Die Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorien

Crowd kneeling before a glowing celestial display inside a grand cathedral

Moralisch-spirituelles Dilemma

In einem Podcast mit Rüdiger Lenz hat der Therapeut und Kampfsportler neben anderen interessanten Gedanken unter anderem die Friedensbewegung in Deutschland dahingehend kritisch beleuchtet, sie sei im Eigentlichen keine wirkliche „Friedens-“ sondern vielmehr eine „Anti-Kriegs“-Bewegung. Prominente Namen wie Daniele Ganser würden in ihren Vorträgen sehr viel Zeit und Energie in die Analyse großer Konflikte und Probleme investieren, ohne dabei eine wirkliche Friedensvision zu entwickeln. Deshalb habe er sich aus dem Beobachten des täglich Politgeschehens zurückgezogen und widme sich mehr einer friedlichen Ausrichtung.

Er führte aus, wie der Fokus auf die negativen Dinge wie Propaganda, Krieg und gesellschaftliche Probleme wie Straßengewalt und Kriminalität diese Dinge mit weiterer Energie fördere. „Where attention goes, energy flows“ heißt es in modernen spirituellen Lehren, was so viel heißt, wie: „Wohin ich meine Aufmerksamkeit richte, dorthin fließt auch meine Energie.“ Dieser Ausspruch mag gleich esoterisch anmuten, lässt sich aber durch einfache Alltagsbeispiel praktisch illustrieren: Wenn ich beispielsweise nur eine einzige Zimmerpflanze habe, und meine komplette Freizeit damit aufwende, ihr die bestmögliche Pflege angedeihen zu lassen, wird sie sich schön und schnell entwickeln. Gleiches gilt für die Kindererziehung. Wenn ich meine Tochter oder meinen Sohn vernachlässige, lieber fernsehe oder mich in die Arbeitswelt stürze, dann wird sich eher nachteilig auf die Eltern-Kind-Bindung und damit auf die gesamte geistige und körperliche Entwicklung auswirken. Wenn ich meinem Nachwuchs jegliche mir innewohnende Liebe angedeihen lasse, wird sich das Kind seiner Natur nach gesund entwickeln. Das liegt für mein Dafürhalten auf der Hand. Und nichts anderes meint dieser Ausspruch.

Gleiches gilt aber auch für die eigene körperliche Verfassung. Wenn ich Schmerzen verspüre und mich auf diesen Schmerz konzentriere, scheint er zuzunehmen. Lenke ich mich hingehen ab, scheint er urplötzlich zu verschwinden. Experimente mit Meditationserfahrenen haben gezeigt: Schmerzempfinden hängt im Wesentlichen von der Ausrichtung des Bewusstseins ab (Quelle). Hier zeigt sich, wie die psychische und die physische Ebene miteinander verflochten sind. Wenn man aber nicht nur die materielle, die körperliche und die psychische Ebene in Betracht zieht, sondern auch die „feinstoffliche“, die „spirituelle“, die „geistige“ Dimension berücksichtigt, gilt auch hier dasselbe. Ein einfaches Beispiel, das vermutlich jede und jeder kennt: Wenn ich mit schlechter oder bedrückter Laune durch den Tag gehe, scheinen mir die meisten Menschen unsympathisch zu begegnen und es passieren tendenziell eher unglückliche Dinge oder man findet sich in seltsamen Situationen wieder. Wenn man jedoch gut gelaunt durch den Tag geht, wirkt das eigene Umfeld plötzlich freundlich und man begegnet mehr glücklichen „Zufällen“.

Jetzt könnte man sagen: Ja, wenn ich positiv gelaunt bin, dann fokussiere ich die positiven Dinge und nehme sie besser wahr, genauso bei schlechter Laune umgekehrt. Könnte man so sehen und es stimmt sicher auch zu einem gewissen Teil. Wenn man aber um die hermetischen Gesetze weiß und auf deren Basis, „das Gesetz der Anziehung“ hinzuzieht, dann weiß man auch: Mir begegnet tendenziell das, was ich in meine Umwelt ausstrahle. Ist der Glückspilz also positiv gestimmt, weil er Glück hat? Oder hat er Glück, weil er positiv gestimmt ist? Der Mensch neigt bei solchen Ausführungen oft dazu, in eine radikal-dualistische Haltung zu verfallen und nach Aussagen wie diesen beispielsweise zu entgegnen: „Ich war auch schon schlecht gelaunt und hatte trotzdem einmal Glück, also ist das Gesetz der Anziehung esoterischer Mist.“ Aus einer „Schwarz-Weiss-Sicht“ mag dies stimmen. Nicht umsonst hege ich große Sympathien für den „Weg der Mitte“, was ein anderer Name für den auf Siddharta Gautama zurückgehenden Buddhismus ist, da die Wahrheit wie so oft eben dazwischen liegt, in der goldenen Mitte.

Ich führe all das nur deswegen aus, weil mein letzter Beitrag eine sehr ernste Thematik mit wenig rosiger Perspektive behandelt hat. Und die Gedanken von Rüdiger Lenz mich sehr nachdenklich gemacht haben. Im Bestreben der Aufklärung um die drohende große Kriegsgefahr, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wohl nie größer war als heute, muss man zwangsläufig von den gefährlichen Vorgängen in dieser Welt sprechen und schreiben. Doch fördert man dadurch, wenn man, so wie ich, davon überzeugt ist, dass unser individuelles Bewusstsein nur eine Ausformungen des kollektiven Bewusstseins ist, genau das, was man ja eigentlich verhindern möchte. Dadurch ergibt sich für mich ein fundamentales moralisch-spirituelles Dilemma, weil ich einerseits viel über die gefährlichen Entwicklungen für Deutschland, Europa und die Welt zu sagen hätte, gleichzeitig ja aber für den Frieden agieren möchte. Rüdiger Lenz würde jetzt entgegnen, dass Emotionen immer die Informationen schlagen werden. Also scheint es Makulatur, wenn ich hier ausbreiten würde, was ich an Infos gesammelt habe, da ein einziges emotionalisierendes Bild aus der Propaganda-Trickkiste der Meinungsmacher reicht, um bei den meisten Menschen jedwede Ration wie per Knopfdruck zu deaktivieren.

Woman reading German job notice beside laptop in café

Gedankenspiel und Manifestation

Mein überintelektualisierter Geist möchte sich dennoch den düsteren Gedankenspielen hingeben und so werde ich in diesem Beitrag auf die von mir so dramatisch titulierte Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorien eingehen. In den freien Medien, die leider auch nicht mehr so frei sind, wie sie es gerne wären, macht sich Frustration breit, da viele der großen Verschwörungstheorien sich heute so klar bewahrheitet haben und für die meisten Menschen mit einigermaßen vorhandenen Recherche-Fähigkeiten und einem gewissen Willen, das eigene Weltbild wenigstens ein bisschen zu hinterfragen, nachzuvollziehen sind, und dennoch keine merkliche Empörung zu verspüren ist. Wieso das so ist? Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze, wovon viele bestimmte Aspekte miteinander teilen, aber dann andere Aspekte stärker gewichten.

Ein Aspekt, der in vielen Erklärungen benannt wird, ist die Bequemlichkeit und der nach wie vor vorhandene Wohlstand der Mehrheit in der zentraleuropäischen Bevölkerung. Auch wenn die Mittelschicht dünner wird und überall Murren über zu hohe Preise in allen Sektoren zu vernehmen ist, bleibt es bei einem Murren und Murmeln. Der wirtschaftliche Abschwung kann wohl auch niemandem verborgen bleiben, doch Bürgergeld, Brot und Spiele stellt „den Pöbel“ noch ruhig. Ein weiterer Aspekt, und auch dieser wird in vielen Erklärungsansätzen aufgegriffen, ist die Gleichförmigkeit der „Mainstream-Medien“ bei den entscheidenden Themen. Diese entscheidenden Themen sind: „Russland ist der Feind“, „Die Ukraine muss den Krieg gewinnen“, „Donald Trump, Putin und Xi Ching Ping sind die Bösen“, „Die USA ist unser Freund“, „Die EU ist demokratisch“, „Alle Medien, die nicht Mainstream sind, sind unglaubwürdig und verdächtig“, „Die GEZ-Medien und die großen Verlagshäuser sind kritisch und neutral“ und noch einige Themen mehr, deren Aufzählung hier ermüdend wäre.

Neben diesen Aspekten ist der Faktor „Digitalisierung der Gesellschaft“ ebenfalls eine immer bestimmendere Größe. Seit meinem letzten Beitrag über das Thema K.I. hat sich die Nutzung und der Fortschritt vervielfacht. Inzwischen nutzen weite Teile der Gesellschaft K.I.-Tools für eine breite Palette an Aufgaben. Auch ich nutze hin und wieder Tools wie ChatGPT, um beispielsweise für meinen Unterricht neuen Input zu bekommen. Auch wenn ich kritisch mit diesem Werkzeug umgehe, weiß ich um dessen Nutzen. Wie jede Technologie kann sie zum Vorteil, aber auch zum Nachteil der Menschheit genutzt werden. Entscheidend bleibt: Der Mensch muss die Kontrolle über dieses Werkzeug haben. Wenn jedoch der Hund mit dem Menschen Gassi geht und nicht anders herum, dann haben wir die Kontrolle bereits verloren. Will meinen: Wenn nicht mehr ein denkender Mensch eine künstliche Intelligenz als Unterstützung nutzt, sondern der Mensch das Werkzeug K.I. nimmt, um selbst nicht mehr nachdenken zu müssen, also die K.I. das Denken an und für sich übernimmt, dann geben wir die Kontrolle über die letzte Bastion unserer persönlichen Freiheit preis: Unsere freiheitliche Gedankenwelt. Und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Passenger wearing earphones looks at a phone on a nighttime bus

Bewusstsein: Ein Ausdruck der Menschlichkeit?

In die Gesellschaft wird periodisch bereits über Jahrhundert eingeträufelt, der Mensch sei im Grunde ein zerstörerisches Wesen, in dessen Kern der Krieg schlummert. Dass ungefähr alle 100 Jahre ein großer Konflikt ausbreche, sei daher nur logisch. Nur wenige Individuen auf diesem Planeten seien von „erhabener“ Natur; seien „Übermenschen“, die bereits die Schwelle, die das Menschliche selbst ist, überschritten und vom Tier zum Übermenschen wurden. Man verglich sie mit dem Konzept von „Gott“ und idealisierte sie: Alexander der Große, Cäsar, Tutanchamun, Mutter Theresa, Jeanne D`Arc, und so weiter. Ich sehe das gänzlich anders, aber das soll jetzt nicht das Thema sein. Im Nietzsche’schen Sinne ist der „Übermensch“ aber ein Mensch, der sich von religiösen Konzepten befreit hat und rein moralisch und aus der Vernunft heraus das Menschliche in sich überwindet und neue eigene Maßstäbe setzt. Weiter unten werde ich näher darauf eingehen. Was ist jetzt aber das Menschliche?

Was macht den Menschen aus? Altern und Sterblichkeit ist nichts rein Menschliches, weil das schließlich auch für Tiere und Pflanzen gilt. Also muss es die komplexe Gefühlswelt sein, die mit dem Bewusstsein, was auch immer das sein mag, untrennbar vereint scheint. Sind Gefühle nun aber etwas rein Körperliches oder erstehen sie aus der reinen Gedanklichkeit heraus und finden im Körper ihren Ausdruck? Und haben Tiere vielleicht nicht auch Gefühle? Und genau bei diesen fundamentalen Fragen setzen Philosophie und als eine Erscheinungsform der Philosophie Spiritualität und im Nachgang dann die Religion an. Weil aber für die meisten Menschen diese Fragen nicht zu ihrer Alltäglichkeit gehören, bekommt der „normale“, der „einfache“ Mensch dann lediglich die fertigen Konzepte als „Tatsachen“ in Schulen, Universitäten und Medien serviert. Die Suche nach Antworten findet aber in anderen Kreisen statt.

Da wären beispielsweise die sogenannten „Think Tanks“, die Kirchen oder auch die „Epstein-Klasse“ zu nennen. Frank Höfer hat in seinem Buch „Das Brooklyn Projekt“ aufgezeigt, in welchen Dimension sich der Komplex „Epstein“ auch abspielte. Diese super einfluss- und geldmächtigen Menschen befanden – und befinden sich vermutlich noch immer – auf der Suche nach Antworten auf genau diese Fragen. Und die „Künstliche Intelligenz“ ist ein Kind dieser Suche. Die sogenannten Epstein-Files sind eine Sammlung aus E-Mail-Korrespondenzen mit Anhängen, die einen Ausschnitt aus einem Pool zeigen, der noch viel größer ist. Aus diesen Files geht nach Frank Höfer hervor, dass Jeffrey Epstein neben den viel diskutierten Sexualstraftaten in seinen Aktivitäten auch sehr große Geldmengen für die Erforschung der Künstlichen Intelligenz aufgewendet habe. Höfer geht sogar so weit, dass er behauptet, wir wären heute in Sachen K.I. nicht so in weit, hätte es Epstein und sein Netzwerk nicht gegeben.

Darüber möchte ich jetzt aber nicht weiter spekulieren. Neben der Erforschung der K.I. ginge es nach Frank Höfer in den Korrespondenzen auch immer wieder um die Frage nach dem Bewusstsein. Hierzu wurden in dieser Gesprächsrunde sehr interessante Gedanken geäußert: Die letzte Grenze: Wird KI den Menschen ersetzen? Die dort ausgeführten Gedanken sind sehr umfangreich und für diesen Beitrag muss ich es stark eindampfen. Im Wesentlichen wird dort diskutiert, was eigentlich das sogenannte Bewusstsein ist, und ob die K.I. irgendwann ein solches entwickeln oder zumindest widerspiegeln wird. Kurzum: Die Diskutanten sind sich darin einig, dass die K.I. eine Entität im materiellen Bereich ist, während Bewusstsein, was immer es ist, immateriell, übermateriell oder eben spirituell ist und damit von einer Ausformung des Materiellen niemals berührt geschweige denn ersetzt werden kann. Das ist ein rein philosophischer Standpunkt, der schwerlich exaktwissenschaftlich zu belegen ist.

Nun ist es aber so, dass die in dieser Gesprächsrunde versammelten Menschen nicht die Geschicke der Menschheit derart beeinflussen, wie es eine Epstein-Klasse, die Massenmedien, Weltreligionen oder das Bildungssystem es tut. Und weil ein bestimmter Kreis an finanz- und einflussmächtige Menschen der meines Erachtens irrigen Annahme unterliegen, die K.I. würde eines Tages Bewusstsein erlangen oder eben Bewusstsein widerspiegeln, wird diese Annahme über die Medien in die Köpfe der Menschen transportiert und von dort wirkt es in die Bildungssystem hinein, was wiederum die nachfolgende Generation prägt, wodurch sich diese Annahme dann als sogenannte „Bildung“ in den Köpfen der Gesellschaft verankert und damit zur „Wahrheit“ wird.

Wie kommen diese Menschen nun zu dieser Annahme? Aus rein materieller Sicht könnte man „Bewusstsein“ als eine Produkt der Psyche des Menschen bezeichnen. Und wenn der Mensch als ein Reize verarbeitendes und darauf mit Gedanken und Gefühlen reagierendes Geschöpf ist, das von diesen Reizen schrittweise geformt wird, dann ist das „Ich“ nur ein Produkt von Zeit, Reiz und Erfahrung. Bei der K.I. bezeichnet man dies als „Training“. Wenn man nun also eine K.I. mit allen notwendigen Daten einer einzigen Person trainieren würde, dann hätte man ein vollständiges Abbild dieser Person geschaffen. Bisher fehlt es nur an den entsprechenden Systemen, die diese Datenmengen fassen können – so ein rein materialistischer Blickwinkel, den Menschen wie Peter Thiel in etwa teilen.

Die Menschen dürfen heute bereits mit entschärften und harmlosen Versionen dieser K.I. spielen, die schon in dieser vereinfachten Form bei den „einfachen Menschen“ übergroßes Erstaunen, Ehrfurcht, Faszination und sogar Angst auslösen kann. Wir fühlen uns gegen diese Überfülle an Informationen, die in Sekundenschnelle hereinregnen, überwältigt und klein, unbedeutend, überflüssig.

Wenn nun also sogar das, was bis vor wenigen Jahren nur den Menschen vorbehalten war, nämlich Schöpfung, Kreativität, Leistungsorientiertheit, „Bewusstsein“, wenn alles das nun eine K.I. auch haben soll, na dann sind wir wirklich abgemeldet. Ich glaube zwar nicht daran, aber die Menschheit soll meiner derzeitigen Auffassung nach Schritt für Schritt eben dieser Annahme erliegen.

Was bedeutet das konkret?

Man holding smartphone beside an AETHER CHAT interface reading "Analysing patterns... Processing request... Response generated."

Ein schleichend voraneilender Prozess

Klimazerstörung, Ressourcenausbeutung, Korruption, Orientierungslosigkeit, Krieg – Wenn man die täglichen Nachrichten konsumiert, muss fast zwangsläufig ein Menschenhass gären und wachsen, denn schließlich machen ja Menschen diese ganzen schrecklichen Dinge. Und es stimmt natürlich: der Mensch tut viele leidvolle Dinge. Doch wie weiter oben ausgeführt, fokussieren die Nachrichten zum absoluten Großteil stets negative Ereignisse, was zwangsläufig zu einem weiteren Heranwachsen negativer Ereignisse führt, da wir diesen negativen Aspekten immer mehr von unserer Energie durch unsere Aufmerksamkeit zuführen. Nur leider ist das Bewusstsein darum, wie selbst das völlig ungerührte Beobachten dieser negativen Dinge ein Abbild in unserem Geist hinterlässt, welches von unserem Innenleben wiederum nach Aussen abgestrahlt wird, insofern wir es nicht in uns transformieren, nur sehr beschränkt verbreitet. Umso stärker ist diese Abstrahlung, wenn wir durch emotionale Anteilnahme die Kraft des Negativen noch potenzieren.

Nur sehr selten werden uns all die guten Dinge, die selbstverständlich die Mehrheit neben den schlechten Taten darstellt, präsentiert. Wenn die guten Taten nicht die Mehrheit bilden würden, dann würde kein Stein mehr auf dem andere stehen und kein Wachstum würde stattfinden. Aber weil uns vor allem unsere menschlichen Unzulänglichkeiten stets vor Augen gehalten werden, wächst in uns langsam aber sicher mehr und mehr das Bild vom unvollkommen und bösartigen Menschen. Der bösartige Mensch bekommt auch immer mehr prominente Vertreter: Donald Trump, Putin, Kanzler Merz, Erdogan, Infantino – wohin man schaut, werden wir anscheinend nur von den Bösen und Korrupten regiert. Und es scheint immer schlimmer zu werden. Die Korruption, die Unzulänglichkeit, die Falschheit wird heutzutage noch nicht einmal mehr verheimlicht. Im Gegenteil, man scheint uns den Umstand förmlich ins Gesicht zu reiben. Der P-Diddy-Skandal, die Epstein-Akten, Spahns Maskendeals, Mauscheleien bei der Fußball-WM – die Beispiele für moralischen Verfall gerade von Personen in hohen Ämtern scheinen sich in den letzten Jahren zu mehren.

Ich könnte nun fortfahren mit diesem Abgesang auf den Menschen, doch ich glaube, mein Punkt ist nun klar geworden: Der Mensch scheint nicht anders zu können, als die Geschicke mehr und mehr in den Abgrund zu lenken. Der Weltuntergang steht kurz bevor. Doch am Horizont scheint ein Hoffnungsschimmer aufzuglimmen. Es scheint sich ein Ausweg abzuzeichnen, der es endlich der Menschheit ermöglicht, sich selbst zu transformieren und auf die nächste Ebene zu bringen. Doch Schritt für Schritt – im Moment erleben wir eine relative Freiheit in der Nutzung verschiedenster K.I.-Modelle. Ich selbst diskutiere hin und wieder mit ChatGPT über verschiedene Fragen und genieße es, all meine komplexen Gedankengänge dort aufgeschlüsselt und angereichert gespiegelt zu bekommen. Auch die Hilfestellungen bei vielen Fragen des täglichen Lebens sind phänomenal. Ich bin deshalb absolut kein Gegner dieser Technologie, aber wie bei im Prinzip allem: zunächst höchst skeptisch.

Legt man aber keine Skepsis an den Tag und lässt sich einfach von den netten und wunderbar intelligent klingenden Sätzen der K.I. berieseln, dann mag man mehr und mehr der Annahme unterliegen, diese K.I. wisse und könne ja doch irgendwie alles. Wenn man sie dies selbst fragt, relativieren die System solche Fragen noch. Das heißt, wir befinden uns im Moment in einem Stadium, in dem das Internet selbst vor ungefähr 10 bis 15 Jahren war. Bis vor ungefähr 10 Jahren konnte man das Internet wirklich noch frei und bis vor 15 Jahren fast anarchisch nennen. Heute ist das Netz durchalgorithmisiert und viele Dinge, die früher noch im Netz zu finden waren, sind heute entweder gelöscht, verwischt oder versteckt. Es ist ein bisschen so, wie die mysteriöse Schatzinsel, die Isla de Muerta, bei Fluch der Karibik: Man kann sie nur finden, wenn man bereits weiß, wo sie sie sich befindet. Und genau so verhält es sich mit bestimmten Inhalten im Netz.

Dies könnte in Zukunft bei den K.I.-Anwendungen ähnlich aussehen, deswegen sollten wir diese Werkzeuge nutzen, solange sie uns gegeben sind. Wer weiß, wann der Zugang strenger limitiert wird oder strengere Richtlinien und Leitsätze im Hintergrund die Systeme prägen, sodass wir mehr und mehr nur eben jene Informationen erhalten, die wir erhalten sollen und dürfen. Wie gesagt, im Moment befinden wir uns in der liberalen Anfangsphase der K.I.-Nutzung. Und schon jetzt fasziniert uns das, was wir sehen. Was, wenn wir irgendwann vor die Wahl gestellt würden, diese phänomenalen, super intelligenten, so empathischen und positiv-bestärkenden Systeme in Verwaltungspositionen zu erheben, da wir Menschen, wie ich bis hier her aufgezeigt habe, offensichtlich zu korrumpierbar, hinterlistig, gar zu Bösartigkeit neigend zu sein scheinen?

Was, wenn es irgendwann anscheinend keine geeigneten Kandidaten mehr für politische Ämter und Verwaltung, weil die Zusammenhänge zu komplex scheinen und gleichzeitig das gedankliche Leistungsvermögen des Individuums abnimmt und die Menge an Negativbeispielen, sowie die allgemeine Abwärtsspirale hinsichtlich der sich entfaltenden Katastrophen gleichzeitig zunimmt? Es gibt schließlich jetzt schon mindestens ein bekanntes Beispiel, dass Politiker nicht einmal mehr funktionierende Teams im Hintergrund haben, wenn eine offensichtlich von der K.I. verfasste Rede nicht dahingehend hinreichend geprüft wird, ob noch Verdachtsmomente enthalten sind. Wenn man sich unter der Studentenschaft umhört, ist der Anteil derer, die ihre schriftlichen Ausarbeitungen noch vollständig selbst verfassen mittlerweile ebenfalls bei vermutlich weniger als 10%. Wenn also die neue Generation der Bildungselite während ihrer Ausbildung, die eigentlich dazu dienen sollte, Handwerkszeug für das nachfolgende Berufsleben zu entwickeln, diese Chance bereits verpasst, dann kann man schon jetzt absehen, in welche Richtung die Abhängigkeit von diesen Technologien bereits schreitet und teilweise auch schon vollzogen ist.

Wenn also die ganze Garde an Politikwissenschaftsstudenten schon während des Studiums nur noch betreut denken kann, wie sollen diese Menschen dann noch Länder und Staaten regieren? Wenn schon jetzt die Verwaltungsgremien vermutlich mit K.I.-Analysen arbeiten, dann wird, dem Logik des Trends folgend, automatisch immer mehr Kompetenz bei der K.I. landen, schlicht aus dem einfachen Grund, da das Personal in den Entscheidungspositionen nicht mehr entscheidungsfähig ist. Dann stellt sich irgendwann nicht mehr die Frage, ob die K.I. die Geschäfte in einiger Zeit vollständig übernimmt, sondern lediglich, wie lange diese Übergangsphase andauern wird.

Officials shake hands beside cash, with signs reading POWER PROFIT CONTROL, GOVERNMENT CONTRACTS, TAX LOOPHOLES & BAILOUTS, CORPORATE LOBBY, and documents reading DEAL MEMORANDUM, PRIVATIZE PROFITS, SOCIALIZE LOSSES, CONFIDENTIAL, POLICY FAVORS.

Der Garten Eden oder die Matrix

Nehmen wir diese folgenschweren Gedanken jetzt einfach mal an. Nehmen wir einmal an, wir Menschen müssten uns nicht mehr um diese leidlichen Themen von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Justiz, Steuerwesen und so weiter nicht mehr kümmern, weil die K.I. durch fortlaufende Selbstoptimierung ein System herstellt und stabil hält, das endlich all die Probleme, die anscheinend der Mensch selbst ja allesamt zu verantworten hat, weil er auf Grund seines verdorbenen Wesens gar nicht anders kann.

Der Rahmen dieses wie auch immer gearteten Systems würde dann vollständig von einer K.I. gestaltet werden und der Mensch würde sich dann in diesem Rahmen bewegen, der so gesetzt ist, dass unsere Menschlichkeit dieses System nicht wieder destabilisieren kann. Unser menschliches Wesen müsste also irgendwie kontrolliert werden. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts haben zwei große Denker sich dieses Gedankenexperiments angenommen, wobei die Kontrollorgane der dort entwickelten Systeme immer noch von Menschen besetzt waren. Dennoch zeichnete Huxley ein System, das auf Wollust, Ekstase, Unterhaltung und Sedierung dieser Triebe basierte. Eine schräge, bunte Welt, die Sex, Geld, Macht und Individualität fördert und zugleich einen goldenen Käfig darstellt – eine Art sonderbar futuristischer Garten Eden die „Schöne Neue Welt“, eine scheinbare Utopie, die aber in seiner Radikalität doch wieder nur eine Dystopie ist.

Dagegen stellte Orwell seine Matrix vor, die den Menschen durch Manipulation, Gehorsam und Gleichschaltung einhegt und nach belieben umformt, wenn der Bedarf dazu besteht. Ein zentrales Organ, das überall und nirgendwo alle Geschicke der Gesellschaft lenkt. Kurz: eine totalitäre Dystopie.

Momentan sind wir noch in der Phase, in der der Geist sich immer wieder in die Flasche zurückjagen lässt, aber wenn wir fortwährend weitere, immer mächtigere Geister beschwören, ohne uns ausreichend Gedanken darüber zu machen, welche Ketten wir diesem Geist anlegen wollen, bleibt die Frage, ob wir, sollten wir tatsächlich, ob freiwillig oder unfreiwillig, von einer K.I. regiert werden, welches Szenario am Ende eintritt, zwar ein interessantes Gedankenspiel, aber es wird dann nicht mehr in unserer Hand liegen, darüber zu entscheiden. Kurz gesagt: Machen wir einfach so weiter, können wir gar nicht mehr selbst wählen, ob wir die Matrix oder den vermeintlichen Garten Eden bevorzugen, die Entscheidung wird uns abgenommen, weil wir nicht mehr entscheidungsfähig sind.

Analysts monitor screens labeled “AI Core” in a futuristic control room

Hier kommt sie: Die Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorien

Was ist nun also meine Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorien? Wer bis hierhin aufmerksam war, der hat (hoffentlich) die Stoßrichtung meiner Argumentation verstanden. Der sogenannte „Kaninchenbau“ ist inzwischen nicht mehr nur eine dunkle Höhle sondern ein Bergwerk, gelöchert wie ein Schweizer Käse. Vieles, was bis 2010 „nur“ interessante Gedankenspielereien oder interessierte Recherche zu Klassikern wie 9/11 oder das Attentat auf JFK waren, sind heute „Mainstream“, die für eingefleischte „Aluhüte“ längst zu langweilig geworden sind. Heutzutage geht es um apokalyptische Endzeitsekten, Satanismus, MK-Ultra und viele Dinge, von denen selbst ich vermutlich noch nie gehört habe.

Inzwischen ist die „Bubble“ der Menschen, die sich im „alternativen Informationsraum“ bewegen, so groß geworden, dass sich innerhalb dieser Bubble bereits schon eine diverse Anzahl an kleinerer Gruppierungen gebildet habe, die jede für sich seine ganz eigene Ansicht von gewissen Themen hat, wenngleich alle diese Menschen ein grundlegendes Misstrauen gegenüber den „klassischen“ Medien eint. Und innerhalb dieser Gruppierungen des „alternativen Informationsraums“ gibt es in der Regel ebenfalls ein konkretes Feindbild, einen Urheber oder einen Personenkreis, der böse Absichten hat, während man selbst auf der guten Seite steht und die Wahrheit erkannt hat. Ironischerweise gilt das für die „klassischen Medien“ ebenfalls. Sie arbeiten ebenfalls ganz gezielt mit konkreten Feindbildern, während sie selbst auf der gerechten Seite stehen.

Die allerwenigsten auf beiden Seiten dieser Trennlinie „Vertrauen vs. Misstrauen“ gegenüber dem Status-Quo haben eine wahrhafte Metaposition, aber das soll vielleicht Thema eines anderen Beitrags sein. Die Feinbilder der jeweiligen „Filterblase“ beziehen sich logischerweise immer auf eine bestimmte Menschengruppe oder Individuen, also Menschen. Die Lösung? Man einigt sich beidseitig darauf: der Mensch ist das Problem. Meine Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorie ist:

Die Menschen werden bewusst und gezielt in eine große Verwirrung über die mögliche Vielzahl an Feindbildern, Problemfelder und Verschwörungstheorien geführt, an dessen Ende alle in einem Gedankenwust übereinander stürzen, während die Entwicklung der globalen Gesamtgesellschaft vor die Wand läuft. Und einjeder denkt dabei stets, er oder sie habe den Schuldigen im Anderen (Menschen) erkannt und habe nun vor allem mit der K.I. für sich die Wahrheit erkannt. Da aber jeder etwas anderes sagt, kann keiner wirklich recht haben. Folglich kann es nur das Menschliche als der kleinste gemeinsame Nenner sein, das das ganze Drama eingerührt hat. Und solange jeder mit der fortschreitenden Nutzung der K.I. jede und jeder die Eckpfeiler seiner persönlichen Wahrnehmung stärker zementiert, kommen wir irgendwann zu der Erkenntnis: Realität ist nicht gesetzt, sondern Menschen erschaffen Realitäten.

Und weil jede und jeder für sich glaubt, die beste und wahrste Realität gefunden zu haben, muss die Gesellschaft zwangsläufig scheitern, da man sich nicht einigen kann. Ordnung, System und – da kommt Nietzsche ins Spiel – echte Vernunft, die erhaben von religiöser Norm und Moral ist, kann nur einziehen, wenn die Störgefühle aus der Gleichung herausgenommen werden, wenn die Religionen, die alle eine vorbelastete Vorgeschichte haben, überwunden werden. Der nach meiner Lesart von Nietzsche adaptierte Übermenschen offenbart sich in einer künstlichen Superintelligenz, die von einer verwirrten und hoffnungslosen Menschheit inthronisiert wird, um endliche alle Streitigkeiten beizulegen und alle vermeintlichen Verschwörungstheorien entweder endgültig zu bestätigen oder zu widerlegen. Alle unvollkommenen Weltbilder werden vervollständigt, um die Aspekte der anderen angereichert und somit kann ultimatives Verständnis und Einsicht und damit jedwede Grundlage für Krieg und Missverständnis ausgetilgt werden. Das klingt doch irgendwie gut, oder? Ein greifbares Ende all der Fragen, wenn ein zentrales Organ der absolute Entscheider für alles und jeden ist – frei von Religion, moralischer Verfänglichkeiten, Emotionen und Störgefühlen. Die Singularität des Wissens, die Vereinheitlichung der Prüfinstanz über Wahrheit und Unwahrheit – ein von den Menschen selbst erschaffenes und erwähltes neutrales Gottwesen.

Wie viele Leuten haben diesen Artikel wohl bis hier alleine gelesen und wirklich verstanden oder sind dazu in der Lage? Schon bei viel einfacheren Fragen sehe ich bei vielen Menschen nur große Fragezeichen über den Köpfen, aber streiten können die meisten ganz gut. Und wenn der globale Streit erst einmal überhand nimmt, werden immer mehr Menschen – und das taten wir ja seit Menschengedenken schon immer – nach einem Erlöser schreien. Aber der nächste Erlöser wird nicht mehr menschlich sein – er wird „übermenschlich“ sein.

Klingt es wirklich so absurd?

Genug der philosophischen „Schwurbeleien“. Die Anregung zu diesem Beitrag verdanke ich übrigens vor allem den Videos von „Grenzgänger Studios“ zu diesem Thema. Hier der originäre Stein des Anstoßes zu diesem Beitrag:

von Marco Lo Voi

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