Neue Italienische Reise – Auf den Spuren Goethes

Über 200 Jahre liegen zwischen der Gran Tour des größten deutschen Dichters und seines geistigen Nachfahren. Mit diesem Buch schließt Marco Antonio Lo Voi an der Tradition der Reiseliteratur an und gewährt einen tiefen Einblick in die Erfahrungen auf seiner Suche nach den Spuren Johann Wolfgang von Goethes quer durch Italien. Von Südtirol über Rom nach Sizilien verfolgte der Autor die Reiseroute des Dichters Goethe und verglich dabei seine Erfahrungen mit den Eindrücken, die Goethe uns aus dem Italien des 18. Jahrhunderts schildert.

Hat sich das Reisen seither verändert? Was ist mit den Orten geschehen, durch die Goethe gereist ist? Wie sehr hat sich die Welt in den letzten 200 Jahren gewandelt? Dies und viele weitere Betrachtungen liefert Marco Antonio Lo Voi in seinem literarischen Reisebericht.

„Gleich einem Film, den man mit vielfacher Geschwindigkeit abspielt, verhält sich die moderne Art des Reisens in rauchenden Zügen auf festgefügten Gleisen zu den archaischen Kutschfahrten mit Hufgeklapper auf staubigen Straßen. Die Vor- und Nachteile bedürfen, so denke ich, keiner eingehenden Analyse, da sie auf der Hand liegen. Darum versuche ich, den Blickwinkel eines Autors zu vermitteln, der sich wohl bis zu einem gewissen Grade von dem eines herkömmlichen Reisenden unterscheidet:

Blickt man bei rasanten Zugfahrten aus dem Fenster, so vermengt die Geschwindigkeit die Farben der Landschaft ineinander. Details sind Augenblicke, große Bilder Atemzüge. Es ist möglich, weite Regionen als ein zusammenhängendes Ganzes wahrzunehmen, sie als große Impressionen im Geiste zu einen und ein Gefühl, ja eine generelle Idee großer Landschaften zu gewinnen. Beim gemächlichen Traben zu Pferde oder beim Gehen zu Fuße, stehen kleine Dinge im Vordergrund. Einzelne Punkte, Gebilde, Naturereignisse und Begegnungen treten dabei aus einem unüberschaubaren Kosmos heraus und bilden den primären Betrachtungsgegenstand. Die Atmosphäre ist dabei von bestechender Relevanz:

Temperatur, Geräuschkulisse, Wind und Sonnenlicht beeinflussen nicht nur die optische Wahrnehmung, auch das Gemüt wird durch die Verhältnisse geprägt, was sich wiederum auf die subjektive Wahrnehmung auswirkt. Im Zug oder einem Auto ist man hingegen stärker auf sich selbst fokussiert. Man befindet sich in einer mehr oder minder neutralen Atmosphäre, fast vollständig abgeschirmt vom Treiben der Natur, das zu einem bloßen optischen Spektakel wird, gleich einem Stummfilm im Kino.

Auf Grund der überschaubaren Dauer meiner Reise kann ich jedoch von Glück reden, eine Strecke von über vierhundert Kilometer in etwa acht Stunden zurücklegen zu können – doch wer weiß, vielleicht hätte ich in meiner Position vor zweihundertdreißig Jahren mehr Zeit gehabt, als es die neoliberale Weltordnung heutzutage zulässt. Ein anderer Aspekt, der meine Reise von der Goethes unterscheidet, ist die Art und Weise der Dokumentation. Während er sich stets in Briefen an seine Freunde in der Heimat gewandt hat, führte ich ein Tagebuch. Neben seinen Briefen hat er noch zahlreiche andere Dokumente abgefasst, in denen er allgemeine Betrachtungen festgehalten hat, die sich schon eher mit meinen Tagebucheinträgen vergleichen lässt.

Doch darf man dabei nicht vergessen, dass vor über zweihundert Jahren Reisen noch wirkliches Entdecken bedeutete. Goethe hat viele Dinge dabei zum ersten Male erblickt, während für den modernen Menschen alles dank des digitalen, weltumspannenden Netzes im Vorhinein erfahrbar ist. Wirklich aufmerksames Beobachten ist für die Augen eines Greises ungleich schwerer als für die eines Kindes.“

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Das Buch erscheint demnächst im Eigenverlag!