gefühl über die Existenz dessen, was wir niemals mit herkömmlichen wissenschaftlichen Mitteln „verstehen“ und „verifizieren“ können, als die „Kraft aller wahren Wissenschaft“. Weiter beschreibt er unsere Fähigkeiten, Dinge wirklich zu begreifen, als „trüb“. Wenn etwas „trüb“ ist, kann es auch geklärt werden. Dies scheint mit den Mitteln der herkömmlichen Wissenschaften nicht zu funktionieren, da sie Ergebnis ebendieser trüben Geisteskräfte sind. Im letzten Satz identifiziert er darüber hinaus die Kraft aller wahren Wissenschaft mit dem Zentrum wahrer Religiosität. Religiosität, nicht Religion!
Deduktiv könnte man schließen, dass Wissenschaft nur wahr sein kann, wenn man sich über die Schranken des Faktischen, des „Ja-Nein-Denkens“ ((Quanten-)Physik) hinwegsetzt und sich dem „Gefühl“, der „Empfindung“ und damit dem „Vielleicht-Denken ((Quanten-)Philosophie) öffnet. Hier reichen sich Platon und Einstein, die Philosophie und Physik wieder die Hände.

Das Kollektive und das Individuelle
„Ja“ oder „Nein“, „ich“ oder „du“ – dieser Bewusstseinsakt vermittelt uns über unsere fünf Sinne das Gefühl von Abgrenzung. Wo Linien gezogen werden, werden aus dem „Raum“ Felder. Wir kreieren ein Feld um uns herum, indem wir Dinge im Außen identifizieren. Und so ergibt sich aus der Wahrnehmung über Entitäten im Außen in der materiellen Logik ein Selbst, das offensichtlich nicht das ist, was im Außen erkannt wurde. Es fällt schlicht leichter, zu sagen, was man definitiv nicht ist, als festzustellen, wer oder was man eigentlich wirklich ist.
Die Sinne vermitteln uns fortlaufend Reize, denen wir Bedeutungen beimessen, ihnen das Attribut „wahr“ zuschreiben und anschließend in unser System „Ich“ einbetten, es uns sozusagen „zu eigen“ machen. Je mehr wir unsere Sinne bedienen, desto stärker wird das Gefühl des „Getrenntseins“. Wir individualisieren uns immer weiter. Es ist schon lustig, dass das Wort „Individuum“ wörtlich so viel meint wie das „Ungeteilte“. Wir erschaffen uns ein Gefühl über ein „Ungeteiltes“, indem wir den kollektiven Raum immer feiner und kleiner aufteilen, messen, kategorisieren und beschriften. Wir zerwürfeln den unendlichen Raum und erhalten im Ergebnis ein Gefühl des „Ungeteilten“. Wir sind abgetrennt vom Gegenüber, mit ihm nicht verbunden, nicht im Austausch, allein – und diese Alleinsamkeit ist angeblich unteilbar? Welch fundamentaler Irrtum!
Experimente, wie auch immer diese auch aussehen mögen, sollen aber gezeigt haben, dass Quanten, waren sie auch nur ein einziges Mal in irgendeiner Form von Kontakt miteinander und anschließend räumlich für immer getrennt, sich analog zueinander verändern, wenn nur ein einzelnes der beiden manipuliert wird. Es scheint, als ob die beiden Quanten in einer räumlich unabhängigen ständigen Verbindung stehen, deren Kraft sich nicht verändert, egal wie groß der messbare Raum zwischen ihnen auch sein mag. Dazu wurden Laserstrahl-Experimente durchgeführt, die mein physikalisches Verständnis wahrlich übersteigen.
Auch wenn es nicht wirklich verstehe, fühle ich die Wahrheit dahinter. Wer kennt es nicht? Man hat ein unbestimmbares Gefühl im Zusammenhang mit einer Person, die einem nahesteht. Plötzlich klingelt das Handy oder eine Nachricht erreicht uns. Wir erleben unerklärliche „Zufälle“, die mit so Sprüchen wie, „so klein ist die Welt“ oder „Sachen gibt´s“ lächelnd abgetan werden, aber insgeheim bleibt da ein Gefühl. Ein Gefühl der Euphorie, der Ehrfurcht, oder – um es mit Einsteins Worten zu sagen – des Mystischen.
Die Idee geht noch weiter, ist noch größer. Sogenanntes „Wissen“, also „Informationen“ wie Erinnerungen oder „Allgemeinwissen“ ist nach dem Modell der Quantenphilosophie nicht lokal in unserem physisch präsenten Gehirn gespeichert, sondern wird über den energetischen Austausch mit dem kollektiven Bewusstsein, das „den Raum“ wie ein 11-dimensionales Spinnennetz erfüllt und durchdringt, mit einem individuellen Code „hochgeladen“ und kann von dort theoretisch jederzeit wieder erinnert, also „heruntergeladen“ werden. Sind wir hochgradig individualisiert, können wir lediglich eine sehr begrenzte Menge an Information, die den eigenen Code oder einer dem eigenen Code sehr eng verwandten Codierung tragen, heruntergeladen werden.
Öffnen wir unser individuelles Bewusstsein dem Kollektiv, klinken wir uns sozusagen ein in den kollektiven Strom der geteilten Informationen, erfahren wir Bilder und erhalten Informationen, die nicht wir selbst in das Kollektiv eingegeben haben, sondern von irgendeinem Ort aus irgendeiner Zeit stammen. Ich habe es selbst schon mehrfach während Meditationen und Atemübungen am eigenen Leibe erlebt.
Es geht noch weiter. Die Praxis der Meditation, deren Ziel es ist, den Einklang des vermeintlich Individuellen mit dem Kollektiv zu spüren und darin zu verweilen. Praktizieren wir das über eine lange Zeit, tragen wir diesen Zustand aus dem Moment der aktiven Meditation in den Alltag immer mehr hinein und so verschwimmt langfristig die Grenze des meditativen mit dem des alltäglichen Bewusstseinszustands. Wir erweitern sozusagen dauerhaft die uns zur Verfügung stehenden Informationen, die wir nicht zwangsläufig über unsere eigenen 5 Sinne in das Kollektiv selbst hochgeladen haben, sondern stärken damit das, was man Intuition nennen könnte. Diese Form der Intuition ist nicht einfach nur Lebenserfahrung und das damit gesteigerte Vermögen, bestimmte Situationen besser einschätzen oder uns bestimmte Dinge über den logischen Verstand herleiten zu können; es ist eine tiefergehende Gewissheit, die direkt aus der „Cloud“ stammt, mit der wir in immer aktiverer Verbindung stehen.

Zusammenfassung
Erwartungsgemäß konnte dieses Thema hier nicht abschließend behandelt werden, zumal ich das oben erwähnte Werk Warnkes noch nicht einmal zur Hälfte durchgearbeitet habe. Um welches Buch handelt es sich?
„Diesseits und Jenseits der Raum-Zeit-Netze“ von Ulrich Warnke
Dieses umfassende Werk bietet einen sehr tiefen Einblick in die Welt der modernen Physik und schlägt die für mich so entscheidende Brücke zwischen der Welt der „Wissenschaften“ und der Welt der „Spiritualität“. Warnke zeigt wissenschaftlich fundiert, wie diese beiden Welten schlicht nicht zu trennen sind und eben nur zwei Perspektiven auf die selbe Sache darstellen.
Zusammenfassend wollte dieser Beitrag eine erste Idee davon vermitteln, das dieses sogenannte „Ich“ nur eines von vielen „Gucklöchern“ für das kollektive Bewusstsein darstellt, das mit unzähligen Augen sich selbst durch unzählige Gucklöcher erblickt und damit fortlaufend selbst erschafft. Wir, jeder für sich, ist ein Medium für den universellen Geist, und damit nicht mehr oder weniger Wert als jedes andere Leben in dieser sichtbaren Welt. Wir können uns diesen Umstand versuchen, wie in diesem Beitrag Kraft unseres Verstandes gedanklich zu verstehen.
Mit Methoden wie den vielgestaltigen Meditationsanleitungen oder bewusstseinserweiternden Mitteln können wir diesen Umstand aber auch direkt erfahren und erspüren. Und das ist das Wunderbare. Beides sind Wege, dieselbe Sache zu erfahren. Man suche sich den eigenen Ansatz selbst aus. Aber eines steht fest: die Sache, als das Leben, das Universum selbst, ändert sich dadurch nicht, es stellt sich uns lediglich immer anders und immer neu dar. In unerschöpflicher Kreativität, unzerstörbar und ewig neu entstehend.
von Marco Lo Voi
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