Eilmeldung: Studie macht Schlagzeilen

Wirbel um den Ursprung des Corona-Virus

Jüngst wurde eine Studie von einem renommierten Wissenschaftler veröffentlicht, die nochmals der wichtigen Frage nachgeht, woher das Corona-Virus nun stammt. Prof. Dr. Prof. E.h. Dr. h. c. Roland Wiesendanger publiziert seit 1993 regelmäßig und hat insgesamt schon über 600 wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. Zudem wurde er bereits mehrere Male mit verschiedenen wissenschaftlichen Auszeichnungen geehrt und ist sogar seit 2000 Mitglied der „Leopoldina“ (Stand 2019).

Außerdem ist er Mitglied in der Hamburger Akademie der Wissenschaften. Wikipedia schreibt dazu: „Der Akademie gehören herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem norddeutschen Raum an. Ihre Aufgabe ist es, in eigener Arbeit und in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen des In- und Auslandes fächerübergreifende Forschung zu intensivieren und die Sichtbarkeit der Wissenschaftsregion Norddeutschland zu stärken.“ (Quelle)

Die Akademie zeichnet sich also dadurch aus, Erkenntnisse aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen zusammenzuführen, um daraus für die Gesellschaft nützliche und verständliche Erkenntnisse zu gewinnen. Prof. Dr. Wiesendanger ist vor allem Physiker, arbeitet aber stets in Gruppen mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Forschungsbereichen zusammen. Genau das ist Sinn und Zweck der Akademien der Wissenschaften.

In diesem Sinne hat er besagte Studie zum Ursprung des Corona-Virus durchgeführt, die gerade in zahlreichen deutschen Medien thematisiert wird. Hier ein paar Beispiele:

https://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Universitaet-Hamburg-Corona-war-wohl-ein-Laborunfall-in-Wuhan

https://www.focus.de/gesundheit/coronavirus/kommt-aus-labor-in-wuhan-uni-professor-veroeffentlicht-studie-zu-corona-ursprung-und-erntet-boese-kritik_id_12998230.html

https://www.bildderfrau.de/familie-leben/article231605921/Hamburger-Nanowissenschaftler-ist-ueberzeugt-Corona-stammt-aus-Labor.html

https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_89500308/ursprung-der-corona-pandemie-war-es-doch-ein-laborunfall-.html

https://kurier.at/politik/ausland/kam-corona-doch-aus-dem-labor-kritik-an-neuer-studie/401193256

Kritik an der Studie

Natürlich steht diese Arbeit unter starker Kritik. Die Medien geben dabei einfach Aussagen angeblicher Experten wider. Dies macht deutlich, dass vermutlich viele Journalisten und Journalistinnen nicht die Zeit oder nicht das nötige Verständnis (oder beides) haben, um sich selbst ein Bild von der Studie zu machen.

Ich habe mir die Studie angesehen, die unter diesem Link für jede und jeden zugänglich ist:

https://www.researchgate.net/publication/349302406_Studie_zum_Ursprung_der_Coronavirus-Pandemie

Bevor Sie weiterlesen, empfehle ich Ihnen, sich die Studie selbst einmal durchzulesen. Die zahlreichen Beweise sind natürlich größtenteils auf Englisch und noch dazu im Wissenschaftsjargon, die Schlussfolgerungen und das Fazit Wiesendangers sind jedoch in deutsch verfasst und aus meiner Sicht für jede und jeden, der sich ein bisschen Zeit nimmt, verständlich. Zur Übersetzung der englischen Quellen empfehle ich wie immer die Software DeepL.

Wer eine halbwegs haltbare Meinung dazu haben möchte, dem rate ich, zumindest die Seiten 1-10 und die Seiten 83-90 durchzulesen. Natürlich wäre es besser, sich die ganze Studie anzusehen.

Kritisiert wird die Studie unter anderem, weil Wiesendanger „Youtube-Videos“ und „Twitter-Kanäle“ als Beweismittel hinzuzieht. Außerdem sei er „fachfremd“ und kein „Viren-Experte“. Zudem sei „Research-Gate“, wo die Studie veröffentlich wurde, ja kostenlos, für jeden frei zugänglich und kein Printmedium. Außerdem nutze er „alte“ Erkenntnisse.

Sämtliche Kritikpunkte lassen sich aus meiner Sicht sehr leicht auflösen: Ja, es stimmt, dass Wiesendanger „Youtube-Videos“ und „Tweets“ hinzuzieht. Allerdings sind dies nur ergänzende Hinweise neben einer wirklich beeindruckenden Anzahl an tatsächlichen und durch und durch wissenschaftlichen Arbeiten, die er an wenigen Stellen als anschauliche Erhärtung seiner Argumentation heranzieht. Außerdem sind die Informationen aus besagten sozialen Medien nur eben dort zu finden.

Zudem ist es ja auch heute völlig normal, dass auch die Tagesschau sowie andere Leitmedien und sogar moderne wissenschaftliche Arbeiten mit Internetquellen arbeiten. Das ist zwar nicht von allen konservativen Wissenschaftlern gern gesehen, aber durchaus nicht außergewöhnlich. Zudem sind „Tweets“ inzwischen anerkannte Äußerungswege der mächtigsten Menschen der Welt und damit zitierwürdige Belege. Man denke nur an die zahlreichen Tweets von Trump, die uns ja ständig um die Ohren gehauen wurden.

Das Argument der „Fachfremdheit“ ist dahingehend aufzulösen, indem, wie bereits erwähnt, berücksichtigt wird, dass diese Arbeit ja auch keine infektiologische, keine virologische und keine statistische Arbeit ist, sondern eine Art „Metastudie“, die eher eine kriminalistische Beweisführung darstellt, zu der jeder wissenschaftlich arbeitende Mensch in der Lage wäre. Es lässt sich kaum abstreiten, dass Wiesendanger ganz offensichtlich weiß, wie man Wissenschaft betreibt. Außerdem hat er direkten Zugang zu und Austausch mit Wissenschaftlern aller Fachbereiche, die ihm mit ihrer nötigen Expertise zur Verfügung stehen.

Über Research-Gate zu veröffentlichen, ist außerdem heutzutage absolut gängige Praxis. So gut wie jede und jeder zeitgemäß arbeitende Wissenschaftler/in hat dort einen Account (sogar ich hab dort einen Account). Research-Gate ist eine praktische Plattform, auf der sich Wissenschaftler der ganzen Welt schnell und einfach vernetzen und Austauschen können. Man kann dort forschungsrelevante Fragen an die Community richten und wissenschaftliche Arbeiten sehr leicht für alle Menschen zugänglich machen. Genau diesem Prinzip hat sich ja die Akademie der Wissenschaften in Hamburg verschrieben. Wiesendanger hat vermutlich diesen Weg gewählt, um unbürokratisch und frei zugänglich diese wichtige Arbeit zu veröffentlichen.

Zu kritisieren, dass er „alte“ Erkenntnisse verwende, ist absurd. Er bezieht sich schließlich auf die Chronologie der Suche nach dem Ursprung des Corona-Virus. Da muss er ja zwangsläufig mit den ersten Erkenntnissen um das Virus beginnen, um dann Schritt für Schritt aufzuzeigen, welchen Weg der Erkenntnisprozess genommen hat. Es ist also Teil seiner Methodik, von den ältesten Befunden zu den jüngsten Erkenntnissen zu gehen.

Zu den Kernargumenten der Studie

Im Folgenden beziehe ich mich stets auf die besagte Studie Wiesendangers und gebe bei Zitaten und Belegen jeweils nur noch die Seitenzahlen an. Prof. Dr. Wiesendangers These lautet: Das Corona-Virus Sars-CoV-2 stammt aus dem „Wuhan National Biosafety Level 4 Lab„.  In der Studie stellt er die Beweisführung der sogenannten „Wildtiermarkt-Theorie“ den von ihm zusammengetragenen Hinweisen zur „Laborunfall-Theorie“ gegenüber. Im Vorwort zu der Studie schreibt er folgenden wichtigen Absatz:

„Bis heute gibt es keine wissenschaftlich basierten strikten Beweise für eine der beiden genannten Theorien. In einer solchen Situation sollten Wissenschaftler – unabhängig von der jeweiligen Fachrichtung – eine neutrale Haltung einnehmen und eine ergebnisoffene Diskussion bis zur endgültigen Klärung der entscheidenden Frage nach dem Ursprung der Pandemie führen.“
(Quelle: S. 6)

Damit macht er deutlich, dass er mit dieser Arbeit einen Beitrag zum Diskurs um diese Theorien liefern möchte und seine Ansicht zu diesen beiden Theorien der Meinungsbildung der Forschungsgemeinde zur Verfügung stellt. Ganz im Sinne der wissenschaftlichen Tradition.

Um die Laborunfall-Theorie, die er favorisiert, zu untermauern, liefert er folgende Hauptargumente:

1. Infektiosität von Corona-Viren und Forschungsaktivitäten in besagtem Labor

Corona-Viren, die von Fledermäusen stammen, führen für gewöhnlich nicht so einfach zu Infektion beim Menschen und vor allem nicht mit den beim Sars-CoV-2-Virus festgestellten Ausprägungen.

Dieses Argument ist von besonderer Schwere, weil eben jenes Labor in Wuhan seit Jahren an Corona-Viren forscht. Unter anderem wird in eben jenem Labor sogenannte „gain-of-function“-Forschung durchgeführt, die das Ziel hat, „natürlich vorkommende Viren durch Genmanipulation für den Menschen ansteckender, gefährlicher und tödlicher zu machen“ (S. 50).

Auf den Seiten 51 bis 73 zeigt Wiesendanger dann umfangreich auf, dass es in der Tat schon lange eine breite Debatte um diese Art Forschung gibt. Die Gefahr eines Unfalls und einer damit einhergehenden Epidemie oder gar Pandemie wurde bereits früh benannt.

Baum

2. Ein wesentlicher Anteil der Corona-Patienten hatten keinen Kontakt zu besagtem Wildtiermarkt

Wiesendanger zeigt anhand von chinesischen Laborberichten und Zeitungsmeldungen auf, dass 34% der ersten festgestellten Corona-Patienten gar keinen Kontakt mit dem „Huanan seafood market“ hatten. Dies ging unter anderem aus den Berichten der behandelnden Ärzten hervor, die die Patienten befragt hatten (vgl. S. 11).

Bäume

3. „Patient 0“ war höchstwahrscheinlich Wissenschaftlerin in besagtem Labor

Bei der Rückverfolgung der Infektionskette des Virus zeigten erste Hinweise bereits früh auf die chinesische Wissenschaftlerin „Yanling Huang“, die seit 2012 an besagtem Labor beschäftigt war, wo sie auch mehrere Arbeiten veröffentlichte.

„Seit Ende 2019 gilt sie als verschwunden und ihr Foto und ihr Profil wurden auf der Institutswebseite gelöscht (ebenso wie ihre persönliche Webseite)“.
(S. 24)

Auf den Seiten 24 bis 28 liefert Wiesendanger Bild- und Internetbeweise, die aufzeigen, dass es besagte Wissenschaftlerin gegeben hat und dass sie als verschollen gilt und Hinweise auf sie teilweise entfernt wurden.

4. Auf dem „Seafood-Market“ gab es angeblich gar keine Fledermäuse

Nach Wiesendanger wurden auf besagtem „Fischmarkt“ gar keine Fledermäuse angeboten. Er argumentiert zudem, dass es eine sehr alte Tradition in China sei, Wildtiermärkte abzuhalten, von denen bisher offensichtlich keine solche Pandemie ausgegangen sei.

Wenn man dazu bedenkt, dass in besagter Stadt ein Labor steht, das seit Jahren an genetisch mutierten Fledermausviren forscht, dann erscheint es kurios, dass ein Fischmarkt und nicht ein Labor, das eben jene Viren gezielt herstellt, zum Epizentrum erklärt wird. Außerdem ließ die chinesische Regierung sowie die WHO zu keinem Zeitpunkt eine anderslautende Theorie zu (vgl. S. 10 & 24).

Dieses Argument ist aber nicht sonderlich wichtig, da inzwischen offiziell verlautbart wurde, dass zwischen Fledermaus und Mensch ein „unbekanntes Zwischenwirtstier“ existieren muss. Dieses „Zwischenwirtstier“ wurde aber bei der WHO-Untersuchung in China nicht gefunden (vgl. S. 6 & 10-11).

5. Sicherheitsmängel in besagtem Labor seien seit Längerem bekannt

Das besagte Labor ist eine Hochsicherheitseinrichtung der obersten Stufe. Allein diese Tatsache zeigt, dass dort äußerst gefährliche Forschung betrieben wird.

Die bereits erwähnte „gain-of-function-Forschung“ wurde sogar für derart gefährlich eingestuft, dass sie von der Obama-Regierung in den USA verboten wurde (vgl. S. 59). Die Forschungsaktivitäten wurden jedoch „nicht eingestellt, sondern weitgehend durch die Kooperation mit der Forschergruppe um Zheng-Li Shi an das ‚Wuhan Institute of Virology‘ ausgelagert [IV.17]. Dies geschah im Wissen und im Einvernehmen mit dem NIAID-Direktor Dr. Anthony Fauci“ (S. 63).

Berichte über Sicherheitsmängel und bereits in der Vergangenheit vorgekommene Viren-Unfälle seien gut dokumentiert (vgl.  S. 74-82).

5. Bereits frühe Hinweise auf Störungen im Laborbetrieb

Bei der Analyse von Handynutzungsaktivitäten konnte bereits im Oktober eine Unterbrechung des Laborbetriebs und Absperrungen rund um das Einrichtungsgelände festgestellt werden. Außerdem seien in eben jenem Monat schon Krankheitsfälle mit Todesfolge im Umkreis um das Labor registriert worden sein (vgl. S. 78).

Trotzdem beharrt die chinesische Regierung und zuletzt auch das Forschungsteam der WHO darauf, den Verdacht um das Labor als Ursprungsort endlich fallen zu lassen.

Ebenfalls soll es bei nachträglichen Untersuchungen in Frankreich bereits im November 2019 zu Nachweisen des Virus in den Lungenaufnahmen eines Corona-Patienten gefunden worden sein (vgl. S. 13).

Zwei Personen neben einem Baum - Schwarz-Weiss

Fazit

Wiesendangers Fazit ist meines Erachtens fast noch brisanter und aufschlussreicher als seine gesamte Beweisführung. Darum möchte ich hier einen wesentlichen Abschnitt zitieren und damit auch diese Eilmeldung beschließen. Die Bewertung der obigen Ausführungen überlasse ich den geneigten Leserinnen und Lesern:

„Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang jedoch stellt, ist, inwieweit diese positive Entwicklung [Anm. d. Autors: wachsendes Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft] aus Sicht der Wissenschaft gefährdet sein könnte, wenn der Ursprung der Coronavirus-Pandemie keine Zoonose (und damit vergleichbar einer Naturkatastrophe), sondern ein biotechnologisches Labor eines wissenschaftlichen Instituts für Virologie der Stadt Wuhan in China wäre, wie in dieser vorliegenden Studie als wahrscheinlichstes Szenario dargelegt und begründet wurde. Wie würde sich die Stimmungslage in der Bevölkerung in Deutschland, aber auch weltweit, verändern, wenn die gegenwärtige weltweite Krise nicht die Folge eines Zufalls der Natur – einer zufälligen Mutation eines Coronavirus einer Fledermaus unter Mitwirkung eines Zwischenwirtstieres – wäre, sondern das Resultat einer Unachtsamkeit eines Wissenschaftlers bzw. einer Wissenschaftlerin bei der Durchführung hoch risikoreicher Forschung mit weltweitem Pandemie-Potential [IV.26]?

Würden nicht verstärkt Fragen nach der Verantwortung der Wissenschaft angesichts der Dimension der gegenwärtigen weltweiten Katastrophe aufkommen? Würden nicht Forderungen nach einer sofortigen Einstellung solcher Art von Forschung erhoben werden? Wie viele wissenschaftliche Labore weltweit müssten befürchten, in Folge des gewaltigen öffentlichen und politischen Drucks geschlossen zu werden? Wäre dies ein Szenario, welches ggf. von der Wissenschaft selbst ausgeschlossen werden müsste? Welchen Einfluss hätte dies auf die erforderliche Klärung der wichtigen Frage nach dem Ursprung der Coronavirus-Pandemie? Kann die Wissenschaft selbst in dieser Frage ergebnisoffen bleiben? Gibt es Anzeichen dafür, dass sie dies schon seit geraumer Zeit nicht mehr ist? “
(S. 83 – 84)


von Marco Lo Voi

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