Gedanken zu: Freiheit – Ein großes Wort

„innere“ und „äußere“ Freiheit

Der Begriff „Freiheit“ wird im Zuge der Pandemie völlig neu definiert. Wo meine Elterngeneration, die in den 70ern geboren wurde, noch mit ihrer Hände Arbeit einen soliden Wohlstand erreichen konnte, gilt das für die Generationen ab den 90ern schon kaum mehr. In unserer kapitalistisch-neoliberalen Gesellschaftsordnung, die sich im Westen als demokratisch organisiert darstellt, ist damals wie heute „Geld“ das Mittel, um sich „Freiheit“ innerhalb der gesellschaftlichen Schranken zu erkaufen.

Diese „Freiheiten“, die (vor allem) durch Reichtum und Macht leicht erlangt werden können, nenne ich „äußere Freiheiten“. Daneben gibt es natürlich noch die „seelische“, bzw. „geistige“ oder auch „innere Freiheit“, die mit keinem Geld der Welt erkauft werden kann. Diese kann nur mit aktiver Bewusstseinsarbeit und persönlicher Entwicklung erreicht werden. Sie ist aus meiner Sicht der wichtigste Grundpfeiler eines gesunden Menschenlebens. Um diese „innere“ Freiheit soll es in diesem Beitrag aber nicht gehen.

Im Folgenden möchte ich die derzeitige gesellschaftliche Entwicklung thematisieren, in der die angeblich „freie“ Impfentscheidung ausschlaggebend dafür ist, am öffentlichen Leben teilnehmen zu können und in bestimmten Schul- und Arbeitsbereichen noch tätig werden zu dürfen. Dies sind alles Dinge, die für mich zu den „äußeren“ Freiheiten gehören. Wenngleich ich die „innere Freiheit“ als wichtiger erachte, müssen wir dennoch sehr wachsam sein, wenn die „äußeren Freiheiten“ aus bestimmten Gründen beschnitten werden.

„Die Freiheit ist ein Luxus, den sich nicht jedermann gestatten kann!“

Otto von Bismarck (1815-1898), Bismarck’s Geflügelte Worte in Bild und Schrift, Verlag von W. Moeser, Berlin 1874.

Die Umkehrung der Grundsätze

Tagtäglich erreichen uns neue Meldungen, welche Auswirkungen und Nebenwirkungen Impfungen oder der Verzicht auf die Impfungen hat. Zum einen wäre da natürlich der medizinische Punkt, der eventuelle Impfnebenwirkungen oder fatale Infektionsverläufe mit dem C-Virus betrifft, aber zunehmend wird auch der „Freiheits“-Aspekt verhandelt.

Um all diese Meldungen, die vor rund zwei Jahren noch Stoff für abstruseste Science-Fiction oder Aluhut-Mystik gewesen wären, heute als alltäglich anzusehen, mussten bestimmte Grundsätze völlig umgekehrt werden. Der zentrale Grundsatz, der seit dem Auftreten des C-Virus medial umgekehrt wurde, ist:
„Du bist nicht grundsätzlich gesund, nur weil du symptomlos bist.“

Jede und jeder ist unabhängig von seinem klinischen Status (Symptome?) ein potentieller Virenträger. Der Begriff „gesund“ ist irrelevant geworden. Erst ein Test entscheidet darüber, ob du „infiziert“ bist oder nicht. Wenn du „negativ getestet“ bist, dann musst du dich aber dennoch an bestimmte Hygiene-Regeln halten, denn sowohl PCR- als auch Antigen-Tests haben schließlich einen nicht zu unterschätzenden Unsicherheitsfaktor.

Diese erste Umkehrung der Grundsätze, in der ein Mensch grundsätzlich verdächtigt wird, eine Gefahr zu sein und er oder sie erst nachweisen muss, dass er „rein“ oder „negativ“ oder „unbelastet“ ist, wird nun als Grundlage genommen, weitere fundamentale Umkehrungen zu begründen. Der ungetestete Mensch ist als zunächst prinzipiell „unfrei“, weil er oder sie sich erst die Berechtigung einholen muss, bestimmte Dinge zu tun oder Zutritt zu erhalten.

„Auf seine Freiheit verzichten heißt, auf seine Menschenwürde, Menschenrechte, selbst auf seine Pflichten zu verzichten.“

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes (Du Contrat social ou Principes du droit politique), 1754-58, Erstdruck 1762.

Die „Neue Normalität“

Die meisten haben sich schon daran gewöhnt oder haben es schlicht einfach vergessen, aber faktisch besteht aus politischer Sicht immer noch eine „epidemische Notlage von nationaler Tragweite“, weshalb die „parlamentarische Demokratie“ auf unbestimmte Zeit ausgesetzt ist, die Bundesregierung somit fast ungehindert agieren kann und bestimmte Verordnungen, an die wir uns schon so gewöhnt haben und die im „Normalbetrieb“ so vermutlich niemals stattfinden können, überhaupt „legalisiert“ wurden.
Kurz: Das Grundgesetz hat Pause.

Die Begründung dafür ist die erste Umkehrung, die ich oben beschrieben habe. Die nächste Umkehrung schließt sich daran an und betrifft die gesellschaftspolitische Ebene:
„Grundrechte gelten nicht mehr grundsätzlich.“

Die sogenannte „3G-Regel“ ist ein rhetorischer Trick, der diese Umkehrung verschleiern soll. Vor knapp zwei Jahren hätten viele noch behauptet, sie wären hier in Deutschland Teil einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft. Nun, da alle grundsätzlich Verdächtige sind, die erst einen Beweis ihrer „Unschuld“ erbringen müssen, kann zumindest ich das so nicht mehr unterschreiben. Der nächste Schritt ist nun die Verengung des gesellschaftlichen Raumes, indem diese grundsätzliche „Unfreiheit“ „vergesellschaftet“ wird, indem der Zutritt zu Gesellschaftsräumen an Bedingungen geknüpft wird.

Räume, die zuvor noch für alle „zugänglich“ waren, sind nun zunächst für alle „geschlossen“. Erst, wenn man bestimmte Bedingungen erfüllt, öffnet sich dieser „Raum“ wieder. Diese zweite Umkehrung besteht also darin, dass „Räume“ wie Bars, Clubs und Friseure nicht mehr grundsätzlich offen sondern erst mal geschlossen sind. Dann wird geprüft, ob die Person, die Zutritt möchte, dazu auch „berechtigt“ ist, also das „Recht“ dazu hat, diesen Raum zu betreten. Erst dann öffnet sich dieser Raum wieder.

Eine weitere erschreckende Umkehrung ist die Abkehr von dem, was wir einst „Grundrechte“ nannten. Heute nennen wir sie „Privilegien“, die man durch die „Impfentscheidung“ zugesprochen bekommt. Wo also vormals der Mensch in Deutschland „grundsätzlich“ bestimmte Rechte (GrundRechte) hatte, sind diese zwar nicht abgeschafft, aber für unbestimmte Zeit „außer Kraft gesetzt“. Erst der Status „3G“ ermöglicht es, diese Grundrechte in größerem Umfang zurückzuerhalten.

Der Begriff „3G-Regel“ nutzt die stilistischen Figuren der „Alliteration“ (mit demselben Buchstaben beginnend) und des „Trikolons“ (Dreiernennung) um sexy und charmant daherzukommen: geimpfte – genesen – getestet. Ein berühmtes Beispiel, das dieselben Figuren nutzt, ist das cäsarische „veni, vidi, vici“: Ich kam, sah und siegte.

Zugleich erinnert uns der Begriff „3G“ an unser geliebtes Smartphone, welches mit „3G“ zu einem mächtigen Universalgerät wurde, das unser Leben fundamental verändert hat. Für die meisten zum Guten. Darum muss diese Regel ja gut sein. Das damit die grundsätzliche Unfreiheit in Stein gemeißelt wird, scheint den allermeisten irgendwie nicht bewusst zu sein. Zudem wird bereits die Reduktion auf „2G“ beziehungsweise sogar auf „1G“ diskutiert.
Willkommen in der Neuen Normalität.

„Ein Land verliert seine Freiheit, wenn es sie nicht über alles schätzt. Aber es verliert Wohlstand und Reichtum zugleich, wenn Wohlstand und Reichtum mehr gelten als die Freiheit.“

William Somerset Maugham (1874-1965), englischer Schriftsteller

Stockholm-Syndrom und das Lechzen nach Erlösung

Die Dauerbeschallung über alle möglichen Kanäle, das permanente Schüren von Ängsten und das Verbieten von privaten und öffentlichen Veranstaltungen, Schulunterricht und Vereinstätigkeiten hat uns vor allem im trüben Winter zermürbt. Diesen Sommer haben wir die Lockerungen so gefeiert, wie ein Hund, der beim Gassigehen im Park für eine Weile von der Leine gelassen wurde, um aber bei zu wildem Tollen mit Pfeifen zur Ordnung gerufen zu werden.

Für viele, die aus verschiedenen Gründen keine Leidenschaften und Hobbys haben, die unabhängig von diesen gesellschaftlichen Räumen funktionieren, waren die Möglichkeiten der freizeitlichen Beschäftigungen sehr beschränkt. Die seltenen Urlaube werden kompliziert, der Besuch im Freizeitpark wird erschwert, Konzerte, Theater und Kino waren gänzlich geschlossen. Gerade junge Familien, Alleinstehende und Bewohner großer urbaner Gebiete ohne Nähe zur Natur leiden extrem unter diesen Bedingungen.

Dieses Leid wird durch mediale Anstachelung in „Hass“ transformiert, wenn sogenannte „Impfgegner“ und „unsolidarische“ Superspreader sich „Freiheiten“ nehmen, indem sie das „Impfangebot“ nicht wahrnehmen oder sich in Gruppen ohne Hygiene-Maßnahmen zusammenfinden. Im letzten Beitrag habe ich nur eine Handvoll Hinweise, derer es zahlreiche gibt, geliefert, die das Ablehnen des „Impfangebotes“ faktisch begründen.

„Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden.“

Rosa Luxemburg (1871-1919), Die russische Revolution. Eine kritische Würdigung, hg. von Paul Levi nach dem handschriftlichen Manuskript aus dem Nachlass 1922

Die Beraubung von Freiheiten durch eine Person oder eine Autorität kann nach einer gewissen Dauer dazu führen, dass die Opfer Sympathien für die Täter entwickeln, sodass kleine Lockerungen als großherzige Tat betrachtet werden. Insbesondere, wenn der Anschein erweckt wird, die „Beraubung von Freiheiten“ geschehe aus einem Schutzaspekt vor einer viel größeren Gefahr.

„Wer anderen die Freiheit verleugnet, verdient sie nicht für sich selbst.“

Abraham Lincoln (1809-1865), 16. Präsident der USA und Gegner der Sklaverei

In vielen Diskussion rund um das C-Virus ist die Grundvoraussetzung, die alle Maßnahmen, alle Forderungen und alle Entwicklungen rechtfertigt, die „sehr hohe“ Gefährlichkeit des C-Virus. Auf Grund der statistischen Unsicherheiten, die durch das anfängliche Chaos entstanden und bis heute nicht wirklich aufgearbeitet sind, kursieren verschiedene Annahmen darüber, wie viele Menschen wirklich ursächlich am C-Virus gestorben sind und nach wie vor sterben.

Auch wegen der fatalen Gleichsetzung von einer positiven Testung mit einer „Infektion“ und der Betrug mit den Zahlen der Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern ist die Datenlage bis heute sehr wirr und unter strengen wissenschaftlichen Maßgaben nicht „robust“. Die Grundannahme über die „außerordentliche hohe“ Gefährlichkeit des Virus ist jedoch alleinig durch ihre ständige Wiederholung gesetzt, obwohl diese immer wieder kritisiert und auch teilweise widerlegt wurde. Nun erdreisten sich wenige Entscheidungsträger, von „Freiheiten nur für Geimpfte“ zu sprechen. Dies impliziert zugleich die „Unfreiheit für Ungeimpfte“.

„Tyrannen sind in unseren Tagen die gefährlichsten Freiheitsprediger.“

Ludwig Börne (1786-1837), deutscher Journalist und Kritiker

Die anerzogene Ohnmachtshaltung, die wir als Gesellschaft vorgeblich mit der Aufklärung abgeschüttelt haben, ist heute wieder sehr präsent: „Was willst du schon dagegen machen? Ist halt so.“ Die innere Überzeugung, nicht an den großen gesellschaftlichen Rädern drehen zu können, lässt diejenigen, die sich nicht aus medizinischen Beweggründen für die Impfung entschieden haben, dennoch das Impfangebot annehmen. Zum einen möchte man nicht zur Minderheit gehören und zum anderen möchte man einfach wieder „Normalität“. Dabei ist die Impfung eben das goldene „G“ der „3Gs“, da man sonst ja „viele Dinge nicht mehr machen kann.“

Menschen, die sich dennoch dagegen entscheiden, ernten häufig Unverständnis. „Willst du nicht ins Kino gehen?“, „möchtest du nicht mal Essen gehen?“, „dann kannst du halt nicht mehr reisen.“ Menschen, die derlei Phrasen äußern, haben sich gedanklich so sehr an all diese Umkehrungen gewöhnt, dass sie die Alternative einfach nicht mehr begreifen können. Ist doch bloß ein Pieks. Danach beginnt (angeblich) die Freiheit!

„Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.“

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), mährisch-österreichische Schriftstellerin, Aphorismen, 1911

Gesellschaftliche Unruhen

Natürlich formiert sich auch Widerstand gegen all diese Entwicklungen. Jetzt, da ich diese Zeilen niederschreibe, laufen Menschen in Berlin auf die Straßen, um für ihre Freiheiten einzustehen. Während hierzulande derlei Demonstrationen, die vor allem durch die Bewegung „Querdenken“ initiiert wurden, heutzutage einfach verboten werden, finden beispielsweise „Pro-Flüchtlings-Demos“ oder CSD-Demonstrationen, gegen die ich grundsätzlich absolut nichts habe, statt, obwohl bei den CSDs intimer Körperkontakt zwischen Menschen ja fast schon zum Leitfaden gehört.

Demoverbote und Polizei-Gewalt gegen Maßnahmenkritiker wird, wenn überhaupt davon berichtet wird, eher sachlich-neutral oder wohlwollend betrachtet, während niemals jemand auf die Idee kommen würde, eine Demo für die Rechte von Homosexuellen oder Transgender-Menschen zu verbieten oder gar gewaltsam zu beenden.

In Italien aber vor allem in Frankreich, die in ihrer Freiheitsbeschränkung schon weiter vorangeschritten sind, sieht die Sache anders aus. Dort finden derzeit heftige und große Demonstrationen statt, die hierzulande kaum Erwähnung finden. Ich persönlich bin absolut kein Fan von Gewalt, Zerstörung und Unruhen.

Auf den Demos, die ich besucht habe, war mir die Stimmung, sobald Polizeiaufmärsche stattfanden oder aber die Demoteilnehmer in Krawalle verfallen sind, extrem unangenehm. Auf diesem Blog habe ich bereits von zwei verschiedenen Demos in Stuttgart berichtet. Eine davon war eine linke Demo gegen die Verschärfung von Polizei-Gesetzen und eine andere bezog sich auf die Corona-Maßnahmen.

Dennoch kann ich es vollkommen verstehen, wenn Menschen angesichts dieser Entwicklungen keine andere Möglichkeit mehr sehen, ihrer Stimmung Ausdruck zu verleihen. Wenngleich ich hoffe, dass C.F. Meyers Worte nicht wahr werden müssen:

„Wie wird verlorene Freiheit wiedergewonnen? Durch einen aus der Tiefe des Volkes kommenden Stoß und Sturm der sittlichen Kräfte.“

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898), schweizerischer Dichter

Ich persönlich habe schon mehrfach erwähnt, dass es Aufgabe des Staates wäre, die Rahmenbedingen zu schaffen, um es jeder neuen Generation zu ermöglichen, mündige und unabhängig denkende Bürgerinnen und Bürger werden zu können. Vernunft, der humanistische Leitgedanke und Freiheit sind dabei wesentliche Elemente, die ich allesamt nicht erst seit der Pandemie als bedroht ansehe. Die Geschwindigkeit, in der diese Elemente unterminiert werden, ist das einzige, was sich in den letzten anderthalb Jahren aus meiner Sicht tatsächlich exponentiell entwickelt hat.

Ich schließe mit einem Zitat von Albert Schweitzer:

„Freiheit besteht vor allem darin, das zu tun, was man nach seinem Gewissen tun soll.“

Albert Schweitzer (1875-1965), deutsch-französischer Arzt, Philosoph, Theologe, Organist, Musikwissenschaftler und Pazifist

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