„Künstliche Intelligenz“ – Tod dem selbständigen Denken!

Schnelllebigkeit 2.0

Wohl kaum ein anderes Thema hat uns schneller überfallen und einige inzwischen auch schon wieder abgehängt, wie die forteilende Entwicklung der KI – die sogenannte „Künstliche Intelligenz“. Zwar werden wir tagtäglich mit „leitmedialer“ Berichterstattungen zu Themen wie „Ukraine-Krieg“, „Gaza-Konflikt“ und jüngst einem evozierten Aufschrei über ein Privattreffen verschiedener Parteifunktionäre des rechten Demokratieflügels mit unliebsamen Charakteren, die dem rechtsradikalen Spektrum zugeordnet werden, beschäftigt und in eine bestimmte Richtung „geschubst“. Selbst in GEZ-finanzierten Medien, die laut Rundfunkstaatsvertrag eigentlich zur Ausgewogenheit verpflichtet sind (Medienstaatsvertrag, S. 28), wurden die Protesten gegen „Rechts“ fleißig beworben (Beispiel WDR, Beispiel Tagesschau). Ich habe generell überhaupt nichts gegen Demonstration und schon gar nicht gegen Rechtsextremismus, ist schließlich ein demokratisches Grundrecht und echten rechtsnationalistischen Tendenzen muss definitiv etwas entgegengehalten werden. Manche Demos sind aber in den Augen der GEZ-Medien gleicher als andere, wie wir sehr gut an den Protestbewegungen gegen die Corona-Maßnahmen oder jüngst den Pro-Palästinensischen Demos sehen konnten.

Aber naja, die Entwicklungen bleiben nicht stehen, nur weil der leitmediale Fokus heute so sehr wie noch nie auf Inhalte liegt, die Zerwürfnisse in der Gesellschaft befeuert. Im Internet, in den freien und in den sozialen Medien ist das Themenspektrum hingegen oft sehr viel abwechslungsreicher und durch die Vielfältigkeit der Teilnehmer, die ihre Gedanken und Beiträge öffentlich machen, oft wesentlich gegenwartsnäher, ausgewogener und immer öfter auch besser recherchiert und belegt. Während das Thema „Künstliche Intelligenz“ also einerseits beleuchtet und diskutiert wird, wird die Technik zugleich sogar schon von Laien fleißig verwendet, um alle möglichen Dinge erstellen zu lassen. Frühstarter haben sich schon vor Monaten verschiedene Vorlagen, ganze Projektentwürfe und einfache Grafiken ausgeben lassen. Spätzünder nutzen die KI-Tools heute, um sich Texte übersetzen, Lebensläufe erstellen, ja ganze Abgaben für Hochschulen vollständig verfassen zu lassen.

Daneben gibt es einen immer größer werdenden Anteil an Computer-Cracks, also Menschen mit einem Händchen für Informationstechnologie, die sogenannte Deep-Fakes erstellen. Deep-Fakes nahmen ihren Anfang mit computergenerierten Fotomontagen, für die man früher noch ein geschickter Nutzer von Bildbearbeitungsprogrammen wie „Fotoshop“ sein musste. Dies leistet die KI heute in wenigen Sekunden. Diese Fotomontagen zeigen dann gerne bekannte Persönlichkeiten, die in verschiedene Kontexte gesetzt werden, um Szenen zu erschaffen, die so nie stattgefunden haben, zugleich aber den Anschein erwecken, es handle sich um ein reales Foto.

Berühmte erste Motive waren beispielsweise ein vor seiner angeblichen Verhaftung fliehender Donald Trump, was man in unserer schnelllebigen Zeit sogar schon als Klassiker bezeichnen könnte. Heute sind die Deep-Fakes so weit, dass ganze Videosequenzen mit Original-Ton textlich manipuliert werden können, sodass jedweder Person alle möglichen Worte in den Mund gelegt werden können. Ein humoröses Beispiel ist die legendäre Wutrede vom Ex-Bayern-Trainer Trapattoni, die von einem Youtuber in eine Brandrede gegen die aktuelle Ampelregierung verwandelt wurde.

Original

Deep Fake

Von den ersten Fotomontagen bis hin zu solchen Videomontagen vergingen nur wenige Monate. Während ich hier in Freiburg sitze und hoffe, dass meine Internetverbindung nicht gleich wieder weg ist, weil irgendwo seit einem Monat herumgewerkelt wird, hängt der technologische Fortschritt einen Großteil der „Einfachen Menschen“ ab.

Tod dem selbständigen Denken!

Als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache konfrontiere ich tagtäglich Menschen mit unterschiedlichstem kulturellen und sprachlichen Hintergrund mit den gewundenen Verwinkelungen der wunderbaren, vielfältigen und darum so komplexen und schwer zu durchdringenden Deutschen Sprache. Meine Lehrphilosophie, egal, ob ich Jugendlichen Nachhilfe im Fach „Deutsch“ oder „Englisch“ gebe oder mit Erwachsenen aus allen Altersgruppen die Deutsche Sprache beleuchte – mein oberstes Ziel ist die Vermittlung eines kreativen und kritischen Denkens, welches uns ermächtigt, wirklich schöpferisch tätig zu sein. Und dabei spreche ich in erster Linie nicht von Kunst, sondern von dem Erwerb und der Anwendung einer neuen Sprache wie Deutsch, die ein enormes Vermögen an abstraktem Denken erfordert.

Die größte Mühe besteht für mich häufig darin, die Teilnehmer zunächst sprachlich und schließlich auch hinsichtlich des wirklichen Verständnisses auf eine Ebene zu begleiten, auf der sie begreifen, dass ihr Smartphone zwar ein mächtiges Werkzeug ist, dieses Werkzeug aber nur so gut funktionieren kann, wie der Nutzer Grenzen und Möglichkeiten dieses Werkzeugs auch erkennt. Es kostet mich sehr viel Zeit, viele Worte und sehr viele Beispiele und Unterrichtsminuten, bis die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer begreift, dass ein Übersetzungstool oder eine Sprach-KI zwar immer ein Ergebnis liefert, dieses Ergebnis aber nur durch den Geist, bzw. die Intelligenz des Nutzers auch auf seinen Wahrheitsgehalt bzw. seine Richtigkeit im jeweiligen Kontext hin geprüft werden kann. Wenn wir jedoch dem Glauben anheim fallen, die Technologie sei doch ach so gut, dass das Ergebnis ja nicht falsch sein könne, weil es ja an andere Stelle durchaus richtige Ergebnisse liefert, dann vertrauen wir uns einer Instanz an, die maximal intransparent ist und keinerlei Spielraum zulässt, dieses Ergebnis innerhalb dieses Systems in Zweifel zu ziehen.

Zudem ist an dieser Stelle die alte Binse „der Weg ist das Ziel“ so wahr wie kaum in anderen Situationen. Wenn wir in Sachen Bildung immer nur ergebnisorientiert denken und die Wege zu diesen Ergebnissen immer weiter verkürzen möchten, wird die Fähigkeit, langfristige und große Ziele erreichen zu können, leiden, da es beispielsweise beim Ziel des Erlernens einer Sprache vor allem auf Ausdauer, fortlaufendes Integrieren und Anwenden der Ergebnisse auf Verstandesebene und insbesondere bei Deutsch um intrinsische Kreativität geht, die neben der Denk-Ausdauer bei der Benutzung von KI am stärksten leidet.

Bei einfachen Fragen nach Sprachvokabeln mag eine Falschanwendung oder eine Fehlinterpretation der Ergebnisse in den meisten Fällen ja recht triviale Auswirkungen haben, wenn wir aber größer denken und beispielsweise über „Autonomes Fahren“, KI-übersetzte tagesaktuelle Berichterstattung aus dem Ausland zu kritischen Themen wie Krieg und Terror, KI-gestützte Kriegsführung – wie sie im Übrigen bereits bei den Vernichtungsangriffen auf den Gaza-Streifen durch das israelische Militär zum Einsatz kommt – oder über staatssichernde Verteidigungsanlagen von Atommächten sprechen, dann geben wir nicht nur unsere Denkleistung ab, sondern entziehen uns auch der moralischen Ebene und betreten einen moralfreien Raum, für den hunderttausende Menschen im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit blutige Revolutionen gefochten haben. Was für ein Wahnsinn!

Fortschritt = Entwicklung ?

Dieser Trend ist offensichtlich nicht mehr aufzuhalten, wenn die großen Institutionen des kollektiven Gewissens – allen voran die Staatsmedien – es mehr oder minder neutral zur Kenntnis nehmen und sogar Solidarität für eine Staatsmacht einfordern, die eine Maschine entscheiden lässt, auf welche Köpfe nun Bomben abgeworfen werden. Aber ja, schließlich füttern sie diese Kriegsmaschine ja mit vielen, vielen Daten:
„Der Schlüssel zu dieser Kriegsführung liegt in der schnellen Festlegung von Angriffszielen auf Basis großer Datenmengen. Schon seit 2019 haben Israels Streitkräfte ein ,Target Center‘, in dem nach Angaben des früheren Generalstabschefs Aviv Kochavi Hunderte Soldaten arbeiten. Und schon 2021 setzte Israel bei der damaligen Eskalation im Gazastreifen Systeme zur Zielfestlegung ein, die auf KI basierten: ,Die israelische Armee veröffentlichte, dass in dieser Operation drei KI-Systeme eingesetzt wurden‘, sagt er.
Dadurch habe sie 200 Ziele auf qualitativ hoher Ebene aus unterschiedlichen Informationsquellen innerhalb von zwölf Tagen erstellen können“ (Quelle).

Aber den Angriff der Hamas, die sich mehrere Stunden lang durch den Grenzzaun arbeiteten, in israelisches Gebiet eindringen und tausende Menschen massakrieren konnten, diesen Angriff konnten sie angeblich trotz jahrelanger Datensammlung weder vorausahnen noch schnell genug darauf reagieren. Wie sehr ist so einer Überwachungs- und Analysetechnik dann zu vertrauen? Oder hatte dieser Umstand andere Hintergründe? Ah nein, hier werden wir vom ZDF aufgeklärt: die Hamas war einfach unglaublich gut im Geheimhalten. Da sollte sich der israelische Mossad, der angeblich beste Geheimdienst der Welt, aber gründlich schämen. Das Selbstbild des Mossad wird in den Aussagen dessen Ex-Vize-Chefs Ram Ben Barak überdeutlich:

Frage: Der Mossad war stets vom Mythos umgeben, jeden Feind überall auf der Welt gnadenlos zur Strecke zu bringen. Nun gab es eine Reihe von Pannen. Ist das Image angekratzt?
Ben-Barak: Das denke ich überhaupt nicht. Der Mossad – und das ist kein Mythos – kann jeden Ort und jeden Menschen erreichen. Und das sage ich mit voller Verantwortung.
Frage: Der frühere Hamas-Politbürochef Chaled Maschal, der bereits vor 20 Jahren von israelischen Agenten ermordet werden sollte, erfreut sich bis heute bester Gesundheit.
Ben-Barak: Das heißt nicht, dass wir ihn nicht erreichen könnten. Die Fälle, die schiefgehen, gelangen an die Öffentlichkeit. Was nicht bekannt ist, sind Hunderte, Tausende gelungene Operationen. Um Erfolg zu haben, müssen wir uns immer dicht am Abgrund bewegen.“
(Quelle)

Aber klar, Versagen ist menschlich – ein Glück, dass der KI immer mehr Aufgabenbereiche überantwortet werden, so kann denn auch ein Ram Ben Barak die Schuld für solche Patzer in Zukunft einfach der KI zuschustern. Oder aber wir ersetzen die Hundertschaften an Soldaten der Aufklärungseinheit allesamt durch KI, dann können solche „Fauxpas“, wie der Angriff der Hamas auf israelische Zivilisten, überhaupt nicht passieren. Du merkst, geneigter Leser und geneigte Leserin, dass es mir schwerfällt, bei der geballten Absurdität der letzten Wochen ernst zu bleiben, zumal es hier wortwörtlich um Leben und Tod geht.

Die Argumentation der Fortschrittsgläubigen ist jedoch ähnlich simpel wie die eines Karl Lauterbach bezüglich Corona-Impfungen und -Maßnahmen – wenn es noch nicht funktioniert, muss man die Häufigkeit und die Intensität erhöhen, bzw. den Fortschritt der KI nur beschleunigen – Irrtum ausgeschlossen!

„Kunst“ kommt von „künstlich“

Wenden wir uns in der Betrachtung einem anderen Bereich des menschlichen Wirkens zu: der Kunst. Ganz intuitiv regt sich in mir größter Widerstand, wenn ich höre, wie Leute schwärmerisch begeistert davon berichten, die KI könne jetzt Kunst in Form von Musik, bildender Kunst oder Literatur hervorbringen. Ganz so, als käme der Begriff „Kunst“ tatsächlich vom Begriff „künstlich“ als ein Gegensatz zum Natürlichen; so, als bilde „Kunst“ ein dichotomisches Begriffspaar mit „Natur“. Hierin spiegelt sich erneut die Losgelöstheit des Menschen von seinen Wurzeln und seiner Verbindung zur Historie des kulturellen Geisteslebens. Als Sprachwissenschaftler und Wortakrobat empfehle ich jeder und jedem, nicht ausschließlich den Duden zu bemühen, wenn man etwas über die Ursprünge und die Bedeutungsentwicklung eines Begriffs erfahren möchte, sondern auf „www.woerterbuchnetz.de“ nachzuschlagen.

Dort finden sich verschiedenste Nachschlagewerke vereint. Eines meiner liebsten Lexika ist dabei „Meyers Großes Konversationslexikon (6. Auflage, 1905–1909)“. Hier findet sich ein ganz wunderbarer Eintrag zum Begriff „Kunst“, den ich am liebsten vollständig zitieren würde. Auf Grund der Länge des Eintrags hier ein wesentlicher Ausschnitt:

„Kunst (von können) im weitesten
Sinne des Wortes ist jede zur Vollendung
gebrachte Fertigkeit und bezeichnet im
Gegensatz zum Erkennen und Wissen
die Gabe, das richtig Erfaßte mit
Leichtigkeit und Sicherheit in 
Handlungen zu betätigen; […]

Jedes produktive und reproduktive
künstlerische Vermögen beruht auf
Anlagen, die sich wohl durch 
Verstandeseinsicht […] und Übung
lenken und erweitern, niemals aber
wecken und zur Vollendung führen
lassen: es ist letzten Endes auf die
die Vorstellungstätigkeit begleitenden
und leitenden Gefühle begründet,
und die Fähigkeit ungehemmten,
kräftigen und vielseitigen Gefühls ist
sehr viel seltener anzutreffen und 
verkümmert viel leichter als die des
gefühlsschwachen logischen Denkens.
Das Gefühl steigert die intellektuellen
Funktionen zu ungewöhnlichen
Leistungen, läßt Werte erfassen, die der
Verstand nicht begreift, beschleunigt 
den Ablauf der Vorstellungen und
führt zu Kombinationen, die abseits
vom Weg liegen. Diese in der Regel als
Phantasie bezeichnete, von originellen
Gefühlsimpulsen bestimmte
Vorstellungsbetätigung des
künstlerischen Vermögens weicht von
dem logischen Verstandesdenken
durchaus ab, ohne dessen
Grundgebote zu verleugnen;“
(Quelle)

Ich fasse zusammen: Kunst kommt von „können“ und bezeichnet also mehr die Fertigkeit als das letztendliche „Produkt“, welches man ohnehin im künstlerischen Kontext eher als „Werk“ bezeichnen würde. Des weiteren betont der zitierte Ausschnitt die Ebene des Gefühls, das durch die Kunsttätigkeit zum Ausdruck gebracht wird. Logisches Denken sei „gefühlsschwach“ und würde erst durch die Anreicherung von Gefühlen auf die Ebene des künstlerischen Schaffens erhoben werden. Emotionen lassen sich nun einmal nicht programmieren, weil Emotionen meines Erachtens ihren Urgrund im individuellen Bewusstsein haben, welches auf Makro-Ebene Teil des universellen Bewusstseins ist und auf der Mikro-Ebene durch den Körper des Individuums zum Ausdruck gebracht werden. Dieser Umstand, der sich durch keinen technologischen Fortschritt je ändern wird, lässt „Werte erfassen, die der Verstand
nicht begreift, beschleunigt den
Ablauf der Vorstellungen und 
führt zu Kombinationen,
die abseits vom Wege liegen“.

Natürlichen sind Graphiken und Bilder, die von KI geschaffen werden, technisch interessant und faszinierend, sicher auch „schön“, aber hierbei von Kunstwerken zu sprechen, wie das dieser Beitrag tut, halte ich für haarsträubend. Es wäre so, als würde man ein Auto für einen Streckenrekord bei einem 50-Meter-Olympia-Sprint für diese Fahrleistung beglückwünschen. Oder man würde dem Motorrad mit dem Kameramann einen Etappensieg bei der Tour de France zusprechen, weil dieses die Ziellinie als erstes überquert hat. Was ich damit sagen will: eine KI ist ein Werkzeug, genauso wie es ein Auto ist. Wenn wir der Perversion erliegen, die Positionen, ja die Hierarchie zwischen Werkzeug und Benutzer miteinander zu vertauschen, so überließen wir nach dem menschlichen Wirkbereich der körperlichen Tätigkeit (Industrialisierung) und der Verstandestätigkeit (z.B. KI-Übersetzer, neuronale Netzwerke und automatisierte Alarmsysteme) nun auch noch den Bereich der Gefühlstätigkeit und somit die letzte Bastion der wahrhaft freigeistigen Betätigung des menschlichen Wesens einer logisch-prozeduralen Digitalmaschinenstruktur.

Mandala

Die Transhumanistische Agenda schreitet voran

In einem umfassenden Beitrag zum Thema „Transhumanismus“ habe ich bereits dargelegt, worum es sich dabei meines Erachtens handelt. Nur so viel in Kürze: der Begriff „Transhumanismus“ ist eine moderne Fortentwicklung des verfemten Begriffs „Eugenik“. Es geht darum, den Menschen durch wissenschaftliche Erkenntnisse in verschiedensten Disziplinen zu „verbessern“, indem beispielsweise Krankheiten noch vor der Entstehung des Embryos ausgemerzt werden, indem „Designerbabys“ dank gentechnischer Veränderungen „erstellt“ werden. Zugleich wird ein Menschenbild gefördert, dass den Menschen als „defekt“, „fehlerbehaftet“, ja fast schon von Geburt an „sündhaft“ darstellt. Darum muss der Mensch in allen möglichen Bereichen kontrolliert werden. Einen ersten Eindruck davon haben wir während der Corona-Zeit erlebt.

Die KI könnte dieses Menschenbild weiter bestärken, wenn wir in Ehrfurcht davor erstarren, was denn künstliche Intelligenz alles so vollbringen kann. Angefangen von durch KI geschlagene Schachgroßmeister, über eine immer ergebnisorientiertere akademische Schicht, die sich alle möglichen Leistungen von der KI abnehmen lassen, um am Ende ein Papier über einen vermeintlichen „Bildungsabschluss“ in der Hand zu halten, bis hin zu Kunstkritikern, die ehrfürchtig vor KI-Kunst erzittern und ihnen schon Preise verleihen. Welchen Wert hat denn ein Preis, wenn diese „Ehrung“ nicht einem Menschen zuteil wird, der sich dadurch auch geehrt fühlen kann? Wie „kreativ“ kann ein Schachzug sein, wenn er durch ein rein rationales Ausschlussverfahren ausgeführt wird? Welchen Sinn hat eine Ausbildung, wenn man am Ende keinerlei Lerninhalte daraus mitnimmt?

Dieser gesamtgesellschaftliche Niveauverlust lässt ganz automatisch die „großartige“ Leistung einer künstlichen Intelligenz noch großartiger Erscheinen, wenn der betrachtende Mensch zu immer weniger Eigenleistung auf egal welcher Ebene im Stande ist. Ein greifbares Beispiel: wie ehrfürchtig stand ich als ein halbwegs kunstverständiger Mensch vor einer Marmorstatue eines Da Vinci, während ich hingegen froh bin, wenn eine meiner gezeichneten Katzen als solche überhaupt erkannt werden.

Moses, Original von Da Vinci (Quelle)

Die Wahrnehmung über die Qualität einer Sache ist also eine dialogische Angelegenheit. Zum einen gibt es die Sache an sich, die von gewisser Qualität im Vergleich zu anderen Sachen ist und die vom Individuum wahrgenommen wird. Andererseits erfolgt meist intuitiv ein Abgleich mit den eigenen Möglich- und Fähigkeiten des betrachtenden Individuums. Diese Projektion des Egos, des Subjekts, auf die Sache, das Objekt, ist oft entscheidender für die Bewertung dieses Objekts durch das Subjekt. In einem Wort: Perspektivsache. In dem Maße, in welchem also die Möglichkeiten der KI wachsen, läuft der Mensch bei unbewusster und falscher Nutzung dieses Werkzeugs Gefahr, die eigenen Fähigkeiten einzubüßen. Wer also immer nur den Fahrstuhl und nie mehr die Treppe nimmt, wird die Treppe irgendwann nicht mehr erklimmen können, wenn er es denn wollte.

Der Da Vinci-Vergleich mag hinken, aber dennoch sollten meines Erachtens all diese Aspekte neben einigen weiteren in der Erziehung der heranwachsenden Generationen berücksichtigt werden. Dafür ist aber zunächst ein kritischer Diskurs vonnöten, der hoffentlich mit den hier geeinten Gedanken einen weiteren Beitrag erfahren hat.

Spielende Familie

Ein positiver Ausblick

An dieser Stelle ist es wohl überflüssig zu sagen, dass ich der gesamten Entwicklung äußerst kritisch gegenüberstehe. Schon jetzt zeigen sich Auswirkungen in der neuronalen Entwicklung von Jugendlichen und Kindern, die in einer durchdigitalisierten Welt aufwachsen, wenngleich diesem Umstand, wie eine schnelle Internet-Recherche zeigt, kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ein großer Name, der jedoch schon lange – und wie jüngst in diesem Interview (Quelle) erneut – vor zu viel Mediennutzung warnt, ist der Hirnforscher Manfred Spitzer, .

Gibt es neben den von mir aufgeführten, aber immer noch nur beispielhaften und sicherlich lückenhaften Auflistung an Folgen, die ich durchweg als negativ erachte, auch positive Aspekte der KI? Klar. Ein Werkzeug an sich ist neutral. Die richtige Handhabung ist entscheidend. Kann uns neben den auf der Hand liegenden sinnvollen Anwendungen der KI der Umgang mit den gesellschaftlichen Umwälzungen, die mit dieser Entwicklung einhergehen, auch hinsichtlich eines anderen Aspekts helfen? Von welchem Aspekt spreche ich? Der Journalist Aron Morhoff hat dazu ein paar Gedanken formuliert, die ich nicht noch einmal nachkauen möchte. Im folgenden Video stellt ein paar Betrachtungen an, wie das vermehrte Aufkommen von Deep-Fakes eine Renaissance in der Mediennutzung befeuern könnte.

von Marco Lo Voi

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