Italienische Reise Teil 1

Die Blaupause

Deutschland. Einstmals das Land der Dichter und Denker. Allen voran ist dieser schmeichelhafte Titel einem Mann zu verdanken: Johann Wolfgang Goethe. Abiturientenschreck, göttlicher Dichter, unerreichtes Vorbild und epochaler Wegweiser der Weltliteratur.

Jeder, der sich für die deutsche Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts interessiert, jeder, der Deutsch und/oder Literaturwissenschaft studiert, jeder, der sich für Deutsche Geschichte interessiert, wird früher oder später auf die Werke Goethes stoßen. Seine dichterische Größe wird vermutlich nur noch durch das Ausmaß an Sekundärliteratur zu seiner Person und seinen Werken übertroffen.

Ich gebe zu, anfangs ging es mir natürlich wie es fast jedem Abiturienten geht, der seine Deutschprüfung ablegen muss. Die staubigen Schinken längst toter Männer und Frauen, die weder inhaltlich, noch sprachlich in unsere heutige Zeit passen, sind mühsam und Kosten viel Geduld. Obwohl ich schon immer ein begeisterter Leser war, fiel auch mir anfangs der Zugang zu unserem werten Goethe und seinen Zeitgenossen schwer.

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Türen

Beschäftigt man sich jedoch außerhalb der von außen auferlegten Schulpflicht mit den Werken dieser großen Männer und Frauen, dann zieht leise Erkenntnis in unseren Denkapparat ein – insofern dieser auch aktiv genutzt wird. Im Zuge meines Studiums der Deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft wurde mein Blick für das innere Wesen literarischer Werke geschärft.

Zuvor war ich unfähig zu sehen und darum auch zu verstehen. Ein Beispiel: es kommt nicht selten vor, dass Kinder, die eine vermeintliche Leseschwäche aufweisen, schlicht zu schlechte Augen haben, was hin und wieder erst in späteren Jahren bemerkt wird. Sie erhalten eine Sehhilfe und zack! sehen sie klar. Ihnen wird eine Tür eröffnet, die zuvor fest verschlossen war. Es lag also nicht an ihrer Unfähigkeit, nein, es lag an einem Umstand –  und Umstände sind wandelbar. So ist es mit allem. Erst wenn wir unseren Blick für die Dinge schärfen, können wir uns an ein klares Bild davon annähern.

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Faszination Goethe

Das erste Werk, dass ich von ihm vollständig gelesen habe, war seine „Iphigenia auf Tauris“. Ein geschlossenes Drama, dass sich um eine ideale Heldin dreht, die zwischen Heimweh und Pflichtgefühl hin und hergerissen ist. Zugegeben, damals hielt sich meine Begeisterung noch in Grenzen.

Erst sein „Faust Teil 1“, indem der hochgelehrte Dr. Faust mit dem Teufel einen Bund eingeht, um die wirkliche Welt kennenzulernen, abseits von Büchern, nüchternem Wissen und kalter Logik. In diesem und vor allem im „Faust Teil 2“, sind bereits so viele Lebensweisheiten und versteckte Philosophien enthalten, von denen ich selbst nur einen kleinen Teil verstanden habe.

So gebe ich offen zu, dass ich bei „Faust Teil 2“ wirklich so gut wie nichts verstanden und mich stattdessen mehr auf die Wortgewalt Goethes und den Klangfarben seiner Silben konzentriert habe. Denn das ist die Kunst: einen komplexen Inhalt in eine dichterische Form zu gießen und diese dichterische Form über alle Maßen kunstvoll auszuarbeiten.

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Schwärmerei

Ja es stimmt, ich schwärme wie ein Fanboy vom werten Goethe. Denn vor allem ein Werk, dass ich leider nur als Hörbuch rezipiert habe, hat mich letztendlich von seiner umfassenden Weisheit überzeugt.

„Wahlverwandschaften“ liest sich wie eine umfassende Studie zwischenmenschlicher Beziehungen. Es geht vielen Dingen auf den Grund. Im Zentrum steht allerdings die Frage, ob persönliche Neigungen und Wünsche oder gesellschaftliche Konventionen schwerer wiegen, ob Vernunft oder Gefühl der moralische Kompass des Menschen sein soll und wie komplex ein Verhältnis zwischen Menschen wird, sobald tiefere Zuneigung entsteht und was daraus erwachsen kann.

Menschen - Sillhouetten

Auf Goethes Spuren

Neben meinem Hauptfach Deutsch, studierte ich nebenher auch die italienische Sprache und Literatur. Dort thematisierten wir, wie zahlreiche Dichter und Denker des 17. und 18. Jahrhunderts Italien bereisten, um von der dortigen Kultur, Literatur, Theater und Musik zu lernen und sich inspirieren zu lassen. Und so kam es, dass um 1780 Goethe sich ebenfalls auf große Reise durch italienische Gefilde begab. Am 3. September 1786, um 3 Uhr in der Nacht floh er aus Weimar, ohne sich von jemandem zu verabschieden.

Seine Erlebnisse hielt er akribisch in Briefen an seine Freunde, allgemeinen Beobachtungen, Notizen und Zeichnungen fest. Diese Dokumente wurden zu einem ansehnlichen Werk zusammengefasst, das heute als „Italienische Reise“ bekannt ist. Zum Zeitpunkt seiner Reise war Goethe schon ein bekannter Schriftsteller. „Die Leiden des jungen Werther“ waren dabei sein literarischer Durchbruch.

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Als ihn jedoch die kreative Schöpfungskraft drohte abhanden zu kommen, floh er kurzerhand ins warme Italien und arbeitete dort unter anderen an seiner „Iphigenia“, am“Tasso“ und an seinem „Faust“. Er beschreibt seine Reise als eine Art „Wiedergeburt“ und die Begeisterung ist deutlichen in seinen Briefen spürbar.

Dieser Reisebericht, meine eigene Abstammung und mein Studium haben mich zu dem Entschluss gebracht, mich selbst auf die Reise durch Italien zu begeben. Dabei orientiere ich mich an der Route Goethes, werde jedoch einige Abstecher einlegen. In unserer modernen Zeit benötigen wir keine Tagesreise mehr zur nächsten Ortschaft und so hoffe ich in rund 50 Tagen bis nach Palermo zu kommen.

Zwei Personen neben einem Baum - Schwarz-Weiss

Offline

Ich werde die Zeit auf der Reise ebenfalls nutzen und mich literarisch betätigen, allerdings wird das Ganze wieder klassisch offline geschehen. Aus diesem Grund wird in nächster Zeit kein Beitrag mehr auf meinem Blog erscheinen. Wenn ich wohlbehalten zurückkehre, erwartet euch jedoch selbstverständlich ein ausführlicher Reisebericht.

In diesem Sinne: Geduld und Vorfreude auf das was kommen mag!


Von Marco Lo Voi

Here you find the english translation!

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