Gedanken zu: Angst und Wut – Woher kommen all die Emotionen?

Verhältnismäßigkeit

Dies ist das Wort der Stunde. Und zugleich Gegenstand der zunehmend heißer werdenden Debatten in Deutschland, ja in ganz Europa. Corona hält die Welt tagtäglich in seinen unsichtbaren Krallen und stranguliert unsere Gedanken. Fast kein Themenbereich bleibt von diesem alles erschütternden Ereignis unberührt.

Ein Virus, unsichtbar, tödlich und potentiell überall auf der Lauer, um sich über unser geschwächtes Immunsystem herzumachen. Woher es kommt, was genau es tut und wie gefährlich es wirklich ist, können wir faktisch noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Jeder und jede, der oder die für sich diese Fragen schon beantwortet weiß, der mag vielleicht zufällig recht haben, nur einen Teil der Wahrheit erfasst haben oder aber sich fundamental irren.

Irren möchte sich jedoch grundsätzlich niemand. Wer irrt, der muss mit dem Verlust seiner Glaubwürdigkeit rechnen. Je wichtiger also die Glaubwürdigkeit für die Tätigkeit des Einzelnen ist, desto vehementer wird diese Person dafür kämpfen, ihre Glaubwürdigkeit selbst dann zu bewahren, falls sie sich irren sollte.

Jeder irrt sich von Zeit zu Zeit. Niemand hat den universellen Schlüssel zu jenem mystischen Ort, den wir die Objektivität, die Wahrheit nennen. Diesen Umstand müssen wir verstehen. Politiker, Journalisten, Könige, Multimilliardäre, Bankkauffrauen, Managerinnen, aber auch Bäckerinnen, Krankenpfleger, Lehrer, Gelehrte ja sogar Mütter und Väter können und werden sich irren.

Und nun sollten aber Entscheidungsträger, Menschen, die für das Wohl sehr vieler anderer Menschen verantwortlich sind, Politiker und Staatsvirologen, Maßnahmen und Handlungen verordnen, die einen möglichst positiven Verlauf der Coronakrise für die gesamte Bevölkerung gestalten. Dies ist eine schwierige, ja unmögliche Aufgabe.

Denn eines ist sicher: allen Menschen gleichermaßen gerecht zu werden, die Bedürfnisse und lebensnotwendigen Grundlagen aller zu gewährleisten, hat noch nicht einmal in der Vergangenheit funktioniert, wie soll dies dann in Krisenzeiten möglich sein?

Aus diesem Grund sollten wir vorsichtig in der Verurteilung der Entscheidungsträger sein. Ich würde nicht mit einer Angela Merkel oder einem Dr. Drosten tauschen wollen. Ihre Worte entscheiden jeden Tag über den Fortbestand hunderter Menschenleben.

Dennoch sollte man eventuelle Verfehlungen, Widersprüche und schlechte Entscheidungen auch als solche benennen dürfen. Der Diskurs über die Maßnahmen ist das Thema, das gerade alle Menschen im Land umtreibt.  Woher kommt die Wut und das Unverständnis bei den einen? Und woher die bedingungslose Hörigkeit bei den anderen? Dieser Beitrag möchte einmal einen genaueren Blick auf die eventuellen Beweggründe werfen, die ich hinter diesen beiden Haltungen vermute.

Bäume

Über die Wirksamkeit des „Lockdowns“

Es stellt sich bei allen Maßnahmen, allen Regelungen und Verordnungen zunächst Frage der Wirksamkeit. Dies kann natürlich niemals vorher mit Bestimmtheit beantwortet werden, darum ist diese Frage zwar zentral, aber erst mit Erfahrungswerten zu beantworten. Die nächste Frage ist die, wie es mit der Verhältnismäßigkeit einer Maßnahme aussieht.

Die Verhältnismäßigkeit einer Maßnahme ergibt sich aus dem Vergleich zwischen Wirksamkeit und den Auswirkungen, die an anderen Stellen auftreten. Zunächst kann festgestellt werden, dass wir in Deutschland nach fast fünfwöchigem „Lockdown“ einen recht milden Verlauf der Epidemie verzeichnen können (ca. 6.600 mit/an Corona Gestorbene), wenn man Länder wie die USA (ca. 63.800 mit/an Corona Gestorbene), Italien (ca. 27.900 mit/an Corona Gestorbene) oder Frankreich (ca. 24.300 mit/an Corona Gestorbene) vergleichsweise hinzuzieht. Die Zahlen stammen vom 01.05.2020 von der Website https://www.worldometers.info/coronavirus/#countries.

Man könnte natürlich annehmen, dass dies alleinig auf die Maßnahmen zurückzuführen sei. Dies nennt man in der Statistik eine Korrelation. Wenn A sinkt und gleichzeitig B sinkt dann „korrelieren“ A und B, das heißt, sie weisen denselben Verlauf auf. Jeder, der jedoch ein wenig statistisches Grundverständnis hat – dies haben natürlich die Wenigsten; ich selbst habe bis vor einigen Wochen noch überhaupt keinen Schimmer von diesen Dingen gehabt – der weiß, dass zwei Tatsachen, nur weil sie gleich verlaufen, nicht zwangsläufig in einem „Zusammenhang“ stehen. Man spricht auch von „Scheinkorrelation“.

Es wird an dieser Stelle allerdings betont, dass natürlich das Separieren von Überträgern automatisch die Übertragungsrate senken muss. Dies kann niemand bestreiten. Bezüglich des „Lockdowns“ wird aber inzwischen sogar von der Tagesschau zumindest erwähnt, dass die Ansteckungsrate noch vor den Lockdown-Maßnahmen bereits einen Rückgang aufwies:

„Kritiker führen an, dass laut Robert Koch-Institut die Basisreproduktionszahl R bereits etwa ab dem 20. März, also einige Tage nach der weiteren Verschärfung der Corona-Maßnahmen und noch vor dem „Lockdown“ bei eins oder sogar leicht darunter lag – und leiten daraus ab, dass die Maßnahmen aufgehoben werden könnten.“ (Tagesschau.de)

Aus Sicht des Autors Wulf Rohwedder sei dies aber durchaus gefährlich und er verweist dabei auf die Expertise einer Angela Merkel und der „Helmholtz-Initiative“, die sich mit folgendem Papier dazu äußert. In diesem Papier werden mit den aktuellen Zahlen, die für sich genommen bereits Anlass für Diskussionen boten, verschiedene Verlaufs-Modelle errechnet.

In den zahlreichen Gesprächen, die ich zu diesem Thema führte, wurde deutlich, wie dennoch ein Zusammenhang von Lockdown-Maßnahmen und positivem Verlauf wo nicht bewiesen aber doch vermutet wird. Wenn man dann obigen Einwand vorbringt, so ist dieser Umstand den meisten zum einen nicht bekannt und zum anderen fällt dieser Einwand in den seltensten Fällen auf fruchtbaren Boden. Häufig wird entgegnet, dass es ja vermutlich alles doch viel schlimmer käme, wenn man nicht derartige Maßnahmen ergreife.

Dann sage ich: „Aber wissen können wir es nicht.“, „Nein, wissen können wir es nicht. Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.“ und dieses Argument ist schwerlich zu entkräften. Denn natürlich möchte sich niemand hinterher vorwerfen müssen, man habe Unschuldige auf dem Gewissen.

Wenn ich jedoch auf dieselbe Art auf die Gefahren hinweise, die ich in einer angeblich temporären Beschneidung von Grundrechten sehe, wird dies als „Panikmache“ und „übertriebene Sorge“ abgetan. Man wisse ja nicht, wie es in der Zukunft aussehe. Und wenn es wirklich soweit kommen würde, dann würden die Menschen schon für ihre Rechte kämpfen. Ich persönlich halte dies aber in Anbetracht des derzeitigen politischen Klimas leider für sehr unwahrscheinlich.

Die herrschende Doppelmoral

Während Rentner in den letzten Jahren zunehmend verarmten und sich teilweise sogar mit Pfandflaschensammeln finanzieren müssen, war das Thema Altersarmut in den vergangenen Jahre keine großen Medienkampagnen wert. Wenn dann wegen finanzieller Engpässe in der Vergangenheit keine angemessene medizinische Behandlung im Krankheitsfall möglich war, wer trägt dann die Schuld an dem Elend, das für die Betroffenen daraus erwächst?

Das perfide an systembedingten Problemen ist, dass deren Ursache nicht auf einzelne Personen zurückzuführen ist. Hier kann nicht auf einzelne Aktionäre des Gesellschaftssystems, das sich aus Politik, Wirtschaft, Medien und Sozialwesen zusammensetzt, mit dem Finger gezeigt werden. Die wahre Ursache für Altersarmut bedarf einer komplexen Auseinandersetzung verschiedenster Verflechtungen unserer Gesellschaft.

Eine solche Auseinandersetzung ist Aufgabe von Intellektuellen und Philosophen, da diese Form der Komplexität nicht von unseren Journalisten und schon gar nicht von unseren Politikern erwartet werden kann. Aber was gilt schon die Meinung eines Gelehrten oder eines Philosophen heutzutage?

Während im beispielsweise im geschichtlichen Kontext des Zweiten Weltkriegs gerne alle Art Autoren und Gelehrte zitiert werden, so würde es uns heute reichlich seltsam vorkommen, wenn ein Walter Moers, der zu meinen liebsten Autoren gehört, oder ein Lutz Seiler, der in einem Zeitraum von knapp zwanzig Jahren etwa dreißig Auszeichnungen erhielt, plötzlich im Rahmen großer sozial-politischer Vorgänge von Medienhäuser zitiert werden würde.

Natürlich scheint es schwierig, diese beiden mit Größen wie Hermann Hesse, Thomas Mann, Bertolt Brecht oder Günter Grass zu vergleichen, aber wer kann sich denn anmaßen, entscheiden zu können, wessen Meinung nun mehr wert ist?

Ach stimmt. Die beiden zeitgenössischen Autoren sind keine „Experten“, waren die Letztgenannten zwar auch nicht, aber das tut nichts zur Sache. Wir sind nun mal im Zeitalter des Expertentums und nur diejenigen, die von akzeptierten Experten zu Experten erhoben werden, haben das Recht, Experten zu sein.

Um die Kurve zu kriegen: Altersarmut erzeugt Leid. Dies schien aber nicht wirklich von Bedeutung für den Großteil der Gesellschaft. Nun wird jedoch am laufenden Band an das moralische Verhalten aller Bürgerinnen und Bürger appelliert, sich doch bei ihrem Handeln genauestens vor Augen zu halten, dass sie ältere Mitbürger direkt gefährden. Jede und jeder, der unmaskiert herumläuft, sei ein Gefährder für ältere Menschen. Hier kann also sehr leicht ein Schuldiger ausgemacht und sozial sanktioniert werden.

Ein System, bei dem verschiedenste Interessen und Bedürfnisse in komplexen Zusammenhängen und unter Wechselwirkungen und Spannungen stehen, kann eben nicht so leicht an den Pranger gestellt werden. Wenn man dies tut, so ist das Ergebnis am Ende meist die ausgelutschte Phrase „Der Kapitalismus ist Schuld“ – was ja leider irgendwie stimmt, aber keinen vernünftigen Lösungsansatz bietet.

Baum mit Stadt in der Krone

Und diejenigen, die versuchen, etwas Licht in die Verflechtungen zu bringen, werden mit der mittlerweile sehr plattgeklopften Keule „Verschwörungstheoretiker“ ihres Expertenstatus enthoben. Sogar die Sendung „Neues aus der Anstalt“ musste gerichtlich Vorgehen, um eine Sendung vor der Zensur zu bewahren, weil sie wohl eine gesetzte rote Linie übertraten. In dieser Folge haben sie unter anderem die Verflechtungen der großen Medienhäuser mit transatlantischen Bündnissen nachgewiesen.

Genauso verhält es sich mit dem Argument der Überlastung unseres Gesundheitssystems. In einem vergangenen Artikel habe ich bereits aufgezeigt, wie unser Gesundheitssystem und gesundheitsbezogene Forschung in den letzten Jahren im Vergleich zu beispielsweise den Rüstungsausgaben jedes Jahr Einbußen im zur Verfügung stehenden Budget verzeichnen durfte. Zu diesem Thema gibt es im Übrigen ebenfalls eine gelungene Folge der Anstalt.

Eule

Beinahe jede und jeder wusste um die verwahrloste Situation unserer lieben Bundeswehr. Gewehre, die nicht geradeaus schießen, Panzer, die nicht fahren, Flugzeuge, die nicht fliegen. Hier nur ein Beispielartikel. Niedrige Löhne im sozialen Bereich und überarbeite Pflegekräfte waren zwar irgendwie allen ein Begriff, wenn man jedoch den Bundeshaushalt der letzten Jahre als Maßstab nimmt, so hat es die Regierung als nicht sehr dringlich angesehen, in dieser Hinsicht nennenswert aktiv zu werden – darauf bin bereits in diesem Artikel näher eingegangen.

Als maßgebliche Entscheidungsträger, die vom Volke dazu ermächtigt wurden, die großen Geschicke unserer Gesellschaft zu lenken, lag es also jahrelang in deren Händen, ein solides gesellschaftliches System zu entwerfen, das auf Krisen adäquat reagieren kann. Allerdings sahen wir in der näheren Vergangenheit eine Krise nach der anderen, während der allgemeine Kurs hinsichtlich wirtschaftlichen Gesetzen und sozialen Leistungen nicht zu Gunsten der Mittel- und Unterschicht sondern der Oberschicht gestaltet wurden – wer diese Aussage bezweifelt, der möge mir bitte die Welt zeigen, in der er oder sie lebt.

Die Schuldfrage

Natürlich bringt uns die Suche nach dem Schuldigen in unserer aktuellen Situation nicht weiter; sie ist aber dennoch wichtig, um unsere Sinne für die Zukunft zu schärfen.

Die Leitmedien sind nichtsdestotrotz recht fleißig dabei, diejenigen, die all diese Dinge, die ich bis zu diesem Punkt genannt habe, bereits über Jahre hinweg bewusst erdulden und daraufhin aufbegehren, als Gefährder zu diffamieren. Es reicht schon, wenn man all diese hier genannten Punkte lediglich benennt und sich zu Recht empört, wenn nun der gelernte Bankkaufmann Jens Spahn die Last für all die Versäumnisse der letzten Jahre, die sich die Politik geleistet hat, den Bürgern auferlegt, indem sie freiwillig „Social Distancing“ betreiben sollen.

Um all die gefährlichen Gedanken, die hier formuliert wurden, ungehört zu machen, werden Leute wie ich, mit Menschen in einen Topf geworfen, die sich der „Q-Bewegung“ angeschlossen haben, tatsächlich rassistische und hasserfüllte Kommentare verfassen, an die Faktizität verschiedenster Verschwörungen glauben und diese Gedanken zu ihrem Lebensalltag machen.

All diese Gedanken haben nur eines gemeinsam: Sie bewegen sich abseits der allgemeinen politischen Akzeptanz, weshalb sie gerne als „vereinigte Querfront“ und gleichgerichtete Bedrohung angesehen werden. Aus Sicht des Mainstreams, ist das natürlich so. All die zahlreichen Gedanken richten sich eben, jede Bewegung, jeder Gedanke für sich, gegen den Mainstream.

Selbst wenn diese abweichenden Gedanken sich untereinander teilweise kaum ähneln, ja nicht mal ergänzen oder sich gar widersprechen, spielt das aus Sicht des Mainstreams keine Rolle. Selbst wenn sich die Bewegungen untereinander nicht einmal mögen, sich vielleicht sogar hassen, denn auch in den „alternativen Kreisen“ herrscht mittlerweile angespannte Stimmung. Sie spielen alle nicht im eigenen Team, darum können sie bequem in einen Sack gepackt werden, auf dem dann munter mit derselben Keule, auf der von „Antisemit“ bis „Corona-Leugner“ alles steht, eingedroschen werden kann – da trifft man immer den Richtigen.

Menschen - Sillhouetten

Wut und Hass als treibende Kraft

Die Zahl der Abonnenten der einzelnen Medien belegen es: Die Alternativen legen zu, der Mainstream verbucht sinkende Zahlen.

Dies lässt nur zwei Deutungsweisen zu:  die Leute gehen vermehrt den Rattenfängern der „Alternativen“ in die Falle oder aber der Zweifel am und die Wut auf das vorherrschende System wächst, woraufhin sich immer mehr Menschen von der Mainstream-Propaganda abwenden.

Auf welcher Seite man steht, ist hier die grundsätzliche und alles entscheidende Frage.

Weshalb sich die Menschen von der Tagesschau und den etablierten Medien genau abwenden, könnte auf Buchlänge beschrieben werden, darum soll dies hier nicht im Detail beleuchtet werden.

Woher kommt die nun aber die Wut und Emotionalität der beiden großen Lager, in die sich die Gesellschaft gespalten hat? Für manche scheint es schon mehr als ausreichend, die bis hier hin beschriebenen Dinge zu wissen, um Kritik an den Maßnahmen zu üben. Die meisten, die sich jedoch zu der protestierenden Seite bekennen, haben sich jedoch häufig schon Monate und Jahre zuvor mit verschiedenen Themen beschäftigt, die nicht in der Tagesschau und Co. behandelt werden.

Wer in die Geschichte der Politik zurückblickt, der stößt leider auf eine ganze Reihe an Lügen, Verfehlungen und Korruptionsskandalen. Darum ist eine gewisse Grundskepsis bereits gegeben. Wenn man aus deren Sicht nun sieht, wie abweichende Meinung von anderen Virologen und Epidemiologie systematisch einseitig von allen Mainstream-Medien gleichgeschaltet behandelt werden, wenn man die Verflechtungen eines Bill Gates sieht und sich seine Aussagen mal genau anhört, wenn man mit dem nötigen statistischen Wissen die Aussagen der verschiedenen Kurven genau betrachtet, wenn man die Widersprüchlichkeiten zum Wesen des Virus gegenüberstellt, wenn in den letzten Tagen mehr und mehr Videos von Youtube zum Thema „Corona“ gelöscht werden, wenn… und so weiter, dann ist glaube ich klar, weshalb der eine oder die andere da schon mehr als stutzig wird.

Die „andere“ Seite

Wer nicht um all diese „Wenns“ weiß, wer jeden Tag arbeiten geht, vielleicht Kinder und Auto hat, Zeitungen wie die „BZ“, die „SZ“ oder die Frankfurter Allgemeine liest und ergänzend die Tagesschau-App auf dem Handy hat, jeden Abend Tagesschau sieht und vielleicht noch einen Vater oder eine Mutter im Alter von 80+ hat, der ist verständlicherweise völlig außer sich, wenn er Menschen sieht, die sich zu großen Mengen auf öffentlichen Plätzen versammeln.

Diese Person sieht in einem Protestierenden einen verwirrten und manipulierten Menschen, dem irgendein antisemitischer Weltuntergangspredigern den Kopf gewaschen hat. Verschwörungstheoretiker sind Corona-Leugner, die den Virus als virtuellen Gedanken betrachten, den die Pharmalobby mit 5G-Strahlung der Smartphones in die Köpfe der Mainstream-Opfer geimpft hat – so oder so ähnlich muss das Ergebnis der Zusammenwürfelung all dieser Themen im Ergebnis aussehen.

Ich könnte seitenweise Belege für „Mainstream“-Beiträge zum Thema „Verschwörungstheorie“ anführen. Inhaltlich sagen sie alle dasselbe. Im Grunde ist es egal, welchen Artikel man hier anführt. Interessant dabei ist, wie stets über das Wesen von Verschwörungstheorien im Allgemeinen gesprochen wird, während beispielhaft stets nur irgendwelche kleinen absurden Details aus den einzelnen Theorien zitiert werden, ohne sich wirklich inhaltlich damit auseinanderzusetzen oder den Versuch zu unternehmen, sie logisch nachzuvollziehen.

Neben den aus meiner Sicht der Wahrheit entsprechenden Aufklärungsarbeiten, kursieren natürlich viele Hirngespinste im Internet. Vieles ist teilweise wahr, während ein Großteil durch Interpretation und Vermutung ergänzt wird, um eine vollwertige Theorie daraus zu entwickeln.

Das „Milgram-Experiment“ hat es gezeigt: Wenn eine anerkannte Autorität nun gewisse Handlungsvorgaben macht, sind wir Menschen bereit, wirklich unmenschliche Dinge zu tun. Wenn also beispielsweise ein George Bush sagt, Verschwörungstheorien jeder Form seien kategorisch abzulehnen, dann befolgt der ordentliche Bürger diese Anweisung selbstverständlich.

Zusammenfassung

Natürlich ist dieser Beitrag von meiner persönlichen Haltung geprägt. Ich selbst sehe mich als jemand, der versucht, der bei allen Dingen möglichst nahe an das zu gelangen versucht, was man Wahrheit nennt. Aber das würden vermutlich fast jeder von sich behaupten.

Dies ist jedoch aus meiner Sicht nahezu unmöglich. Meine Feder wurde von meinen Erfahrungen und meinen Recherchen der letzten Jahre geformt und lässt sich nicht so leicht wieder verbiegen. Das ist mir bewusst.

Ähnlich wie bei meinem Vegetarierdasein, ist dies aber keine Frage einer Meinung sondern spiegelt eine Grundhaltung, eine Überzeugung in mir wider. Eine Überzeugung ist wie eine Religion, sie muss nicht zwingend beweisbar sein. Ich versuche jedoch, stets die Beweggründe meiner Handlungen und Gedanken zu hinterfragen, versuche, meine Meinung anhand beweisbarer Fakten zu prüfen. Ich versuche, allen Dingen, allen Aussagen und allen Menschen möglichst neutral zu begegnen. Darum sehe ich mich eigentlich in keinem der Lager, die ich oben beschrieben habe.

Zwei Personen neben einem Baum - Schwarz-Weiss

Der Mensch braucht allerdings Kategorisierungen, um sich in der Welt zu orientieren. Kategorien helfen uns, Wahrnehmung zu vereinfachen und unsere Umgebung schneller zu erfassen. Darum ist man stets froh darüber, wenn man einen Namen oder einen Begriff für Dinge oder Menschen hat. Denn Namen oder Begriffe beinhalten bereits die Beurteilung und Eigenschaften des Wesens des Bezeichneten: Impfgegner, Corona-Leugner, Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Mainstream-Opfer, Systemling, Antisemit, Untermensch, etc.

Werden Menschen mit diesen Etiketten versehen, so brauchen wir uns, in Abhängigkeit davon, auf welcher Seite wir uns selbst sehen, nicht mit ihren Aussagen inhaltlich zu befassen. Die Grundhaltung ihrer Aussagen kann nur so sein, wie es ihrer Bezeichnung entspricht. Komisch nur, dass diese Begriffe immer von der Gegenseite geprägt und auf das andere Lager angewendet werden. Die allermeisten würden diese Begriffe natürlich ablehnen, aber das tut ja nichts zur Sache, denn um das herauszufinden, müsste man mit ihnen sprechen.

Ich kann die Wut und die Empörung beider Lager vollkommen verstehen. Ich bin ich allerdings der festen Überzeugung, dass jeder Mensch im Kern dasselbe will: in Frieden und Freiheit leben. Jeder Mensch hat Mitmenschen in seinem näheren Umfeld, für die er sich einsetzt und denen es gut gehen soll. Die Wege dorthin, sind unterschiedlich. Aber die Entscheidung über den Weg, den jede und jeder für sich einschlägt, hängt von der individuellen Lebenserfahrung, von der Sozialisierung und eben allem ab, was einem im Laufe seines/ihres Lebens passiert.

Und dass niemandes Lebenslauf sich exakt mit dem eines anderen deckt, ist offensichtlich. Somit ist auch klar, weshalb es nie einen Weg gibt, der für alle der Richtige ist. Es ist aber auch richtig, dass nicht jeder seinen eigenen Weg gehen kann, weshalb wir einen gemeinschaftlichen, breiteren Weg finden müssen, auf dem jede und jeder die Freiheiten hat, die er als zwingend notwendig erachtet.

Dafür müssen wir wieder in den Dialog treten und genau das ist mein persönliches Anliegen unabhängig von meiner eigenen Haltung. Ich bin bereit, Dinge zu akzeptieren, die ich vielleicht für unsinnig oder falsch erachte. Jede und jeder, der in einer Wohngemeinschaft lebt, weiß, wie das ist. Manche entgegnen dann, sie seien nicht in der Lage, in einer WG zu leben.

Die Wahl, ob wir in dieser Welt-WG geboren werden, liegt allerdings nicht bei uns. Wir können nur unser Möglichstes tun, um es so erträglich wie möglich für alle zu gestalten. Wer an seinem eng abgesteckten Weg festhält, der behindert aktiv eine Besserung unserer Gesellschaft und spielt genau denjenigen in die Karten, die unabhängig von der für die Gesellschaft geltenden Gesetze agieren können.

Dem Geldadel, dem reichen 1% ist es herzlich egal, ob die Schulen dicht, die Fluggesellschaften geschlossen und die Läden verrammelt sind. Sie haben ihre eigenen Netzwerke und Möglichkeiten, die völlig abgekoppelt von unserem alltäglichen Leben bestehen und funktionieren. Dies ist natürlich reine Spekulation. Aber wer seine eigenen Ländereien, Flugzeuge und Bildungsanstalten unterhält, der ist nun mal weitestgehend autark.

Ob dies jedoch auf Dauer funktioniert, wage ich stark zu bezweifeln.

Darum:

Gegen Spaltung jeder Art!

Für die Vernunft!

Sprecht miteinander!

Traut euch, eure Meinung zu sagen, egal wie sie aussehen mag! Ihr werdet sehen:

Vernunft und Wahrheit wird sich am Ende durchsetzen!


von Marco Lo Voi

3 Antworten auf “Gedanken zu: Angst und Wut – Woher kommen all die Emotionen?”

  1. Danke für diesen differenzierten Beitrag. Genau deswegen bin ich froh hier in einem demokratischen Land zu leben: wir dürfen alle unsere Meinung frei ãußern! Und ja, auch ich bin froh, dass ich nicht diese schwere politische Verantwortung tragen muss für Entscheidungen zwischen Gesundheit und gemeinschaftlichem Leben. Ich weiß jedoch, dass die unerbittlichen Kritiker möglicherweise schneller in ihren Entscheidungen und Urteilen sind, dafür keinerlei Toleranz für ihre Kritiker aufbringen. Und ich sehe (große) Chancen in dieser Krise: Vielleicht lernen wir undnehmen Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zukunft wichtiger als Konsum und Wirtschaftswachstum.

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    1. Hallo simplify,

      danke für deinen Kommentar.
      Ich weiß zwar jetzt nicht ganz genau, welche Kritiker du hier im einzelnen meinst, aber ich schätze mit Ersteren meinst du die Kritiker am „Mainstream“.
      Gemäß meiner Erfahrung ist der sogenannte „Mainstream“ ziemlich schnell bei Vereinfachungen und Pauschalisierungen, während ihnen eine mittlerweile sehr große und vielfältige Gruppe, die sich selbst nicht als Gruppe sieht, gegenübersteht: die „freien“ Medien. Hier sollte man sich jeden Einzelfall angucken, da wirklich nicht jedes Medium die Dinge auf gleiche Weise beleuchtet, nur weil sie alle zu den „alternativen“ Medien gehören.
      Aber man nimmt diejenigen, die eine Meinung verteidigen, die nicht die eigene ist, immer als „intoleranter“ und „unverbesserlicher“ wahr. Dennoch glaube ich, dass es der falsche Weg ist, eine abweichende Meinung gleich mit einer „Verschwörung“ gleichzusetzen. Dies ist aus meiner Sicht ein plumper Trick, der jegliche noch so fundierte Kritik an der politischen Führung im Keim ersticken soll. Die Geschichte lehrt uns, dass wir genau hinsehen müssen, wenn unsere Politik solch wichtige Dinge entscheidet. Da ist eine überhöhte Vorsicht meiner Meinung nach besser, als im Nachhinein ziemlich dumm aus der Wäsche zu gucken.

      Da stimme ich dir zu. Diese Hoffnung habe ich auch, aber sie kann nur wahr werden, wenn wir die wahren Ursachen für die aktuelle Krise entdecken. Das Virus ist meiner Ansicht nach ein vorgeschobener Grund und garantiert nicht alleinige Ursache für uns jetzige Situation. Meine Befürchtung ist jedoch, dass unser aller Aufmerksamkeit auf das Virus gebannt wird, um uns für alle anderen Ursachen taub und blind zu machen. Für eine bessere Zukunft brauchen wir eine Aufklärung und diese erreichen wir nur durch einen aktiven und freien Diskurs.

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      1. Ja, den freien Diskurs brauchen wir. Ich denke auch, dass Corona nicht die alleinige Ursache für die wirtschaftliche Situation ist… allerdings bin ich mir nicht sicher ob es „eine vorgeschobene Ursache“ ist.
        Ich sehe in Corona auch eine Chance diese Probleme anzugehen (wie Konsumismus, zunehmendes Auseinanderdriften der Gesellschaft, Umweltzerstörung), weil wir gezwungen sind umzudenken. Meiner Meinung nach müssen wir bescheidener werden und gleichzeitig erkennen, dass alle Menschen weltweit in einem Boot sitzen, wenn es um die Rettung von Klima und Planet geht. Wenn wir da etwas erreichen wollen, müssen wir drastisch umdenken. Raus aus der Komfortzone. Soetwas anzugehen ist schwer. Weil (sehr) unpopuläre Entscheidungen getroffen werden müssen. Aber wahrscheinlich werden die Probleme einmal mehr mit einem riesen Haufen Geld zugeschüttet. Unter dem Geldhaufen können die Probleme dann weiter gären.

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