„Der neue Radikalismus“ – Vorwort

Vorwort
Die Notwendigkeit des neuen Radikalismus

Wir, die Menschheitsfamilie, sind in einem Dilemma gefangen. Die Probleme des 21. Jahrhunderts sind nun den meisten Menschen bekannt. Vor wenigen Jahrhunderten noch waren Hunger, Krieg und Armut die Hauptursachen für das Leid des Menschen. Heute sind dies meist nur Symptome einer tieferliegenden Problematik. Es ist so viel „Geld“ im Umlauf wie noch nie zuvor, trotzdem leben viele Menschen in Armut. Wir werfen tonnenweise genießbares Essen auf den Müll, wir sprechen von Überproduktion und trotzdem sterben Menschen an Hunger. Wir haben die UNO und die Menschenrechtscharta, die offiziell Kriege verbietet und für Sicherheit in der Welt sorgen sollte, trotzdem fallen täglich Bomben. Wie kann das sein?

Der Mensch hat es doch geschafft, die offensichtlichen Ursachen für diese Problemfelder zu erarbeiten. Auf dem blutigen Fundament einer tausendjährigen Menschheitsgeschichte haben wir heute alle Mittel erkämpft, um Wohlstand, Nahrung und Frieden für alle zu ermöglichen. Warum haben wir dann nach wie vor dieselben Menschheitsprobleme wie in all den Jahrtausenden zuvor?

Nicht nur das, wir haben uns darüber hinaus weitere Problemfelder eigenhändig erschaffen. Bei dem Versuch der Beseitigung der drei Grundprobleme Krieg, Hunger und Armut haben wir umfangreichen Kollateralschaden angerichtet. Angefangen von der Verschmutzung der Umwelt, der Unzahl getöteter Menschen im Zuge „gerechter“ Kriege, die Erschaffung eines Wirtschaftssystems, das nun zur größten Bedrohung der Menschheit selbst geworden ist. Es stellen sich nun die folgenden drei Fragen:

Ist der Mensch schlicht unfähig, durchdacht und gerecht zu handeln?
Sind die drei Grundprobleme an sich unlösbar?
Ist der Mensch dazu verdammt, sich früher oder später selbst zu eliminieren?

Vielleicht. All dies ist möglich, dennoch glaube ich fest daran, dass diese Fragen ebenso mit Nein beantwortet werden können. Die Betonung liegt hierbei auf „können“. Dies impliziert, dass hierbei eine Eigenleistung erforderlich ist, um beim Fehlversuch ein „Ja“ und bei Erfolg ein „Nein“ auf diese Fragen zu erhalten. Es liegt an uns, dem Mensch, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Davon bin ich überzeugt. Schicksal hin, Fügung her, wir sind unser eigen Schicksal Schmied, unser eigen Fügung Tischler.

Ja, bisher hat uns die Geschichte enttäuscht. Sie besteht aus einer Reihe an Fehlversuchen, die zwischendurch gute Tendenzen aufwiesen. Auch heute haben wir positive Trends, die ich nicht verleugnen möchte. Dennoch bedarf es noch einiger Anstrengung, bis der Mensch sein Utopia endlich errichtet hat oder untergeht. Dieses Manifest, das Manifest des neuen Radikalismus, will keine Utopie zeichnen, sondern möchte auf Möglichkeiten hinweisen.

Möglichkeiten, die die Menschheit in der Gegenwart hat, aber offensichtlich unfähig ist, sie wahrzunehmen. Diese augenscheinliche Unfähigkeit soll vor allem verhandelt werden. Mein Ansatz dabei ist der „neue Radikalismus“. Dabei beziehe ich mich auf den lateinischen Ursprung des Begriffs radix, was nichts anderes als „Wurzel“ bedeutet. In seiner grundlegendsten Definition, ohne die Verunreinigung des Begriffs durch die Geschichte, bedeutet „radikal“ nichts weiter als „von Grund aus“, „die Dinge bei ihrer Wurzel begreifen“.

Ich sage nicht, dass mir dies stets gelänge, doch im Zuge vieler Gespräche und Diskussionen, die ich lediglich anhörte oder in denen ich selbst aktiv mitwirkte, fiel mir immer wieder auf, dass der Gesprächsgegenstand stets auf einem relativ oberflächlichen Niveau geführt wird. Dies ist nicht gleichzusetzen mit einer schlechten Diskussion. Symptomanalyse und -behandlung muss zwangsläufig auf einer oberflächlichen Ebene geschehen, denn dort äußern sich diese schließlich. Aber eine reine Beschreibung von Zuständen, selbst eine eingehende Analyse derselben und eine darauf basierende Meinungsdiskussion ist lediglich nur Vorläufer der eigentlichen Problembehandlung.

Ich sage nicht, diese Vorgänge wären unsinnig, sie sind essentieller Teil, aber trotzdem nur Teil. Um den Gegenstand wirklich und tatsächlich zu beleuchten, muss man zu dessen Kern, zu dessen Wurzel vordringen. Nur dort ist Wahrheit, nur dort ist Lösung, nur dort ist Heilung. Um zu dieser Wurzel vorzustoßen, bedarf es leider vieler Worte. Das liegt nicht daran, dass die Wurzel komplex wäre; sie ist in ihrem Wesen sogar recht simpel und schlicht. Doch der menschliche Verstand, das vermeintliche Wissen, das Ego und die eigenen Neigungen liegen wie eine meterdicke Erdschicht über der Wurzel und müssen mit mühsamen, esslöffelgroßen Spatenstichen aufgelockert und abgetragen werden.

Mandala

Ja, das Ego muss gebrochen werden, die eigenen Neigungen und Ansichten müssen in Frage gestellt werden, der Geist muss frei und unbeschwert sein, um wahrhaftig zur Wurzel vordringen zu können. Dies ist der Grund, weshalb viele Diskussion auf einem oberflächlichen Niveau verharren. Der Mensch hat einen natürlichen Verteidigungsreflex, wenn es um seine „Ich-Konstruktion“ geht, wenn es um seine Ansichten, seine Erfahrungen und seine persönlichen Ideologien geht. Das ist nachvollziehbar, denn diese Erfahrungen haben wir mit Blut, Schweiß, Tränen, Enttäuschung, Begeisterung, Anstrengungen und vielem anderen bezahlt, wie könnte man denn in einem einfachen Gespräch diese Investitionen der eigenen Lebenszeit ohne weiteres über Bord werfen? Das ist nicht leicht, für die meisten kostet es eine unmenschliche Überwindung und für viele ist es schlicht unmöglich.

Ballerina

Wer sich zu den Letzteren zählt, für den könnten die folgenden Seiten unverständlich sein. Sie erfordern das völlige Ausblenden der eigenen Erfahrungen und Meinungen, bieten allerdings im Gegenzug neue Erkenntnisse. Auf den folgenden Seiten treffen Psychologie, Philosophie, Theologie und Soziologie aufeinander und vermengen sich zu einer neuen Lebenshaltung, die abstrakt weil universal ist. Willkommen im neuen Radikalismus.


von Marco Lo Voi

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